Hamburg - Beim Jubel über den 5:0 (4:0)-Auswärtssieg des FC St. Pauli bei Alemannia Aachen stürzte der Anhänger nach dem Spiel von einer Brüstung mehrere Meter in die Tiefe. Nach Angaben der Aachener Polizei vom Dienstag schwebt er noch in Lebensgefahr. Er habe sich bei dem Sturz am Vorabend lebensbedrohliche Verletzungen zugezogen, hieß es in einer Pressemitteilung.
Der FC St. Pauli erklärte, dass der 38 Jahre alte Mann im künstlichen Koma liege. Sein Zustand sei stabil, sagte Teammanager Christian Bönig. Zuvor hatte der Verein auf seiner Homepage bekanntgegeben, dass der Fan außer Lebensgefahr sei.
Nach dem Sturz musste der Mann reanimiert werden. Rund 25 Fans, die den Zwischenfall gesehen hatten, mussten seelsorgerisch betreut werden. Die Ursache für den Sturz war zunächst unklar. "Es gibt keinerlei Anzeichen für ein Fremdverschulden, so dass wir von einem Unglücksfall ausgehen", sagte ein Polizeisprecher.
Die Beamten hatten Augenzeugen zum genauen Unfallhergang befragt. Der Fan soll nach dem Spiel beim Klettern über eine Brüstung das Gleichgewicht verloren haben und war mehrere Meter tief gefallen. Mögliche Sicherheitsmängel im neuen Aachener Stadion konnten nach ersten Untersuchungen als Unfallursache ausgeschlossen werden. "Unsere Spieler sind fix und fertig", sagte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte.
Zur Nebensache wurde angesichts des Vorfalls, dass sich die Hamburger durch den höchsten Zweitliga-Auswärtssieg seit dem 14. November 1987 (6:1 bei Rot-Weiß Oberhausen) an die Tabellenspitze setzten. "Ich tausche die Tabellenführung gegen die Gesundheit des Menschen", sagte Gäste-Trainer Holger Stanislawski.
Der ehemalige Aachener Marius Ebbers wurde zum Matchwinner und erzielte die ersten beiden Tore (24./28.). Zudem holte er den von Florian Bruns verwandelten Foulelfmeter zum 0:4 heraus (39.). Auch Bruns spielte früher für die Alemannia. Deniz Naki, der in der 35. Minute das 0:3 erzielte, stand im Sommer dicht vor einem Wechsel zur Alemannia. Den Endstand stellte Rouwen Hennings her (86.).
Während die Aachener nach der höchsten Heimniederlage in der Zweitliga-Geschichte mit nur einem Punkt 16. sind, schaffte St. Pauli den besten Saisonstart seit der Saison 2000/01. Auch damals gewannen die Hamburger die ersten beiden Spiele und stiegen letztlich in die Bundesliga auf.
Die in nur 15 Monaten für 50 Millionen Euro erbaute Arena, die erst vor wenigen Tagen komplett fertiggestellt wurde, erwies sich wie angekündigt als steil und laut. Die Euphorie unter den 32.960 Zuschauern schlug jedoch schnell in Empörung um. Zunächst erwies sich Pauli-Keeper Mathias Hain als Spielverderber und parierte gegen Szilard Nemeth (13.) und Thorsten Burkhardt (16.) glänzend.
Anschließend staubte Ebbers nach einem abgewehrten Bruns-Schuss aus kurzer Distanz ab und erzielte den ersten Treffer im neuen Tivoli. Dieser schockte die Gastgeber sichtlich, die danach bis zur Pause von einer Verlegenheit in die nächste fielen und nach 20 chaotischen Minuten mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet wurden. Auch nach dem Wechsel schienen die Beine der Alemannia-Spieler schwer.
wit/sid/dpa
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