Von Peter Ahrens
Es ist etwas Herrliches in dieser Frühlingsphase der Saison, diese zweiten, dritten Spieltage. Der Himmel ist noch weit und offen für alle. Jeder kann noch Meister werden, sogar Bayern München. Oder - Vorsicht, Satire - Eintracht Frankfurt. Die Tabelle ist eine Fast-Jungfrau, noch geheimnisvoll und alle Möglichkeiten andeutend. Journalistisch ein nahezu paradiesischer Zustand. Alle Spekulationen sind noch gestattet, die abseitigste Theorie erlaubt. Alle Fragen dürfen noch naiv-unschuldig gestellt werden. Ob Poldi dem FC auch in der Zweiten Liga wieder die Treue hält. Wann Uli Hoeneß van Gaal das Sie anbietet. Ob Koma-Bundesligagucken am Wochenende als Krankheit anerkannt wird. Anything goes.
Wahrscheinlich fragen sich nach dem 4:1 gegen den BVB selbst in Hamburg seit Samstag wieder einige, ob der HSV in diesem Jahr möglicherweise so etwas Ähnliches wie ein Titelanwärter werden könnte. Obwohl es dem gemeinen HSV-Fan so erscheinen muss, als sei diese Spielzeit mitnichten blutjung, sondern längst im Gange. Sommerliche Urlaubsentspannung hat der Verein seinen Anhängern schließlich gar nicht gegönnt. Erst kam Trainer Jol nach Saisonende so unvermittelt abhanden wie die "Arctic Sea" in der Nordsee und fand sich in Amsterdam wieder auf, dann ging Sportdirektor Beiersdorfer über die Alster, übrig blieb vom Dreigestirn lediglich Präsident Hoffmann, der - ohne fußballerischen Stallgeruch ausgestattet - sich plötzlich in Alleinregie um die Personalplanung des neuen Kaders zu kümmern begann.
Was er aber gar nicht so schlecht gemacht hat. Nach der Ära Beiersdorfer, die ihre Qualitäten mehr und mehr im Verkaufen, aber weniger im Erwerb von Top-Spielern entwickelte, scheint Hoffmann seinen Sommerferien-Job erledigt zu haben. Zé Roberto schmückt ohnehin jede Elf. Die beiden in der holländischen Ehrendivision akquirierten Spieler Elia und Berg sind ein Versprechen für die Zukunft. Zé Roberto schmückt ohnehin jede Elf.Und Neu-Verteidiger und Ex-Italienprofi David Rozehnal ist an sich zu erfahren, um auf Dauer nicht auch noch als Verstärkung durchzugehen. Auch wenn die ersten Fans in ihm schon einen Wiedergänger des gerade glücklich entsorgten Pechvogels Gravgaard zu erkennen glauben.
Bliebe noch der Trainer. Bruno Labbadia. Der schönste Trainer der Liga. Was er ansonsten noch zu bieten hat, wird er erst noch zeigen müssen. Die Vorbehalte gegen ihn sind in Hamburg durchaus gewaltig. Sein Vorgänger Martin Jol hat in Sachen Sympathiewerte Maßstäbe gesetzt. Dass der holländische Knuddelbär, was Motivation und taktisches Geschick angeht, relativ schnell an seine Kapazitätsgrenze stieß, ist dahinter lange Zeit verborgen geblieben und wurde erst im Finale der Vorsaison von Werder Bremen mitleidlos aufgezeigt.
Labbadia dagegen gilt vielen von vornherein als Trainer-Federgewicht, als jemand, der hochgespült wurde, als alle Welt nach jungen Trainern schrie, die ihr Motivationstalent dadurch verdeutlichen, dass sie sich möglichst bewegungsintensiv an der Seitenlinie verhalten. Wir brauchen mehr Klinsmänner. Kaum zu fassen: Das ist erst zwei, drei Jahre her.
Aber Labbadia tut man Unrecht, wolle man ihn mit dem selbsternannten Schwertmissionar des deutschen Fußballs in einen Topf tun. Labbadia ist vor allem ein Arbeiter. Ein Verbissener, der eher zu wenig Spaß als zu viel aufkommen lässt. In Leverkusen ist er als Coach und Erneuerer zweifellos grandios gescheitert. Man stelle es sich aber auch nicht als Vergnügen vor, unter einem Ultrakonservativen wie Bayer-Sportdirektor Rudi Völler zu versuchen, etwas Neues anzustoßen.
Hoffenheim - das Mekka der Fußball-Revolution, die Zukunftswerkstatt. Auch daran erkennt man, wie schnell sich alles relativiert. Vor Jahresfrist war es schier unmöglich, sich der Liga auch nur auf einige Kilometer Entfernung anzunähern, ohne nicht himmelhohe Bewunderung oder abgrundtiefe Abscheu zum Modell Hopp äußern zu müssen. Dann kam die schlechteste Rückrunde eines Herbstmeisters seit der Erfindung des Buchdrucks - und die Welt stellt fest: Hoffenheim, das ist gar keine Sekte, das ist auch kein Assessment Center oder das Elite-Internat des deutschen Fußballs. Hoffenheim ist auch nur ein Bundesligaverein, der über ein bisschen mehr Geld und ein bisschen bessere Kontakte zum DFB als andere verfügt. Auch im Kraichgau hören die Bäume irgendwann auf zu wachsen, und die Spieler à la Demba Ba fangen an, sich nach sportlich attraktiveren Schauplätzen umzusehen.
Wahrscheinlich wird Hoffenheim in dieser Saison wieder unter den ersten Zehn einlaufen, möglicherweise unter den ersten Fünf, aber vielleicht wird der Hopp-Club auch Meister. Es ist ja noch so früh. Alles ist möglich.
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genauso isses. ein wunderbarer kommentar. vergessen wurde, dass das dsf endlich im 16:9 format sendet. zwei jahre später... und hoffentlich entsorgen wir dieses jahr opa lattek als labertasche. mehr...
Beiersdorf und Jol ist Vergangenheit, Hoffmann und Labbadia ist Gegenwart, auch wenn das einige Fans noch nicht gemerkt haben. "LEBE GEHT WEITER" mehr...
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,643068,00.html[/QUOTE] in dem Artikel steht, dass Hoffmann der große Checker beim HSV ist und die ganzen Super-Spieler geholt hat, mit denen Hamburg in 2 Jahren die CL gewinnen wird. [...] mehr...
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