Hamburg - Der FC Bayern München konnte die Verpflichtung des peruanischen Stürmers Claudio Pizarro im Jahr 2001 offensichtlich nicht aus eigener Kraft finanzieren. Dies geht aus Unterlagen hervor, die in der Affäre um dubiose Transfergeschäfte von Pizarros Spielerberater Carlos Delgado publik wurden und die schon Jürgen Born, den Club-Chef von Werder Bremen, zum Rücktritt zwangen.
Stürmer Pizarro (l., im Jahr 2006 beim FC Bayern): Handgeld von Adidas
In einem "Agreement", auf das sich der FC Bayern München und Pizarro wenige Tage vor Unterzeichnung ihres Vertrages geeinigt hatten, hielten beide Seiten fest, dass Pizarro für vier Jahre 15 Millionen Dollar netto erhalten sollte, davon sieben Millionen Dollar netto als Grundgehalt und acht Millionen netto als Handgeld.
In dem "Agreement" heißt es weiter, dass die "Signing on fee", das Handgeld, von Adidas bezahlt werde. Nachdem die Bayern Pizarro im Juni 2001 von Werder Bremen verpflichtet hatten und das von ihm geforderte Grundgehalt übernahmen, schloss Adidas mit Pizarro im März 2002 einen über acht Jahre laufenden Werbevertrag ab. Das Honorar für den Spieler: 21,583 Millionen Dollar.
Diese Summe entsprach nach Abzug aller Steuern und Abgaben exakt Pizarros Handgeld-Forderung in Höhe von acht Millionen Dollar netto. Der Kontrakt katapultierte den international damals wenig bekannten Pizarro in eine Werbe-Liga mit der Adidas-Ikone David Beckham.
Pizarros Berater Delgado indes kassierte für den Vertrag seines Schützlings mit dem FC Bayern von zwei Seiten Vermittlungsprovision, was gegen die Regeln des Weltfußballverbands Fifa verstößt. Im Juli 2001 stellte Delgado dem FC Bayern 1,5 Millionen Dollar in Rechnung, zahlbar auf ein Konto seiner Firma International Management Agency in Panama.
Ein knappes Jahr später überwies Pizarro seinem Berater 2,25 Millionen Dollar nach Panama, ebenfalls als Provision für seinen Wechsel zum deutschen Rekordmeister. Im Gespräch mit dem SPIEGEL bestritt Delgado, dass es sich dabei um einen Verstoß handele.
Mittlerweile läuft Pizarro wieder für Werder Bremen auf. Die Norddeutschen haben den 30-Jährigen vom Premier-League-Club FC Chelsea ausgeliehen.
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