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07.05.2009
 

Uefa-Cup-Halbfinale

Bremen beendet den zweiten Hamburger Titeltraum

Von Christian Gödecke

Und wieder Werder: Der HSV ist nach dem DFB-Pokal auch im Uefa Cup an Bremen gescheitert. In einer dramatischen Partie setzten sich die Gäste dank der besseren Einzelspieler durch. Rückschläge gab es aber auch für die Sieger - Superstar Diego fehlt im Finale, ein Verteidiger verletzte sich.

Hamburg - Der Hamburger Weg ist eine gute Sache. Er will den Sport in der Stadt fördern, Familien unterstützen, der Hamburger Weg ist sozial und - wie es in der Selbstbeschreibung heißt - "hanseatisch". Kaufmännisch, professionell, begeisternd. Eine Verbindung aus Stadt, Sponsoren und dem Hamburger SV, eine lobenswerte Initiative und: erfolgreich. Das ist der eine Hamburger Weg.

Der andere führt seit Donnerstagabend geradewegs ins Nirgendwo.

2:3 (1:1) verlor der Hamburger SV am Abend sein Uefa-Pokal-Halbfinalrückspiel gegen Werder Bremen. So niederschmetternd war diese Niederlage, dass die HSV-Profis danach ihre Köpfe fast bis auf den Rasen hängen ließen. Wieder gegen Bremen! Wieder im heimischen Stadion! War es nicht ausgemacht, dass Werder den DFB-Pokal holt und man selbst nach dem 1:0-Erfolg aus dem Hinspiel nach Istanbul fährt zum Endspiel im Uefa Cup?

Vielleicht war es der Glaube, dass es im Fußball so etwas wie Verteilungsgerechtigkeit geben könnte.

In Hamburg werden sie jetzt rätseln, ob das Aus in beiden Wettbewerben gegen ein und denselben Gegner nun aus einer sehr guten Saison eine nur gute macht oder gar eine verlorene. Titellos könnte der HSV am Ende dastehen - dabei hätte man in den Jahren zuvor noch vor Freude einen Weinkrampf bekommen. Unter den besten vier in Uefa Cup und DFB-Pokal, in der Meisterschaft bis zum Ende oben dabei.

Aber wie sehr sich der Hamburger SV unter Trainer Martin Jol verbessert hat, wie nachhaltig die Entwicklung hier ist - all das wird zunächst einmal überlagert werden von dem kurzfristigen Schock darüber, dass ausgerechnet der ungeliebte Nordrivale Werder Bremen Endstation für alle Sehnsüchte der Hamburger war. Am kommenden Wochenende treffen beide Teams ja noch einmal aufeinander - in der Bundesliga könnte Werder dann die kleinen Titelhoffnungen des Gegners und auch die von der Champions-League-Teilnahme endgültig begraben.

Dabei hätte man es ahnen können, trotz der frühen Hamburger Führung durch Ivica Olic. In der 13. Minute hatte der Stürmer einen Pass von Abwehrspieler Joris Mathijsen aufgenommen und über Torwart Tim Wiese hinweg zum 1:0 getroffen.

Beruhigend war dieses Tor nur auf den ersten Blick. Bremen hat eine Geschichte von Auswärtssiegen in dieser Saison, im DFB-Pokal gewann das Schaaf-Team in Hamburg, zuvor auch in Wolfsburg. Werder hat eine Mannschaft, die über Jahre Erfahrung in internationalen Partien sammelte, die im Uefa-Cup-Viertelfinale Udinese ausschaltete und zuvor auch beim AC Mailand bestand. Jeweils nach Rückständen.

Und, nun ja, Werder hat Diego.

Der Brasilianer, der seit Jahren die Bundesliga verzaubert und der am Ende der Saison wohl zu Juventus Turin wechseln wird, war auch in Hamburg der überragende Einzelspieler.

In der 29. Minute spielte der Regisseur tief aus dem Mittelfeld einen Pass auf Stürmer Claudio Pizarro, der mit dem Ball am Fuß wartete, während sich Diego auf den Weg in den Hamburger Strafraum machte. Durch drei Abwehrspieler hindurch fand der Ball den Weg erneut zum Spielmacher, der den Ausgleich erzielte. In der 35. Minute traf Diego mit einem wunderbaren Schuss aus 25 Metern die Querlatte, HSV-Torwart Frank Rost hatte den Ball noch berührt.

In der 43. Minute lieferte sich der 26-Jährige ein Wortduell mit seinem Landsmann Alex Silva, der Schiedsrichter zeigte beiden Gelb. Es war die dritte Gelbe Karte für Diego, der im Finale fehlen wird. Eine auffallende Leistung - in jeder Hinsicht.

Mertesacker wird zum Jubeln getragen

Uefa Cup

Getty Images
Auf nach Istanbul: Am 20. Mai 2009 wird in der größten türkischen Stadt das Finale des Uefa Cups angepfiffen. Den Sieger ermitteln der ukrainische Club Donezk und Werder Bremen, das sich im Halbfinale gegen den HSV durchgesetzt hat. Titelverteidiger Zenit St. Petersburg war im Achtelfinale ausgeschieden.
Werder wirkte nach dem Rückstand nie angeschlagen. Anders der HSV, dem der Ausgleich merklich zusetzte. Die Hamburger wurden tief in die eigene Abwehr gedrängt und verlegten sich aufs Kontern. "Hamburg ist nervös" riefen die rund 5000 Werder-Fans - und sie hatten recht. Bremen hatte zwar zunächst noch Pech, dass Pizarro bei seinem Treffer in der 52. Minute knapp im Abseits stand. Doch zwölf Minuten später traf der Peruaner mit einem haltbaren Aufsetzer aus 20 Metern, bei dem HSV-Keeper Rost schlecht aussah. Der Bremer Kapitän Frank Baumann sorgte in der 83. Minute für die Entscheidung, Olics zweiter Treffer zum 2:3-Anschluss kam zu spät.

"Wir sind sehr unglücklich und wären gern ins Finale gegangen", sagte ein restlos frustrierter HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: "Wir haben zwei, drei Fehler gemacht, die man sich in so einem Spiel nicht leisten darf."

Werder musste den Sieg aber teuer bezahlen. Nicht nur fehlen Diego und Stürmer Hugo Almeida im Finale ( am 20. Mai gegen Schachtjor Donezk) Gelb-gesperrt, Nationalspieler Per Mertesacker zog sich nach einem Zusammenstoß mit Olic eine Bänderverletzung zu. An Krücken humpelnd wurde Mertesacker zum Jubeln in die Fankurve getragen. Das ist der Bremer Weg: ein bisschen schmerzhaft, aber erfolgreich.

Hamburger SV - Werder Bremen 2:3 (1:1)
(Hinspiel 1:0)
1:0 Olic (12.)
1:1 Diego (29.)
1:2 Pizarro (66.)
1:3 Baumann (83.)
2:3 Olic (87.)
Hamburg: Rost - Demel (62. Boateng), Gravgaard, Mathijsen, Jansen (77. Aogo) - Jarolim, Alex Silva (72. Benjamin) - Pitroipa, Trochowski - Petric, Olic. - Trainer: Jol.
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker (53. Prödl), Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Özil - Diego - Pizarro (90. Niemeyer), Rosenberg (62. Hugo Almeida). - Trainer: Schaaf.
Schiedsrichter: Frank De Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 51.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Alex Silva (2), Boateng (4) Jarolim (2) / Diego (3), Hugo Almeida (3), Naldo

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