Von Philipp Köster
Natürlich, Geschichte wiederholt sich nicht. Und deshalb hat es auch überhaupt nichts zu bedeuten, dass der Hamburger SV wie in diesem auch im vergangenen Jahr nach dem dritten Spieltag mit sieben Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz residierte. Auch damals fing die Saison also formidabel an, endete dann allerdings nicht ganz so, wie man sich das in Hamburg vorgestellt hatte.
Was also muss der Hamburger SV tun, damit diese Saison am Ende gut ausgeht? Dass also endlich wieder einmal eine Trophäe nach Hamburg geht, alternativ sich der HSV für die Champions League qualifiziert? Er muss, so banal das klingt, zunächst einmal weiter so spielen wie beim 4 :2 Auswärtssieg in Wolfsburg. Denn es war eine nahezu perfekte Mischung aus taktischer Diziplin und sprühender Kreativität.
Nicht einmal als der VfL Wolfsburg nach der Pause kurzzeitig die Partie zu drehen schien, mussten sich die Gäste ernsthaft Sorgen machen. In der Rückschau sah es dann fast so aus, als hätten die Hamburger es nur noch einmal spannend machen wollen - zur Unterhaltung der Zuschauer. Die Hamburg Globetrotters auf großer Deutschland-Tournee.
Auf den ersten Blick erscheint der Siegeszug des Hamburger SV als logische Weiterentwicklung einer schon im vergangenen Jahr starken Mannschaft, der nur am Ende ein wenig die Luft ausging. Und in der Tat ist es gelungen, sich mit den neuverpflichteten David Rozehnal (von Lazio Rom), vor allem aber mit dem durchsetzungsfähigen Holländer Eljero Elia aus Enschede und Routinier Zé Roberto vom FC Bayern spielerisch zu verbessern.
Konzentration auf die Bundesliga ist Pflicht
Bedenkt man, dass mit Guy Demel und Marcell Jansen in Wolfsburg zwei wichtige Spieler fehlten, dann erscheint um so erstaunlicher, wie dominant und variabel der HSV bereits in den ersten Saisonspielen auftritt.
Der schöne Schein der ersten Spiele sollte die Hamburger allerdings nicht dazu verleiten, die augenfälligsten Fehler der letzten Saison zu wiederholen. Dazu gehört zum Beispiel, das Abschneiden in der neu benannten Europa League überzubewerten. Trainer Martin Jol hatte vor Jahresfrist vergeblich darum geworben, im Uefa-Cup die zweite Garde antreten lassen zu dürfen, wie es etwa bei den englischen Clubs längst üblich ist.
Jol konnte sich nicht durchsetzen, am Ende im Bundesliga-Endspurt fehlte die Kraft, die unter der Woche in den Uefa-Cup investiert wurde. Nein, der Hamburger SV muss sich in diesem Jahr einzig darauf konzentrieren, sich für die Champions League zu qualifizieren, die allein die Geldmittel zum Verbleib in der Bundesliga-Spitze sichert.
Dieses Ziel kann der HSV, blickt man allein aufs spielerische Potential, ohne Zweifel erreichen. Zumal sich auch die etablierten Akteure nochmals gesteigert haben. Insbesondere Mladen Petric, der gegen Wolfsburg das vorentscheidende 3:2 erzielte, muss sich vor den anderen Angreifern der Liga nicht verstecken und Nationalspieler Piotr Trochowski ist zum perfekten Mittler zwischen Abwehr und Offensive herangewachsen. Im Verbund mit den schon gelobten Zugängen gibt es derzeit nur wenige Teams, die das Spielfeld mit solcher Leichtigkeit beherrschen wie die Hamburger.
Der Hamburger SV braucht Ruhe
Soll der Erfolg aber nicht nur auf die ersten Saisonspiele beschränkt bleiben, darf sich noch etwas anderes nicht wiederholen. Nämlich jene unschönen Ränkespiele und Intrigen hinter den Kulissen, die im ersten Halbjahr 2009 im Wochentakt Schlagzeilen produzierten und den sportlichen Akteuren perfekte Alibis lieferten.
Der mit erstaunlicher Härte ausgetragene Zwist zwischen Vorstandschef Bernd Hoffmann und Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer war nur ein Beispiel von vielen. Er führte zum Abgang Beiersdorfers und gilt als eines der unrühmlichsten Kapitel in der Vereinsgeschichte. So etwas darf nicht noch einmal passieren, denn sportlicher Erfolg braucht Ruhe im Club. Dass beim HSV allerdings tatsächlich in den nächsten Wochen Ruhe einkehrt, ist zu bezweifeln.
Völlig unklar ist zum Beispiel, warum noch immer kein Nachfolger für Beiersdorfer gefunden wurde und nur Namen wie der des Spielerberaters Roman Grill an die Presse durchgesteckt werden. Dabei braucht kaum ein Club so dringend wie der HSV eine eigenständige und selbstbewusste sportliche Führung, die eine klare Vorstellung davon hat, wie der Verein international konkurrenzfähig werden kann, die sich aber im Zweifel aber auch einmal gegen den wirkungsmächtigen Vorstand durchsetzt.
Nun kann es sein, dass sie in Hamburg bereits ihre Lehren gezogen haben. Dass die Mannschaft stabiler geworden ist, dass sie sich auf die Bundesliga konzentrieren kann und dass die Clubführung die sportliche Leitung mit ungebeteten Ratschlägen verschont.
Dann hätten die Hamburger allen Grund, sich auf diese Saison zu freuen. Aber eben nur dann.
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