Der deutsche Fußball verdankt Mario Basler eine Menge. In seiner turbulenten Karriere versöhnte er den Spitzenfußball mit dem Hobbykicken und die Bundes- mit der Kreisliga.
Durch ihn wissen wir, dass man auch als Raucher mit mäßigem Trainingsfleiß Deutscher Meister werden und bis in die Nationalmannschaft kommen kann. Er hat bewiesen, dass Biertrinken nicht die Qualität von Freistößen schmälert.
Außerdem ist der Mann zwischen Ying und Yang ganz mit sich im Reinen, weil er ziemlich genau über sich Bescheid weiß: "Eigentlich bin ich ein Supertyp, aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein."
Durch seine Wortgewalt ("Jede Seite hat zwei Medaillen") hat er es zum Nachfolger von Max Merkel als Bundesligatester von Deutschlands größter Boulevardzeitung gebracht. Um seine Ernsthaftigkeit bei dieser Tätigkeit zu unterstreichen, hat er bei Eintracht Trier sogar ein Traineramt übernommen. Gestern nun sagte er nach dem 3:1-Sieg des Viertligisten im DFB-Pokal gegen Hannover 96 mit krächzender Stimme: "Wenn ich heute nicht feiern sollte, wüsste ich nicht, wann sonst."
Und verabschiedete sich an die Theke, wo ihm die Bierchen gegönnt gewesen sein sollen. Denn Basler war einer der Retter des Wochenendes. Super-Mario hat entscheidend dazu beigetragen, die Illusion des Pokals wenigstens ein bisschen zu erhalten.
Denn sein Sieg mit Trier und der Erfolg des Viertligisten VfB Lübeck am Freitag gegen Bundesligaaufsteiger Mainz O5 sind die Ausnahme von einer Regel, die inzwischen heißt: Der Pokal hat keine eigenen Gesetze mehr.
In dem Wettbewerb, der von der Aussicht auf den Außenseitersieg lebt, sind die Underdogs ansonsten klar unterlegen gewesen. Mochte Hertha BSC Berlin auch lange beim Viertligisten Münster zittern, der FC Bayern sich mit dem Sechstligisten Neckarelz herumquälen und der VfB Stuttgart beim viertklassigen Großaspach einem Rückstand hinterherlaufen, siegte doch nur in drei von 32 Spielen eine Mannschaft aus der niedrigeren Spielklasse.
Und das, obwohl alle Heimvorteil genossen. Die Entwicklung ist nicht neu, denn die Nachlässigkeiten der Großen im DFB-Pokal haben in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Schon im vergangenen Jahr setzten sich in der ersten Runde nur in vier Spielen die Teams aus einer niedrigeren Klasse durch. Damals kamen alle Erstligisten weiter. Im weiteren Wettbewerb schieden nur drei Bundesligisten nicht gegen andere Bundesligisten aus.
Die Erklärung für die Sensationsdürre ist unromantisch, sie hat vor allem mit Geld zu tun. Inzwischen haben die Vereinsverantwortlichen auch ihren verträumtesten Spielern klar gemacht, dass es keinen kürzeren Weg in den internationalen Fußball gibt als den über den DFB-Pokal: Sechs Siege, und man ist für die Europa League qualifiziert.
Im vergangenen Jahr konnte so Werder Bremen seine verkorkste Bundesligasaison und die Finanzen retten. Auch dieses Jahr könnte wieder ein Club auf diese Weise sein Scheitern im Verdrängungswettbewerb an der Bundesligaspitze korrigieren.
Wichtiger noch sind aber die direkten finanziellen Anreize geworden, im Pokal weiterzukommen. Sie sind so hoch, dass auch die Reichen der Liga interessiert sind. Durch neue Fernsehverträge und die seit dieser Spielzeit zentrale Vermarktung der Werbebanden werden in den kommenden drei Spielzeiten insgesamt 156 Millionen Euro an die beteiligten Clubs ausgeschüttet.
Das bedeutet, dass die Qualifikation für die zweite Runde jedem Verein eine Viertelmillion Euro Fernsehgelder sichert, die Erlöse aus den Eintrittsgeldern noch nicht eingerechnet. In der dritten Runde verdoppelt sich der Betrag, im Viertelfinale sind es schon 1,75 Millionen Euro.
Der Pokalsieger nimmt insgesamt sechs Millionen Euro auf diesem Weg ein. Das ist ein dicker Batzen, den niemand ignorieren kann. Mittelklasseclubs kann der Cup-Wettbewerb sogar entscheidend die Ressourcen verbessern. Der DFB-Pokal ist also wertvoll wie nie und zugleich verliert er an anarchischem Reiz, weil sich kaum jemand mehr Konzentrationsmängel leistet.
Gut also, dass Mario Basler noch zum Zug kam. Denn bei der entschlossenen Förderung von Anarchie, daran besteht kein Zweifel, ist er zweifellos die Idealbesetzung.
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FCN-Fans gab es schon im Alten Athen. Hier der Beweis: "Hier fanden sie das meiste von den Mitgliedern des Klubs bereits vorbereitet." (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, 8. Buch, Nr. 65) mehr...
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