Aus Offenbach berichtet Marco Plein
Der über beide Backen strahlende Brasilianer hätte wohl am liebsten den ganzen Abend mit seinen Fans geschmust. Die klatschten mit ihm ab, strichen ihm über den Kopf und klopften auf seine Schultern, all das machte dem gut gelaunten Caio großen Spaß. Schließlich waren seine Anhänger so glücklich über den Auftritt ihres Lieblingskindes, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten, ihn hochleben zu lassen.
Mittelfeldspieler Caio: Tolles Spiel gegen Kickers Offenbach
Wenngleich er manchmal ein wenig orientierungslos über den Platz schlich, meist dribbelte, passte und zauberte Caio so schön, dass das von vielen erwartete Hassduell am Ende eine völlig einseitige und friedliche Partie wurde. Und wer einen solchen Glanzauftritt in dem für die Fans so wichtigen Spiel hinbekommt, der darf sich auch mal ganz besonders feiern lassen.
"Caio war toll heute. Wir haben von seinen Ideen gelebt", erkannte Mitspieler Patrick Ochs lobend an. Die nach der klaren Derbypleite leicht frustrierten Offenbacher wissen nun jedenfalls, weshalb der neue Frankfurter Trainer Michael Skibbe den fußballerisch überaus begabten Spielgestalter jüngst "eine Granate" nannte.
"Es fühlt sich sehr sehr gut an, mit einem Derbysieg hier in Frankfurt die Arbeit zu beginnen", sagte Skibbe hinterher. Wer weiß, was der 43-Jährige den Seinen nach der unansehnlichen ersten Hälfte mit auf den Weg gegeben hatte, es müssen jedoch die richtigen Worte gewesen sein. Wären die ihm jedoch nicht in den Sinn gekommen, und hätte die Eintracht nicht auf ihre starken Individuallisten (neben Caio zeigte auch Zugang Pirmin Schwegler eine prima Leistung) setzen können, hätte es beim lange Zeit engagierten Drittliga-Aufstiegskandidaten eine peinliche Schlappe geben können. So aber steht Frankfurt nach Toren von Schwegler (71.), Caio (75.) und Alexander Meier (86.) schon jetzt als letzter hessischer Vertreter in Runde zwei des Pokals. "Wir haben gezeigt, wer hier die Nummer eins ist", sagte Skibbe später und hob besonders die Leistung seines Spielgestalters hervor, "mit Caio bin ich hochzufrieden. Was er nach vorne gemacht hat, sah spitze aus. Trotzdem kann er noch besser werden."
Natürlich versuchten sich beide Fangruppen beim Derby auf dem Bieberer Berg, für das der OFC gut und gerne 80.000 Karten hätte loswerden können, an allerlei Anfeindungen und Provokationen in Richtung des gegnerischen Anhangs. Da schrien sich schon vor dem Spiel wildfremde Menschen übelste Beleidigungen ins Gesicht, und da flog auch mal die ein oder andere Bierdose durch die Luft. Aber genauso wie bei den Gastgebern nach der Halbzeit auf einmal die Luft raus war, wollten auch die für die Gästefans bestimmten Antipathie-Bekundungen aus dem Fanblock nicht so recht fruchten.
"Für unsere Fans war das heute ein super Tag. Jetzt ist richtig gute Stimmung in Frankfurt", erkannte Verteidiger Ochs. Einige Eintracht-Anhänger sollen sich nach der Pokalauslosung sogar Dauerkarten für die Heimspiele der Offenbacher gekauft haben, nur um damit an ein garantiertes Derbyticket zu kommen. Diese Investition hat sich sicherlich gelohnt. "Wir dürfen uns erhobenen Hauptes verabschieden", befand Offenbachs Vizepräsident Thomas Kalt. "Ich bin stolz auf unseren Auftritt und auf die Unterstützung unserer Zuschauer. Letztlich müssen wir den Leistungsunterschied einfach anerkennen." Dass er dabei aber auch schon wieder ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte, lag vermutlich am Gesang der Kickers-Fans im Hintergrund.
"Wir steigen auf, und ihr steigt ab", riefen die und verabschiedeten damit ihre Gäste. Womöglich haben sie damit ja gar nicht so unrecht, schließlich erkannte auch Skibbe, dass es in der kommenden Woche mit dem Spiel bei Werder Bremen beim Bundesliga-Auftakt für seine Elf deutlich schwerer wird. "Dort hängen die Trauben deutlich höher als in Offenbach-Bieber."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema DFB-Pokal | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH