Frage: Sie setzen auf Langfristigkeit. Gibt es denn einen Mehrjahresplan, was die Platzierungen angeht?
Oenning: Zunächst geht es ausschließlich darum, unsere Wettbewerbsfähigkeit nachzuweisen, sprich: Platz 15 zu erreichen. Es kann natürlich auch besser laufen, aber ich werde einen Teufel tun und das propagieren. Nach dem ersten Jahr werden wir eine Bestandsaufnahme machen und möglicherweise neue Ziele formulieren. Doch es ist auch klar, dass es sich bei der Bundesliga nach wie vor um eine Dreiklassengesellschaft handelt und wir bis auf weiteres zur dritten gehören.
Frage: Bei den Relegationsspielen hatte man den Eindruck, die Bundesliga müsse sich vor dem 1.FC Nürnberg fürchten.
Oenning: Das war eine Momentaufnahme. Wir hatten ohnehin eine gute Phase, und Cottbus war gedanklich in den entscheidenden Szenen nicht auf der Höhe.
Frage: Obwohl Cottbus mit einem geradezu berauschenden 3:0 gegen Leverkusen die Relegationsspiele erreicht hatte?
Oenning: Wenn man sich in Nürnberg umhörte, gab es ohnehin ausschließlich Angstgegner. Insofern war mir das völlig egal, weil ich sowieso sagen konnte, was ich wollte. Es gab für alle möglichen Gegner Argumente, warum das ganz schlecht ist.
Frage: In einem Spiel haben Sie mal Marco Engelhardt, Ioannis Masmanidis und Angelos Charisteas eingewechselt, drei Spieler, die beim Publikum unten durch waren. Später haben Sie gesagt, dass dies ganz bewusst geschehen sei.
Oenning: Das nehmen mir zwei, drei Wortführer unter den Fans auch heute noch übel. Aber es war mir wichtig, zu zeigen, dass die drei Jungs sich nichts zu Schulden kommen ließen, und dass ich mir nicht von den Zuschauern meine Aufstellung diktieren lasse.
Frage: Sind Sie selbst gespannt, wie Sie sich verhalten werden, wenn die erste Krise kommt?
Oenning: Ich bin hier mit sechs sieglosen Spielen gestartet. Eine Krise habe ich im Herbst also schon erlebt. Glauben Sie wirklich, ich wäre so blauäugig? Mit der Unterschrift unter einen Vertrag ist der Zeitpunkt des "Vom-Hof-gejagt-werden" doch gewissermaßen schon mit eingeschlossen. Die effektive Laufzeit eines Vertrages erreicht ein Chef-Coach in der Regel nicht.
Frage: Wie sind Sie eigentlich in die Nummer beim Club reingeraten? Sie kamen als Co-Trainer von Thomas von Heesen.
Oenning: Wir waren keine alten Buddys, aber den Hinweis gab ihm letztlich der Horst Hrubesch, mit dem ich lange beim DFB gearbeitet habe. Und ich passte wohl in Thomas' Konzept.
Frage: Hat es sich abgezeichnet, dass von Heesen nach dem zweiten Spieltag hinschmeißt?
Oenning: Dass er irgendwann kündigt, hielt ich durchaus für möglich. Aber der Zeitpunkt hat mich schon überrascht.
Frage: Waren Sie vorbereitet auf diese Situation?
Oenning: Überhaupt nicht. Wir hatten ein Konzept für die gesamte Saison, aber nicht für den Fall, was passiert, wenn nach zwei Spielen der Cheftrainer weg ist.
Frage: Sie waren nach drei vorzeitigen Entlassungen eine preisgünstige Lösung.
Oenning: Ich glaube, das hat keine Rolle gespielt. Als ich die Mannschaft übernommen habe, stand ja noch nicht fest, dass ein Michael Oenning eine Dauerlösung wird, das war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Als wir dann zur Halbzeit 0:2 zurücklagen, war klar, dass es noch komplizierter wird.
Frage: Was wäre passiert, wenn der Club gegen Aachen nicht ausgeglichen hätte?
Oenning: Dann wäre es für mich schwierig geworden, in diesem Verein Cheftrainer zu werden, überhaupt Cheftrainer zu werden. Vielleicht wäre ich dann jetzt Co-Trainer bei von Heesen auf Zypern.
Die Fragen stellten Tim Jürgens und Jens Kirschneck
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