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24.08.2009
 

Frauenfußball-EM

Deutsche brauchen Blitzstart

Von Ronny Galczynski

Fußball-EM der Frauen: Favorit in Finnland
Fotos
dpa

Der fünfte Titel in Folge - das ist das Ziel der deutschen Frauen bei der Fußball-EM in Finnland. Seit 1995 ist die Elf in diesem Wettbewerb ungeschlagen. Schon das erste Spiel gegen Norwegen fordert alles von dem Team.

Sechs Lehrgänge hatte die Nationalauswahl seit dem 22. Juni absolviert, als man sich am vergangenen Mittwoch am Frankfurter Flughafen zum gemeinsamen Abflug ins finnische Tampere traf, wo die deutsche Mannschaft vom 24. bis 30. August ihre drei Vorrundenspiele bei der zehnten Europameisterschaft bestreitet. Und dies in einer "Hammergruppe", wie die 161fache Nationalspielerin Ariane Hingst vom 1. FFC Frankfurt findet. Mit Norwegen (heute 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und Frankreich muss sich das Team nämlich bereits in der Vorrunde mit zwei Teams messen, die Experten zu den Titelaspiranten bei dieser erstmals mit zwölf statt wie bisher acht Mannschaften ausgespielten EM zählen. Der dritte Gruppengegner Island hingegen gilt als Außenseiter.

"Da wird von Anfang an alles gefordert, und wir können uns nicht erst langsam ins Turnier hineinspielen", ist sich Hingst sicher, die zum vierten Mal nacheinander Europameisterin werden könnte. Die jüngste Spielerin im Kader, HSV-Mittelfeldspielerin Kim Kulig, ist aber zuversichtlich: "Eine starke Gruppe - das wird nicht einfach werden. Aber wenn wir alles abrufen, was wir können, werden wir gleich zu Beginn Norwegen schlagen und auch unser Ziel Europameisterschaft verwirklichen", sagte die 19-Jährige SPIEGEL ONLINE.

Je fünf Spielerinnen aus drei Vereinen

Die einzige Hamburgerin im Kader teilt ihr "Solisten-Schicksal" mit Melanie Behringer vom Fast-Meister Bayern München, der überraschend ebenfalls nur eine einzige Spielerin für den 22-köpfigen Nationalkader abstellt. "Wir haben natürlich auch andere Bayern-Spielerinnen auf dem Zettel gehabt - Isabell Bachor beispielsweise war ja die ersten vier Lehrgänge auch dabei", so Teamchefin Silvia Neid.

Doch am Ende musste die Trainerin sich eben für drei Torhüterinnen sowie 19 Feldspielerinnen entscheiden. Dafür stehen jetzt jeweils fünf Akteurinnen des Meisters Turbine Potsdam, vom Uefa- und DFB-Pokalgewinner FCR Duisburg sowie vom in der vergangenen Saison schwächelnden 1. FFC Frankfurt im EM-Kader. Was wiederum ein Zeichen dafür ist, dass die langjährige Dominanz der Frankfurter auch im Auswahlteam passé scheint.

Neid bezeichnet dies allerdings als "reinen Zufall", weil sie die Nominierungen stets "nach Leistung und nicht nach Vereinszugehörigkeit" ausgesprochen habe. Sie räumt aber ein, dass es in der Nationalauswahl "natürlich dem Verständnis untereinander" dient, wenn sich Spielerinnen aus dem Verein kennen. Diesem Kennenlernen auf dem Platz dienten in der Vorbereitungsphase zuletzt auch die drei Begegnungen gegen Holland (6:0), Japan (0:0) und Russland (3:1). Und Cheftrainerin Neid zeigt sich zufrieden: "Einstellung und Leistung waren top, und die Mannschaft hat alles das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten."

Kim Kulig hebt in diesem Zusammenhang die gute Stimmung im Team hervor: "Wir verstehen uns wirklich prima, und ich freue mich sehr, dass ich in Finnland dabei sein darf." Da überwiegt also die Vorfreude weit mehr, als eine gewisse Nervosität, die eine junge Spielerin vor ihrem ersten ganz großen Turnier noch hat, wie Kulig einräumt.

Torhungrige Offensive, gefährliche Schwedinnen

Ob der Shootingstar in Finnland zur Stammelf gehören wird, dazu hat Neid noch keine Andeutungen gemacht - doch immerhin kam Kulig in allen drei Vorbereitungspartien zum Einsatz und enttäuschte nicht. Auch die nach Knie-OP und anschließender langer Pause wieder genesene Hingst wurde in den drei Begegnungen eingesetzt und wird ihren Platz in der ersten Elf wohl sicher haben. Lust am großen Turnierfußball hat die 30-Jährige auch noch nach neun Olympia-, EM- und WM-Teilnahmen: "Ich spiele in erster Linie Fußball, weil ich viel Spaß daran habe und nicht, weil ich Titel sammeln will." Was aber nicht heißt, dass die gebürtige Westberlinerin nicht doch noch großen Ehrgeiz hätte: "Natürlich will ich wieder Europameisterin werden!"

Dass auch die 192-malige Auswahlspielerin Birgit Prinz nach auskuriertem Rippenbruch inzwischen wieder alte Tugenden wie Durchsetzungsvermögen und Spritzigkeit zeigt, tröstet die Rekord-Internationale sicher ein wenig darüber hinweg, dass sie den Titel "Fußballerin des Jahres" 2009 erstmals nach acht Jahren an die Duisburgerin Torschützenkönigin Inka Grings abgeben musste. Gemeinsam mit der in Frankfurt spielenden Prinz sowie der Neu-Potsdamerin Fatmire Bajramaj bildet Grings nun eine torhungrige Offensive, die selbst die stärkste Konkurrenz fürchten muss.

Ein Favorit, sechs Titelanwärter

Ariane Hingst nennt hier insbesondere Schweden, wo sie bis Ende 2008 in der höchsten Liga kickte: "Die sind deutlich besser geworden und haben eine richtig gute Mischung im Team." Auch Bundestrainerin Neid zählt die Skandinavierinnen, die zuletzt den Algarve-Cup gewonnen hatten, zu den Mitfavoriten: "Sechs Mannschaften dürfen sich Hoffnung machen: Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Frankreich und wir." Trotz Favoritenrolle für Deutschland scheint es demnach keine ausgemachte Sache zu sein, welches der zwölf Teams am Ende jubeln darf. Ganz im Sinne des finnischen Kultregisseurs Aki Kaurismäki also: "Ein Film, in dem alles glatt läuft, wäre ja wohl ziemlich langweilig, oder?"

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11.09.2009 von Sunny:

Gratulation den deutschen Fussballdamen! Ich habe gestern mal versucht, das Spiel unabhängig von dem zu betrachten, was ich im Fussball als Qualität betrachte bzw. von männlichen Fussballern erwarte (als eigene Sportart [...] mehr...

11.09.2009 von Locutus:

Ich muss sagen, dass die enorme Überlegenheit der deutschen Frauennationalmannschaft, jedenfalls in Europa, die Spannung doch deutlich reduziert hat. Fünfter Titel in Folge, die Gruppe wurde anfänglich als schwer bezeichnet, mit [...] mehr...

10.09.2009 von Dylan1941:

Also Spanien nur 1mal und Niederlande 2mal ? Ich bin wiederholt beeindruckt von deinen Statistiken...schau aber nochmal nach ;-) http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft mehr...

10.09.2009 von jasyd:

Sei ihnen gegönnt. Nicht sie haben ihn verdient. Und das bedarf einer Erklärung. In etwa soviel wert wie der WM-Titel von Uruguay 1930 in Uruguay. Der Titel wurde ja nicht in Deutschland errungen sondern in Finnland. [...] mehr...

10.09.2009 von Eimsbüttler:

Fragen über Fragen (10.09.09 / 22:14h)!! mehr...

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