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24.08.2009
 

EM-Auftaktsieg gegen Norwegen

DFB-Frauen feiern Last-Minute-Torreigen

Aus Tampere berichtet Andreas Morbach

EM-Auftakt: Torreicher Triumph in Tampere
Fotos
Getty Images

Überzeugender Start ins Turnier: Zum Auftakt der Europameisterschaft in Finnland besiegten die deutschen Fußballerinnen Mitfavorit Norwegen klar. Für Bundestrainerin Silvia Neid lief dennoch nicht alles perfekt - sie haderte lange Zeit mit der Chancenverwertung ihres Teams.

Rechtzeitig zum kontinentalen Fußballturnier im finnischen Süden hat Fatmire Bajramaj sich wieder so richtig in Form gebracht. Beim eher holprigen Olympia-Turnier in China hatte die gebürtige Kosovarin einige ihrer gestressten Kolleginnen dazu animiert, sich die Fußnägel doch in Schwarz-Rot-Gelb zu lackieren. Und auch jetzt im EM-Quartier in Tampere ist die 21-Jährige eifrig darum bemüht, ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen. Bajramajs aktuell auffälligstes Merkmal: Die einst dunkelbraunen Haare sind im Sommer 2009 kohlrabenschwarz geworden. Doch neben dem ganzen äußeren Zinnober kümmert sich die Neu-Potsdamerin auf dem Rasen auch um die wesentlichen Dinge.

Im Fußball ist dies das Toreschießen - eine Disziplin, in der sich die deutschen Titelverteidigerinnen bei ihrem Auftaktspiel gegen Norwegen am Montag lange Zeit außerordentlich schwer taten. Am Ende hieß es trotzdem 4:0 - doch dafür durfte sich die Mannschaft von Silvia Neid bei Bajramaj und ihrer Vereinskollegin Anja Mittag bedanken. Denn Bundestrainerin Neid kam mit dem verzweifelten Raufen ihrer blonden Haare gar nicht hinterher, derart großzügig gingen ihre Spielerinnen lange Zeit mit allerbesten Gelegenheiten um.

So war das - bis kurz vor Schluss. Dann aber verwandelten die Reservespielerinnen Bajramaj (zwei Tore, eingewechselt nach 66 Minuten) und Mittag (ein Tor, eingewechselt nach 86 Minuten) zwischen der 90. Minute und der vierten Minute der Nachspielzeit ein hauchdünnes 1:0 in einen 4:0-Erfolg. Die Erinnerungen an das vorangegangene Festival der verpassten Chancen war durch das Finale furioso flugs verscheucht worden. Wobei Neid die in Abschlussfragen besonders jämmerliche erste Hälfte eigentlich wunderbar fand. Denn auch wer Chancen im Stakkato-Rhythmus vergibt, muss sich die Möglichkeit dazu überhaupt erst einmal erarbeiten.

"In der ersten Halbzeit haben wir sehr, sehr gut gespielt. Wir standen gut, das Problem war nur: Wir haben nicht getroffen", nannte Neid das Grundprinzip ihrer Mannschaft beim Start in die EM. Nicht getroffen hat zum Beispiel Angreiferin Inka Grings, als ihr die dreimalige Weltfußballerinen Birgit Prinz den Ball nach 32 Minuten derart vorbildlich vor die Füße passte, dass die Duisburgerin allein auf das Tor der Norwegerinnen zusteuern und deren Torfrau Ingrid Hjelmseth fein ausspielen konnte.

Den fälligen Strafstoß verwandelte Bersonik mit etwas Glück

Allein der finale Tritt gegen den Ball fehlte noch. Und er kam auch nicht mehr - weil Grings sich so viel Zeit ließ, dass Hjelmseth ihr das Spielgerät doch noch von den Schuhen wegfingerte - sehr zum Missfallen der Bundestrainerin. Wenige Sekunden später durfte sich Silvia Neid aber schon wieder beruhigen: Norwegens Maren Naevdal Mjelde stieß Prinz im Strafraum um, den fälligen Elfmeter verwandelte Mittelfeldspielerin Linda Bresonik mit etwas Glück.

Vom Elfmeterpunkt aus klappte es also, aus dem Spiel heraus ließ der Abschluss aber zunächst zu wünschen übrig. Die Frauen ohne Zielwasser waren: Kerstin Garefrekes (38.), Melanie Behringer (42., 45., 82), Prinz (45.), Bresonik (77., 78.) und Célia Okoyino da Mbabi, die nur den Pfosten traf (88.).

Die Potsdamerinnen Bajramaj und Mittag machten es dann besser. "So lange mit den Toren zu warten - das hat meinen Nerven nicht gut getan", sagte Neid ein wenig schmollend, lobte aber auch: "Wir waren ganz klar die bessere Mannschaft. Ich hoffe nur, dass der Knoten mit den späten Toren jetzt geplatzt ist."

Der nächste Gegner heißt Frankreich

Auch Innenverteidigerin Annike Krahn war mit ihren Gedanken da bereits beim nächsten Spiel am Donnerstag gegen die Französinnen (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Das deutliche 4:0 über Norwegen - immerhin ein Mitfavorit auf den EM-Titel - war der 24-Jährigen wohl nicht ganz geheuer. Fast schon traditionsgemäß zählen die Norwegerinnen zum Kreis derer, die die europäische Supermacht Deutschland (sechs EM-Titel) stürzen könnten. Diese Einschätzung konnten die Frauen aus dem Norden, deren Sturm eher einem Stürmchen glich, bei ihrem Start ins Turnier jedoch überhaupt nicht bestätigen.

Auf ihre Bezwingerinnen wartet mit Frankreich nun eine im Frauenfußball gewaltig nach oben strebende Nation, die ihr Auftaktspiel ebenfalls souverän gewann. Die Französinnen besiegten Island 3:1. "Sie haben sich in den letzten Jahren ähnlich wie die Engländerinnen sehr gut weiter entwickelt", sagte Innenverteidigerin Ariane Hingst. Viel lieber an die eigenen Stärken als an die des Gegners dachte dagegen die offensive Fatmire Bajramaj: "Wir wissen, dass wir es viel besser können." Krahn ergänzte: "Gegen Frankreich müssen wir eine ordentliche Schippe drauflegen. Das wird ein ganz anderer Gegner als Norwegen, auf den müssen wir uns richtig gut einstellen."

Deutschland - Norwegen 4:0 (1:0)
1:0 Bresonik (33., Foulelfmeter)
2:0 Bajramaj (90.)
3:0 Mittag (90.+2)
4:0 Bajramaj (90.+4)
Deutschland: Angerer - Schmidt, Krahn, Hingst, Peter - Garefrekes (66. Bajramaj), Kulig, Bresonik, Behringer (86. Mittag) - Prinz , Grings (66. da Mbabi) - Trainerin: Neid
Norwegen: Hjelmseth - Akerhaugen, Rönning, Mjelde, Huse - Gulbrandsen, Stensland, Storlökken (80. Giske), Lövbraek (72. Pedersen) - Herlovsen, Thorsnes (58. Kaurin) - Trainer: Berntsen
Schiedsrichterin: Alexandra Ihringova (England)
Zuschauer (in Tampere): 7500
Gelbe Karten: Kulig, Bresonik - Mjelde

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Fragen über Fragen (10.09.09 / 22:14h)!! mehr...

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