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29.05.2009
 

DFB-Kick in Shanghai

Schiweiyinshitaige auf Profit-Mission

Von Andreas Lorenz, Shanghai

Ein mieses 1:1 hat Deutschland gegen China geschafft - und trotzdem gewonnen. Denn in Wahrheit macht die Nationalmannschaft die Tour nur für die Marktschreier des DFB: Mit den Fans von Podolski, Schweinsteiger und Co. lassen sich in Fernost hervorragende Geschäfte machen.

Manche Spiele sollte man schnell vergessen. Vor allem, wenn der dreifache Weltmeister nur ein mageres Unentschieden herausspielt gegen eine Mannschaft, die überhaupt erst einmal bei einer WM dabei war und auf der Fifa-Weltrangliste an 97. Stelle steht.

Chinesische Fußballfans: Lieber das deutsche als das eigene Team
AP

Chinesische Fußballfans: Lieber das deutsche als das eigene Team

"Wir können nicht umfänglich zufrieden sein", befand Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:1 gegen China. "In der Defensive und in der Offensive waren wir nicht auf dem höchsten Niveau."

Gleichwohl versuchte er, der mageren Vorstellung seiner Männer Gutes abzugewinnen. Die neuen Spieler hätten die "Atmosphäre" der Nationalmannschaft spüren können. "Allein das gibt uns einen Wert."

Einen tröstlichen Aspekt können zumindest die DFB-Marketing-Strategen dem ersten Auftritt der Asienreise abgewinnen: Die Fußballkaufleute des Verbandes haben Asien, und vor allem den vermeintlichen Riesenmarkt China, im Visier.

"Die Deutschen kommen erst in zweiter Linie her, um zu spielen. In erster Linie wollen sie Marktschreier sein", schrieb die Shanghaier Zeitung "Xinmin Abendnachrichten" und meinte das gar nicht abfällig. Mit dem Verkauf von TV-Rechten, Trikots, Schuhen, Fahnen, Schals könnten die deutschen Vereine viel mehr Geld verdienen als bisher, finden die Funktionäre und haben das Team nach Fernost geschickt.

Vorbild ist die englische Premier League. Manchester United, Chelsea und Arsenal sind längst Markenbegriffe in Asien. Die Briten verdienen mit dem Verkauf von Sportartikeln im Ausland rund 200 Millionen Euro im Jahr. Die Deutschen haben jährlich bislang rund 18 Millionen Euro eingenommen, in den nächsten drei Jahren sollen es 35 Millionen Euro werden. Dafür will der DFB in China neue Vertriebskanäle graben, Kontakte pflegen, Trainer schulen, Jugendmannschaften austauschen. Oliver Kahn ist schon da - er macht bei einer chinesischen TV-Show mit, die Torhüter-Talente finden soll.

Aber China ist eine Herausforderung, nicht nur sportlich. Das merkten die Deutschen bereits am Donnerstagnachmittag beim öffentlichen Training im Stadion.

Obwohl der DFB die Eintrittskarten gratis abgeben wollte, mussten Fans bis zu 20 Euro auf dem Schwarzmarkt zahlen. Zum Trost schossen die Spieler Bälle in die Menge und ernteten großes Lob bei den Gastgebern. "Ein kleiner Fußball ist eigentlich nicht erwähnenswert. Aber er repräsentiert die Haltung der deutschen Mannschaft, und diese Haltung fehlt dem chinesischen Team", schrieb die "Shanghaier Morgenpost".

Ihre Nationalmannschaft nahmen die Chinesen in letzter Zeit nicht sonderlich ernst. Hertha BSC ist auf Schalke wohl populärer als das chinesische Team im eigenen Land. Die Qualifikation zur WM in Südafrika hat die Truppe nicht bewältigt - sie gilt als arrogant und verwöhnt.

Dafür verehrt China die deutschen Fußballer umso mehr. Es kennt sie. Es fiebert mit ihnen. Und das dürfte sich auch nach der faden Vorstellung in Shanghai nicht ändern.

Man muss sich klar machen: Der Sportkanal des staatlichen Fernsehens bringt am Samstagabend ein Bundesligaspiel live. Nur manchmal hat ein Billard- oder Tischtennis-Turnier Vorrang, bei dem Chinesen mitkämpfen.

Ein paar Dutzend chinesischer Mädchen geraten entsprechend außer sich, als am Donnerstagnachmittag ihr Märchenprinz Lukas Podolski nach dem Training zum Bus strebt. Der schreibt brav Autogramme, das weiße Hemd lässig aus der Hose. Bastian Schiweiyinshitaige (wie Schweinsteiger auf Chinesisch ausgesprochen wird) sitzt derweil mit Rückenschmerzen in einem Mini-Bus und schaut verkniffen zu.

Von so viel Begeisterung können die chinesischen Nationalkicker nur träumen. Als sie nach den Deutschen zum Training auf den Platz traben, schaut, obwohl Feiertag, kein einziger Fan zu.

"Chinas Fußball liegt ganz am Boden", hatte vor dem Spiel ein populärer TV-Sportkommentator geseufzt. "Wir müssen aufpassen, dass es nicht schon in der ersten Halbzeit zu einer Katastrophe kommt." Die Sorge erwies sich dann ja als unbegründet. "Fußballerisch gut, sehr beweglich, laufstark, variantenreich" - so lobte Löw die Chinesen. Ein gelungener Einstieg für Chinas neuen Trainer Go. Seine Mannschaft ist nicht so schlecht, wie das chinesische Publikum glaubt.

Und auch beim deutschen Team irren sich die Chinesen: Es ist nicht so gut, wie sie meinen.

China - Deutschland 1:1 (1:1)
1:0 Hao Junmin (5.)
1:1 Podolski (8.)

China: Yang Zhi - Liu Jindong (57. Zhou Habin), Feng Xiaoting, Zhao Peng, Cheng Liang (86. Du Wei) - Hao Junmin, Zhao Xuri, Cao Yang (66. Zheng Zhi), Wang Xinxin (66. Han Peng) - Jiang Ning (83. Yu Hanchao), Gao Lin

Deutschland: Enke - Lahm, A. Friedrich, Rob. Huth, M. Schäfer - Gentner, Hitzlsperger - Trochowski (75. Hinkel), Schweinsteiger, Podolski - Gomez (63. Cacau)

Schiedsrichter: Hu Lee-Min (Südkorea)
Zuschauer (in Shanghai): 25.000

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Die neuesten Beiträge:
10.06.2009 von sitiwati: wobei zu

bezweifelen wäre, dass die abgehalfterten BL Stars einen Fuss auf dei asiatischen Fussballplätze bekämen, zu heiss, ach Gott und dann dei PLätze, durchaus keine BL Standars da spilet sie jeder Einheimisceh aus ! mehr...

10.06.2009 von le67: Denilson

Um nochmal auf Asien und Fußballstars zurückzukommen: vor einer Woche hat ein vietnamesisches Klub (Xi Mang Hai Phong) Denilson - der 32-jährige Ex-Weltmeister von 2002 - für 3 Monate verpflichtet (zur Zeit läuft der V-League in [...] mehr...

05.06.2009 von marypastor: Richtig !

Ich weiss nicht, ob die Spieler fuer diese sinnlose Schufterei - was anderes ist es ja nicht - einen Bonus in Hoehe von , um was zu sagen, 300,000 euro kriegen. Dann wuerde ich das vielleicht auch machen. Sonst aber lieber 1 [...] mehr...

05.06.2009 von sitiwati: naja, manchmal

überlsietn sich dei Funktionäte selber, denken wir mal an das GOLDEN GOAL !!! mehr...

05.06.2009 von ramses pyramidenbau:

Jetzt brat' mir einer 'nen Storch: Bei mir im Fernsehen haben auch die Deutschen gewonnen! Zufälle gibt's... *grins* mehr...

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