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02.08.2009
 

Pokal-Sieg der Eintracht

Gala eines Totgesagten

Aus Offenbach berichtet Marco Plein

Frankfurt besiegte im Pokal-Derby die Offenbacher Kickers in der ersten Runde letztlich mühelos - was vor allem einem Spieler zu verdanken war, der bislang nur durch abgebrochene Laktattests, Übergewicht und schlechte Fitness auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Der über beide Backen strahlende Brasilianer hätte wohl am liebsten den ganzen Abend mit seinen Fans geschmust. Die klatschten mit ihm ab, strichen ihm über den Kopf und klopften auf seine Schultern, all das machte dem gut gelaunten Caio großen Spaß. Schließlich waren seine Anhänger so glücklich über den Auftritt ihres Lieblingskindes, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten, ihn hochleben zu lassen.

Mittelfeldspieler Caio: Tolles Spiel gegen Kickers Offenbach
REUTERS

Mittelfeldspieler Caio: Tolles Spiel gegen Kickers Offenbach

Klar, Caio, gerade mal 23 Jahre junger Südamerikaner in Diensten von Eintracht Frankfurt, dessen Schlagzeilen bislang meist mit abgebrochenen Laktat-Tests, Übergewicht, mieser Fitness und enormen Vorschusslorbeeren zu tun hatten, war ja auch entscheidend beteiligt am letztlich lockeren 3:0-Pokalsieg über den kleinen Rivalen vom Main, den Offenbacher Kickers.

Wenngleich er manchmal ein wenig orientierungslos über den Platz schlich, meist dribbelte, passte und zauberte Caio so schön, dass das von vielen erwartete Hassduell am Ende eine völlig einseitige und friedliche Partie wurde. Und wer einen solchen Glanzauftritt in dem für die Fans so wichtigen Spiel hinbekommt, der darf sich auch mal ganz besonders feiern lassen.

"Caio war toll heute. Wir haben von seinen Ideen gelebt", erkannte Mitspieler Patrick Ochs lobend an. Die nach der klaren Derbypleite leicht frustrierten Offenbacher wissen nun jedenfalls, weshalb der neue Frankfurter Trainer Michael Skibbe den fußballerisch überaus begabten Spielgestalter jüngst "eine Granate" nannte.

"Es fühlt sich sehr sehr gut an, mit einem Derbysieg hier in Frankfurt die Arbeit zu beginnen", sagte Skibbe hinterher. Wer weiß, was der 43-Jährige den Seinen nach der unansehnlichen ersten Hälfte mit auf den Weg gegeben hatte, es müssen jedoch die richtigen Worte gewesen sein. Wären die ihm jedoch nicht in den Sinn gekommen, und hätte die Eintracht nicht auf ihre starken Individuallisten (neben Caio zeigte auch Zugang Pirmin Schwegler eine prima Leistung) setzen können, hätte es beim lange Zeit engagierten Drittliga-Aufstiegskandidaten eine peinliche Schlappe geben können. So aber steht Frankfurt nach Toren von Schwegler (71.), Caio (75.) und Alexander Meier (86.) schon jetzt als letzter hessischer Vertreter in Runde zwei des Pokals. "Wir haben gezeigt, wer hier die Nummer eins ist", sagte Skibbe später und hob besonders die Leistung seines Spielgestalters hervor, "mit Caio bin ich hochzufrieden. Was er nach vorne gemacht hat, sah spitze aus. Trotzdem kann er noch besser werden."

Natürlich versuchten sich beide Fangruppen beim Derby auf dem Bieberer Berg, für das der OFC gut und gerne 80.000 Karten hätte loswerden können, an allerlei Anfeindungen und Provokationen in Richtung des gegnerischen Anhangs. Da schrien sich schon vor dem Spiel wildfremde Menschen übelste Beleidigungen ins Gesicht, und da flog auch mal die ein oder andere Bierdose durch die Luft. Aber genauso wie bei den Gastgebern nach der Halbzeit auf einmal die Luft raus war, wollten auch die für die Gästefans bestimmten Antipathie-Bekundungen aus dem Fanblock nicht so recht fruchten.

Die Ergebnisse der 1. DFB-Pokalrunde

2. BUNDESLIGA GEGEN BUNDESLIGA

Union Berlin - Werder Bremen 0:5
Fortuna Düsseldorf - Hamburger SV 1:4 n.E.
FSV Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:2

AMATEURE GEGEN BUNDESLIGA

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3. LIGA GEGEN BUNDESLIGA

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Ein großes Spruchband verhedderte der OFC-Anhang schon beim Aufrollen, ein anderes hielt er so schräg hoch, dass die Frankfurter es wohl kaum lesen konnten. Dabei hatten sich die komplett in weiß gekleideten Anhänger des Bundesligisten doch so sehr auf das Derby gefreut - viele von ihnen waren schon morgens zusammengekommen, um zu Fuß nach Offenbach rüberzumarschieren.

"Für unsere Fans war das heute ein super Tag. Jetzt ist richtig gute Stimmung in Frankfurt", erkannte Verteidiger Ochs. Einige Eintracht-Anhänger sollen sich nach der Pokalauslosung sogar Dauerkarten für die Heimspiele der Offenbacher gekauft haben, nur um damit an ein garantiertes Derbyticket zu kommen. Diese Investition hat sich sicherlich gelohnt. "Wir dürfen uns erhobenen Hauptes verabschieden", befand Offenbachs Vizepräsident Thomas Kalt. "Ich bin stolz auf unseren Auftritt und auf die Unterstützung unserer Zuschauer. Letztlich müssen wir den Leistungsunterschied einfach anerkennen." Dass er dabei aber auch schon wieder ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte, lag vermutlich am Gesang der Kickers-Fans im Hintergrund.

"Wir steigen auf, und ihr steigt ab", riefen die und verabschiedeten damit ihre Gäste. Womöglich haben sie damit ja gar nicht so unrecht, schließlich erkannte auch Skibbe, dass es in der kommenden Woche mit dem Spiel bei Werder Bremen beim Bundesliga-Auftakt für seine Elf deutlich schwerer wird. "Dort hängen die Trauben deutlich höher als in Offenbach-Bieber."

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