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Kuriose Trainerentlassungen Rauswurf nach der Ehrenrunde

3. Teil: Lothar Matthäus - "Alle bei Rapid - von der Putzfrau angefangen - atmen auf, dass er verschwunden ist"

So viele positive Worte von ehemaligen Spielern hätte Lothar Matthäus wohl auch gern gehört. Doch nach seiner ersten Trainerstation beim österreichischen Erstligisten Rapid Wien beklagte sich Torwart Ladislav Maier ausgiebig in der Prager Heimat-Zeitung "Mlada fronta Dnes" über den deutschen Rekordnationalspieler: "Alle bei Rapid - von der Putzfrau angefangen - atmen auf, dass er verschwunden ist", sagte Meier. "Gegenüber Spielern hat er sich grässlich verhalten. Matthäus wollte um jeden Preis interessant sein, schnappte immer als Erster nach dem Mikrofon. Das Training war eine unglaublich langweilige Schablone." Außerdem sei Matthäus starrköpfig gewesen: "Wenn er freitags sagte, es sei Montag, dann war Montag und fertig." Sein Urteil über Matthäus: "Gäbe es nur den Trainer Matthäus, würde ich sagen, dass ich keinen größeren Tölpel gesehen habe." Matthäus hatte den Club auf den achten Tabellenplatz geführt - die schlechteste Plazierung seit der Einführung der österreichischen Meisterschaft 1911.

Seine Entlassung wurde von allerhand Nebengeräuschen begleitet. So sorgte ein Interview von Matthäus für viel Aufregung. Darin warf er dem Präsidenten Rudolf Edlinger vor, er habe nicht immer die stärkste Mannschaft spielen lassen dürfen, damit der Club Einsatzprämien sparen konnte. Das Vereinspräsidium habe Hochverrat an der Mannschaft begangen: Im Management sollten künftig nur noch "Leute Entscheidungen treffen, denen der SK Rapid am Herzen liegt, und nicht Leute, denen die Eigeninteressen wichtiger sind. Es müssten Leute her, die vom Fußball eine Ahnung haben", sagte Matthäus. Er habe gute Strukturen geschaffen.

Die Antwort des Präsidenten folgte prompt. Er sei menschlich schwer enttäuscht, "auch weil ich ihn intellektuell überschätzt habe", so Edlinger. Matthäus' Berater drohte daraufhin, gegen Rapid "auf Wiedereinstellung" zu klagen. Matthäus wolle seine "erfolgreiche Trainertätigkeit fortsetzen". Edlingers Antwort: "Der liebe Gott stehe uns bei." Der Trainer sei "für seine 41 Jahre ein unfertiger Mensch" und "nicht geeignet für eine Mannschaft mit einer Jugendabteilung".

Trotz der Turbulenzen blieb Matthäus eine gefragte Person als Trainer. Mit FK Partizan Belgrad wurde er in Serbien und Montenegro Meister - allerdings übernahm er den Club, als der bereits mit großem Abstand auf dem ersten Platz der Liga stand. 2004 wurde Matthäus Trainer der ungarischen Nationalmannschaft, mit der er die DFB-Auswahl in einem Länderspiel 2:0 bezwang. 2005 coachte Matthäus die Amateurmannschaft Borussia Banana für den TV-Sender RTL 2.

2006 folgte ein einmonatiges Engagement beim brasilianischen Club Atlético Paranaense. Während eines Heimaturlaubs in Europa verkündete er seinen Rücktritt aus familiären Gründen. Im Mai 2006 unterschrieb er einen Vertrag als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni beim FC Red Bull Salzburg. Das Engagement wurde vom Vorstand am 12. Juni 2007 wegen "unterschiedlicher Auffassungen" beendet. Seit Juli 2008 trainiert Matthäus den israelischen Erstligisten Maccabi Netanya.

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insgesamt 5 Beiträge
Gottistrund 11.12.2008
Trainer mit uneingeschränkter Macht gab es schon immer: Rehagel, Happel, Lattek, Csernai. Neu ist, daß Trainer keine Hierarchien mehr brauchen, wie es gerade Hoffenheim vormacht (vorher Löw in Stuttgart, Doll in Hamburg). Weder [...]
Trainer mit uneingeschränkter Macht gab es schon immer: Rehagel, Happel, Lattek, Csernai. Neu ist, daß Trainer keine Hierarchien mehr brauchen, wie es gerade Hoffenheim vormacht (vorher Löw in Stuttgart, Doll in Hamburg). Weder für sich selbst noch in der Mannschaft. Dieser Spruch von "Das Team ist der Star" scheint sich tatsächlich durchzusetzen. Erinnern Sie sich noch an das Theater mit Ballack bei Bayern? Die Großkopferten wollten in ihm unbedingt einen Leader sehen, so wie früher mit Beckenbauer und so. Hat aber nicht geklappt, und die Bayern-Bosse verhielten sich deswegen mal fies, mal ratlos. Weil sie nicht verstanden, daß Ballack schon einer neuen Generation von Fußballverständnis angehört. Übrigens ist die freie Verantwortungsteilung spätestens seit dem Internet-Boom auch in der Wirtschaft angekommen...
weisswas 11.12.2008
das modell hat bereits mindestens einen erfolgreichen vorgänger, der alle strukturmerkmale aufweist. die konzentration der verantwortung auf den trainer beim sc freiburg unter volker finke. er war chef-trainer, chef-manager [...]
das modell hat bereits mindestens einen erfolgreichen vorgänger, der alle strukturmerkmale aufweist. die konzentration der verantwortung auf den trainer beim sc freiburg unter volker finke. er war chef-trainer, chef-manager und chef-sportdirektor. der erfolg dieses modells, sofern die protagonisten über ein überdurchschnittliches potential verfügen, spricht für sich. magath, ragnik und sicherlich noch ein paar andere trainer verfügen über diese potentiale, aber ein universell einsetzbares modell ist es sicherlich nicht. a. weil nicht genügend trainer dieses potential aufweisen, wie man es am nachfolger von volker finke in freiburg sehr schön exemplarisch nachvollziehen kann b. das modell selber widersprüche aufweist. je mehr druck diese "alleinherrscher" aufbauen, um ihre ziele durchzusetzen, desto mehr widerstand provozieren sie. das ist so lange kein problem wie der erfolg vorhanden ist. aber wird sofort zu einem "mörderischen" problem, sofern der erfolg ausbleibt. auch das konnte man sehr schön im fall von volker finke nachvollziehen.
Tomislav 11.12.2008
Dann hat sich Ballacks Fußballverständnis wohl in der Zwischenzeit zurückentwickelt. ;)
Zitat von GottistrundErinnern Sie sich noch an das Theater mit Ballack bei Bayern? Die Großkopferten wollten in ihm unbedingt einen Leader sehen, so wie früher mit Beckenbauer und so. Hat aber nicht geklappt, und die Bayern-Bosse verhielten sich deswegen mal fies, mal ratlos. Weil sie nicht verstanden, daß Ballack schon einer neuen Generation von Fußballverständnis angehört.
Dann hat sich Ballacks Fußballverständnis wohl in der Zwischenzeit zurückentwickelt. ;)
henry75 11.12.2008
Vorweg: Ein gut gemachter Artikel, Herr Biermann!! Dennoch als langjähriger Fußballfan (nicht Modefan!) empfinde ich dies alles nicht als Neuigkeit. In den 80ern hat ein gewisser Otto Rehhagel mit Werder Bremen mit seinem [...]
Vorweg: Ein gut gemachter Artikel, Herr Biermann!! Dennoch als langjähriger Fußballfan (nicht Modefan!) empfinde ich dies alles nicht als Neuigkeit. In den 80ern hat ein gewisser Otto Rehhagel mit Werder Bremen mit seinem "Konzept/Philosophie (oder wie man es auch neumodisch nennen mag...)"Kontrollierte Ofensive" spielen lassen und hatte dadurch seinen Mannschaften eine Handschrift gegeben. Stabile Abwehr. Schnelle Überbrückung des Mittelfeldes durch Passpiel auf die Außenpositionen, Flanke, Tor! Damit knackt man bestimmt auch die modernen Hoffenheimer... Rehhagel hatte zudem im Verein das Sagen und man ließ ihn machen. Gewiß hatte er formal nicht die Machtfülle wie Magath, seine Situation (Zusammenarbeit Management/Präsidium/Trainer und das letzte Wort hatte dann der Trainer, gerade bei den Neuverpflichtungen) ist mit der Rangnicks jedoch zu vergleichen. Bleibt abzuwarten ob der "Hurrafußball" eines R. Rangnick nicht zu schnell verpuffen wird. Rehhagel hatte sich nicht abgenutzt und war überaus erfolgreich mit seinen Bremern.
jack potter 11.12.2008
Einspruch, Finke ist "erst" in seiner zweiten Saison mit Freiburg aufgestiegen. Robin Dutt ist gerade in seiner zweiten und bis jetzt auf einem guten Weg.....Ansonsten stimme ich ihnen zu.
Zitat von weisswasa. weil nicht genügend trainer dieses potential aufweisen, wie man es am nachfolger von volker finke in freiburg sehr schön exemplarisch nachvollziehen kann
Einspruch, Finke ist "erst" in seiner zweiten Saison mit Freiburg aufgestiegen. Robin Dutt ist gerade in seiner zweiten und bis jetzt auf einem guten Weg.....Ansonsten stimme ich ihnen zu.
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