Christoph Biermann schreibt in drei Teilen über die Aussichten für die Bundesliga-Saison 2009/2010. Lesen Sie auch
Unter der Leitung des zunehmend ins Sonnenkönigshafte changierenden Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann hat der Hamburger SV zuletzt einiges von seiner hanseatischen Noblesse eingebüßt. Der Club wird inzwischen vom Prinzip Ungeduld regiert - was aber zumindest für einen hohen Unterhaltungsfaktor durch ständige Personalwechsel sorgt.
Ein Sportdirektor ist zwar noch nicht gefunden, dafür aber tolle neue Spieler wie der Schwede Marcus Berg, der Holländer Eljero Elia, der Tscheche David Rozehnal sowie der immer noch großartige Zé Roberto. Einen neuen Coach gibt es mit Bruno Labbadia auch.
Der wird mit den Ungeduldigen von der Elbe wahrscheinlich raketenartig in die Saison starten - und später in der Saison die Sinkphase erleben. Zumindest war es bei Labbadia nicht nur in Leverkusen so, sondern auch in Fürth.
Die Folge? Ungeduld natürlich.
Damit sich der abgestürzte Herbstmeister der Vorsaison weiter stabilisiert und wieder aufblüht, haben sie bei 1899 Hoffenheim einen echten Sturzflieger geholt. Er könnte dem Sensation-und-Schrecken-Team des Vorjahres die Richtung weisen.
Franco Zuculini, nur 1,76 Meter groß, erst 18, Argentinier, hat in seiner noch jungen Karriere schon Historisches geleistet. Für seinen Racing Club stürzte er sich mitten im Abstiegskampf per Kopf in ein Tackling. Knapp über der Grasnarbe sauste er wie ein Torpedo dahin, wo sein Gegenspieler sich nur mit dem Fuß hintraute.
Mehr davon!
Kaum weniger knallhart ist die neue Ausbildung zum Fußballlehrer. Im Vorjahr verloren drei Trainer (Christian Wück/Rot-Weiss Ahlen, Christian Hock/Wehen Wiesbaden, Henning Bürger/Carl Zeiss Jena), die nebenbei noch eine Mannschaft trainierten, ihren Job. Nun versucht Markus Babbel, im Pendelverkehr zwischen Bundesliga, internationalem Fußball und der Schulbank in Köln nicht verlorenzugehen. Ansonsten stehen dem VfB Stuttgart diverse Bautätigkeiten als Hindernisse im Weg. Das Daimler-Stadion wird im Laufe der Saison von einem Stadion mit Laufbahn in eine echte Fußball-Arena verwandelt - was erst einmal wenig stimmungsfördernd sein wird.
Die Mannschaft ist ebenfalls eine Baustelle, dürfte mit Pawel Pogrebnjak und dem wunderbaren Alexander Hleb aber mittelfristig noch besser sein. Das Problem: Mittelfristigkeit bedeutet in der Bundesliga kurzfristige Sorgen.
In Dortmund gibt es indes grenzenlose Entschlossenheit, dass man eine gute Zukunft haben wird, haben muss. Wenn ein Club allein durch solche Entschlossenheit zum Erfolg getrieben werden könnte - dann müsste Borussia Dortmund vor einer ganz großen Saison stehen.
So viel Willen wie bei den Anhängern des BVB ist sonst nirgends. Sie haben beim Dauerkartenverkauf den eigenen Bundesliga-Rekord geknackt und verbreiten den Eindruck, als würden sie sich nicht einmal von den Begrenzungen ihrer Mannschaft beeindrucken lassen. Der fehlt es fußballerisch zwar noch immer an der ganz großen Klasse, dafür hat sie jetzt einen Stürmer, der sich "Panther" nennt und im fernen Chile unglaublich viele Tore geschossen hat.
In Dortmund angekommen, hat Herr Barrios damit gleich weitergemacht. Und sollte das die vielen Unentschieden des Vorjahres in Siege verwandeln, nicht auszudenken...
Der Deutsche Meister wird immer noch nicht richtig ernst genommen. Diesmal heißen die Argumente: Felix Magath weg, in der kommenden Saison die gefürchtete Doppelbelastung aus nationalem und internationalem Fußball. Außerdem will jeder den Titelverteidiger schlagen. Vor allem spukt in den meisten Köpfen der Gedanke herum: Der VfL Wolfsburg ist doch nur der VfL Wolfsburg, also ein Club ohne große Tradition, mit VW-Motor.
Doch zur neuen Saison ist kein auch nur halbwegs wichtiger Spieler gegangen. Die Mannschaft ist namhaft verstärkt, die Verträge wichtiger Profis sind verlängert worden. Der VfL Wolfsburg ist offensichtlich gekommen, um zu bleiben: an der Spitze. Oder ziemlich in der Nähe.
Der FC Bayern München hingegen wird in dieser Bundesliga-Saison wieder der FC Bayern München. Da mögen sich Mark van Bommel und Anatolij Timoschtschuk um einen Platz balgen, die Abwehr etwas wackeln und Rensing danebengreifen - für die Liga wird es dennoch reichen, und auf dem Weg zur Meisterschaft sollten wir uns jederzeit für einen historischen Moment von trapattoniesker Qualität ("Flasche leer") bereithalten. Wenn Louis van Gaal nämlich etwas nicht passt, wie blöde Fragen von Journalisten, sagt der neue Bayern-Coach das sehr deutlich. In der vergangenen Woche gab es einen ersten Eindruck, als er auf einer Pressekonferenz nach einer aber auch wirklich doofen Frage einem Journalisten fortan keine Beachtung mehr schenkte.
In den Niederlanden ist van Gaal wegen solch schräger Auftritte längst eine Legende. Als er Studioexperte eines Fernsehsenders war, fiel er einem Moderator bei der Ankündigung eines Beitrags ins Wort, weil er nicht die Spielweise seines ehemaligen Clubs FC Barcelona analysieren durfte. Als der Fernsehmann freundlich sagte, der andere Experte sei doch vielleicht ein guter Ersatz, verließ van Gaal wutschnaubend das Studio.
In der vergangenen Saison hielt er dann nach einem Heimsieg seines AZ Alkmaar einen nicht weniger als 25-minütigen Monolog über die Mängel seiner Spieler und die Unsachlichkeit von Journalisten. Weil er das gerne tut, hatte ein tapferer niederländischer Reporter bei einer Pressekonferenz auch schon mal nachgehört, ob van Gaal denn mit den Fragen zufrieden sei.
Der Coach machte bereitwillig Vorschläge. Und wird sie nach Verbesserung der Deutschkenntnisse sicherlich auch hierzulande anbieten.
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WENN ich nicht falsch informiert bin, ist die Stadiongesellschaft zu 100% ein Tocherdings der Stadt. mehr...
Viel kommt da aber auch nicht zusammen... Aber in Punkto Eintracht (Hallo Christian W.?!) mal eine Frage: hängt die Eintracht eigentlich als Gesellschafter in der Stadiongesellschaft mit drin oder ist das eine städtische GmbH? mehr...
Vielleicht hat man in Berlin das ganze Geld aus dem UEFA-Cup verpulvert, um nicht abzusteigen! Dies ist ja schon mal Geld, welches der Eintracht nicht zur Verfügung steht. mehr...
Ottl als Beispiel wäre vielleicht schlecht. Aber bei Gekas sieht es anders aus: Gekas und Skibbe kennen sich sehr gut, Frankfurt ist finanziell und sportlich stärker als Hertha, aber letzendlich ließ man den Abstiegskonkurrent [...] mehr...
Wenn du meinen Beitrag richtig liest, habe ich von Skepsis und Hoffnung geschrieben. Optmismus hört sich anders an. Worauf du diese Theorie gründest, ist mir ein Rätsel. Was soll an Hecking so negativ sein? Und welche [...] mehr...
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