Es gab eine Zeit, da war Guido Hoffmann sehr bekannt. In Kaiserslautern liebten sie ihn, als der Club 1991 Deutscher Meister wurde. Und sie hassten ihn, nachdem er im gleichen Jahr in der Vorrunde des Landesmeister-Cups gegen den FC Barcelona freistehend die Entscheidung vergab - und Lautern später ausschied, weil der Club in der letzten Minute noch ein Gegentor zum 1:3 kassierte. Auch in Leverkusen mochte man Guido Hoffmann sehr, immerhin wurde der Mittelfeldspieler dort 1993 Pokalsieger.
Aber irgendwann wusste niemand mehr, wo Guido Hoffmann ist. Er war einfach weg.
In einem "Ehemaligen-Thread" im Forum von Bayer Leverkusen gibt es eine Liste von Ex-Profis, bei Hoffmann steht: "Lebt wohl in Spanien." Das war im September 2004. Ein paar Jahre später wussten es nicht mal die ehemaligen Kollegen genau. "Immer wenn ich in den Bundesligastadien unterwegs war", sagt Hoffmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, "traf ich Leute von früher. Und die sagten dann völlig überrascht: 'Mensch, du bist ja hier!'"
Hier. Das ist Energie Cottbus, wo Guido Hoffmann, 43, als Co-Trainer arbeitet. Seit 2007, und fast niemand hat es mitbekommen.
Es scheint in der Natur Hoffmanns zu liegen, nicht aufzufallen. So war er schon in den Neunzigern, als er im Mittelfeld arbeitete und ein paar Tore schoss. In Mönchengladbach, Homburg, Kaiserslautern, Leverkusen, Leipzig. Und so ist es auch heute. Sein Name wurde nicht erwähnt, als Bojan Prasnikar den Club verließ. Und auch nicht, als der neue Trainer Claus-Dieter Wollitz präsentiert wurde.
Doch nun scheint es, als wolle Guido Hoffmann das ändern. Sich bemerkbar machen, "Hallo, ich bin auch noch da" rufen. Denn diesmal sind es nicht die Fans oder ehemalige Kollegen, die keine Ahnung haben, wo dieser Hoffmann gerade ist. Sondern Guido Hoffmann selbst.
Dienstleister, die von Club zu Club ziehen
Alles fing damit an, dass Cottbus-Manager Steffen Heidrich ihn anrief. "Er teilte mir mit, dass Wollitz seinen eigenen Co-Trainer mitbringen würde, Markus Feldhoff. Und dass wir uns nach meinem Urlaub unterhalten würden." Hoffmann ahnte, was das bedeuten könnte. Wenn ein neuer Trainer seinen Assistenten mitbringt, ist meist kein Platz für den alten mehr. "Aber ich weiß es eben nicht genau", sagt Hoffmann. Am 25. Juli wollen Heidrich und er reden, viel zu spät für den Co-Trainer. "Ich habe dann keine Chance mehr, mich bei anderen Vereinen zu bewerben - und die Ausbildung zum Fußballlehrer läuft zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Wochen."
Hoffmann, der noch einen Vertrag bis Juni 2010 hat, hängt in der Luft. "Ich habe dem Verein den Vorschlag gemacht, dieses Jahr den Fußballlehrer zu machen. Damit wäre beiden geholfen gewesen", sagt er. Nur mit der Fußballlehrer-Lizenz darf Hoffmann im Profifußball als Cheftrainer arbeiten. "Cottbus hätte vorausplanen können", findet Hoffmann, "jetzt drängt die Zeit, ich muss ja auch an meine Zukunft denken." Energie wusste jedenfalls schon vor dem entscheidenden Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg vom Abschied Prasnikars.
Selten waren nach einer Saison so viele Trainerstellen frei - und so schnell wieder besetzt. Doch die neuen Coaches kommen immer öfter nicht allein. Ob Bruno Labbadia in Hamburg, Felix Magath bei Schalke oder Wollitz in Cottbus - mittlerweile wandern ganze Funktionsteams von einem Club zum nächsten. Der Cheftrainer ist dabei wie der Geschäftsführer einer kleinen Dienstleistungsfirma, der die Angestellten seines Vertrauens zur neuen Aufgabe mitnimmt. Gab es vor nicht allzu langer Zeit noch Assistenten wie Peter Hermann (Leverkusen, 19 Jahre lang Co, bis 2008, gibt sein Comeback unter Jupp Heynckes) oder Ralf Zumdick (Bochum, 1995 bis 1999), die unter mehreren Chefs ihren Job machen durften, bleiben diese Einzelkämpfer heute oft auf der Strecke.
Die Chance im Fernsehen
"Natürlich verstehe ich, dass Wollitz seinen eigenen Co-Trainer mitbringt", sagt Hoffmann. "Er will ja bei seinem neuen Arbeitgeber wenigstens einen Mann haben, dem er voll vertrauen kann." Loyalität ist die wichtigste Qualifikation für Assistenten wie Markus Feldhoff, Seppo Eichkorn (Magath), Eddy Sözer (Labbadia) oder den "ewigen Co" Michael Henke (Ottmar Hitzfeld). Ihre Vertrauenswürdigkeit zahlt sich aus, in neuen Jobs an der Seite des alten Freundes.
Guido Hoffmann kämpft allein. Aber wenn man so will, hat auch er seinen Job alten Verbindungen zu verdanken.
Nach dem Ende seiner Karriere 1997 nahm er zunächst Abstand vom Fußball. Er ging mit seiner spanischen Frau in deren Heimat, zog in die Nähe von Valencia. Doch die wenigsten Ex-Profis können vom Sport lassen, und so machte Hoffmann dann doch den A-Schein beim DFB, hospitierte bei Jupp Heynckes in Bilbao, trainierte schließlich den Fünftligisten Ribarroja. Im September 2007 sah er im Fernsehen, dass Energie Cottbus Trainer Petrik Sander entließ. Sah seinen ehemaligen Mitspieler Steffen Heidrich als Manager und las, dass der Club einen Co-Trainer suchte. "Ich schickte meine Bewerbung, und eine Woche später war ich auch schon verpflichtet."
"Ich habe mir das lange aufgebaut"
Plötzlich war Guido Hoffmann in der Bundesliga, "dem Größten, was man in meiner Zunft erreichen kann", sagt er. Hoffmann muss sich zunächst an den kontrollbesessenen Chef Prasnikar anpassen. "Aber das ist normal für einen unerfahrenen Trainer", sagt Hoffmann. Später wächst sein Einfluss, "ich habe mir das lange aufgebaut". Doch so plötzlich, wie das Abenteuer Bundesliga begann, könnte es auch schon wieder vorbei sein.
Wenn Energie Cottbus Hoffmanns Vertrag Ende Juni kündigt, wird er zur kommenden Saison wohl keinen Verein mehr finden. Er spricht von Frankfurt, wo Michael Skibbe gerade einen Co-Trainer sucht. Er spricht von Kaiserslautern, dem Club, in dem mit Stefan Kuntz, Gerald Ehrmann, Roger Lutz und Oliver Schäfer viele ehemalige Kollegen Hoffmanns arbeiten. Zufällig sucht man auch dort gerade nach einem Trainer und einem Co. "Es ist der Weg der Zukunft, ehemalige Aktive in den Verein einzubinden, um die Identifikation zu erhöhen", sagt Hoffmann.
Es klingt fast so, als hoffe er, dass man sich anderswo doch bitte an ihn erinnert. Und das ganz bald.
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