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27.04.2009
 

Krise in München

FC Bayern feuert Trainer Klinsmann - Heynckes übernimmt

Rauswurf in München: Der FC Bayern hat sich nach nur zehn Monaten von Trainer Jürgen Klinsmann getrennt. Nachfolger bis zum Saisonende wird Jupp Heynckes, sein Assistent Amateurtrainer Hermann Gerland.

München - Jürgen Klinsmann ist nach nicht einmal zehn Monaten als Trainer bei Bayern München gescheitert. Zwei Tage nach der 0:1-Niederlage gegen Schalke 04 zogen die Verantwortlichen des Deutschen Meisters die Notbremse. "Der Vorstand sah nach den letzten Ergebnissen die Mindestziele für diese Saison gefährdet und hat sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen", heißt es in der offiziellen Erklärung auf der Homepage des Clubs. Auch Klinsmanns Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof wurden entlassen. "Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht. Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern München, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken", sagte Klinsmann. "Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison Deutscher Meister werden kann", so Klinsmann.

Interims-Trainer wird ein alter Bekannter: "Der Vorstand des FC Bayern München hat bis zum Saisonende Jupp Heynckes als Cheftrainer und Hermann Gerland als seinen Assistenten mit der Leitung der Lizenzspielermannschaft beauftragt", heißt es in der Erklärung. Assistent vom 64-jährigen Heynckes wird Hermann Gerland (53), Trainer der Drittliga-Mannschaft des Rekordmeisters. Beide werden ab Dienstag das Training leiten.

Jupp Heynckes war bereits von 1987 bis 1991 Trainer des FC Bayern. Er feiert sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet am Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Mit den abstiegsbedrohten Gladbachern war er als Spieler viermal Deutscher Meister geworden und arbeitete dort später auch zweimal als Trainer.Heynckes' Assistent Hermann Gerland trainiert seit 2001 die zweite Mannschaft des Clubs, war davor bereits von 1990 bis 1995 Amateurtrainer des FC Bayern. "Mit Jupp Heynckes und Hermann Gerland haben wir zwei erfahrene Trainer, denen wir die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht", versicherte, "aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise wie diese zustande kamen und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Club gegenüber zu handeln."

Klinsmanns Vertrag wäre noch bis zum 30. Juni 2010 gelaufen, noch am Samstag zeigte er sich von einer Fortsetzung seiner Arbeit beim Rekordmeister überzeugt. "Der Vorstand dankt Jürgen Klinsmann und seinem Trainerteam für die Zusammenarbeit, und wünscht ihnen alles Gute für die Zukunft", so die Abschiedsfloskel in der Erklärung des Clubs.

Am 30. Juni 2008 war der ehemalige Bundestrainer beim FC Bayern mit hohen Ansprüchen und viel Elan in seine erste Amtszeit als Vereinstrainer gestartet. Jeden Spieler wollte der 44-Jährige besser machen, eine neue Spielphilosophie entwickeln und zudem möglichst viele Titel gewinnen - doch nach exakt 302 Tagen ist davon nicht viel übrig geblieben.

In der Champions League und im DFB-Pokal war für die Münchner im Viertelfinale Endstation. Immer mehr Auflösungserscheinungen machten sich breit, schon seit Wochen stand der frühere Torjäger massiv in der Kritik. In der Bundesliga gab es unter Klinsmann in 29 Spielen bereits sieben Niederlagen. Für die Bayern ist es schon jetzt die zweitschlechteste Liga-Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Nur 2006/07 hatte es zehn Pleiten in einer Saison gegeben.

Bei den Fans hatte Klinsmann schon länger jeden Kredit verspielt. Tiefpunkte waren zuletzt das 0:4 in der Champions League beim FC Barcelona und das 1:5 in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg. Nach dem 0:1 gegen Schalke war nun laut "Bild"-Zeitung auch der Vorstand mit seiner Geduld am Ende. Rummenigge, Manager Uli Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner beschlossen demnach in einer mehrstündigen Krisensitzung den Rauswurf von Klinsmann. Am Montagmorgen wurde Klinsmann von diesem Entschluss unterrichtet.

Wer in der kommenden Saison Cheftrainer beim Rekordmeister sein wird, teilte der Verein zunächst nicht mit, betonte aber, dass es sich bei Heynckes um eine Interimslösung handele. Für Heynckes spricht seine Erfahrung: Begonnen hatte er seine Trainer-Karriere bei Borussia Mönchengladbach, wo er von 1978 bis 1987 an der Seitenlinie stand - allerdings ohne einen Titel zu gewinnen. Danach folgte seine Münchner Zeit, mit den Meisterschaften 1989 und 1990, sowie dem Supercup-Gewinn 1990. Seinen größten Erfolg feierte er 1998. Mit Real Madrid gewann er die Champions League, wurde jedoch trotzdem entlassen. Zuletzt hatte er zwei Bundesligamannschaften trainiert: Von 2003 bis September 2004 war er bei Schalke 04 tätig, von 2006 an erneut bei den Gladbachern. Dort trat er am 31. Januar 2007 zurück.

mig/har/sid

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