Von Lars Albrecht
Hamburg - In der offiziellen Vereinshistorie steht es geschrieben: "Zwischen all den Vereinen mit den Namen Lok, Chemie, Vorwärts, Dynamo, Stahl, Aufbau, Einheit oder Aktivist stand schon allein der Vereinsname 1. FC Union Berlin für etwas Besonderes." Die stolzen Köpenicker waren zu DDR-Zeiten das Gegenstück zum vom Ministerium für Staatssicherheit unterstützten BFC Dynamo. Die besten Spieler mussten an den Erzrivalen abgestellt werden, die Startberechtigung für den Europapokal wurde entzogen, die Schiedsrichter pfiffen im Zweifel gegen die "Eisernen". Auf dem Platz hieß der Gegner BFC Dynamo, aber Union kämpfte auch immer gegen die Stasi.
Nun hat die Geschichte den Traditionsverein wieder eingeholt. Aufstieg in die 2. Liga, drei Siege ohne Gegentor, Tabellenführung, Erstliga-Träume. Die Euphorie in Köpenick könnte eigentlich kaum größer sein. Doch statt Feier- plötzlich Krisenstimmung: Ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter sponsert Union? Undenkbar.
Nach dem SPIEGEL-Bericht über Jürgen Czilinsky, 51, Aufsichtsratschef des neuen Hauptsponsors International Sport Promotion (ISP), forderten die Fans die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit einem früheren Stasi-Offizier. Der Verein beriet kurz und gab dann nach. Das Präsidium um Dirk Zingler entschloss sich zur Trennung, um einen irreparablen Imageschaden zu vermeiden. Man habe nichts von der früheren Tätigkeit Czilinskys gewusst. Die meisten Anhänger glauben das, begrüßen die konsequente Entscheidung, denn jeder mache mal Fehler.
Ohne Schriftzug gegen die Bayern
Im Testspiel am Mittwoch (18.30 Uhr) gegen den FC Bayern München wird Union Berlin bereits ohne den Schriftzug des nun ehemaligen Hauptsponsors auflaufen - und ohne die zehn Millionen Euro, die ISP bis 2014 zahlen wollte. Man könnte auch sagen, der Verein zahlt einen hohen Preis für seine Glaubwürdigkeit.
Die Frage ist nun, wie es weitergeht. Kann Union ohne das ISP-Geld überhaupt überleben? "Die Trennung betrifft den laufenden Spielbetrieb nicht", betont Union-Sprecher Christian Arbeit. "Diese Gelder sind in unseren Etatplanungen für diese Saison gar nicht aufgetaucht." Man sei zuversichtlich, bald einen neuen Hauptsponsor zu finden. "Wir sind Tabellenführer der 2. Liga und spielen am Mittwoch live im Fernsehen gegen die Bayern", sagt Arbeit.
Guter Saisonstart, eine TV-Partie gegen den Rekordmeister - an der Alten Försterei sind sie optimistisch, dass diese Argumente einen neuen Partner überzeugen. Dennoch dürfte klar sein, dass der 12,2-Millionen-Etat nach unten korrigiert werden muss. Zudem sind die Pläne für den Bau der Haupttribüne sowie den langfristigen Schuldenabbau vorerst auf Eis gelegt.
DFL kündigt Überprüfung an
Laut Union-Sprecher Arbeit arbeitet man derzeit mit ISP, das die erste Rate in Höhe von einer Million Euro bereits überwiesen hat, an einer "sauberen Trennung". Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die der Verein vorab informiert hatte, kündigte eine Überprüfung an. "Wir müssen uns jetzt mal anschauen, welche finanziellen Folgen die Trennung hat", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Müller der "Berliner Morgenpost". Laut DFL-Statuten ist ein Wechsel des Trikotsponsors während des laufenden Wettbewerbs aus wichtigen Gründen zulässig.
In Fan-Kreisen wird derweil bereits über eventuelle Hilfsaktionen beraten. Darin sind die Union-Anhänger schließlich geübt. Schon mehrfach haben sie den Verein mit leidenschaftlichen Sammelaktionen ("Bluten für Union") am Leben erhalten. Zudem wurde das Stadion An der alten Försterei vor dieser Saison mit Hilfe von 2000 Freiwilligen renoviert. Die leidensfähigen Fans der "Eisernen" sind zu allem bereit - jetzt, da die Stasi endgültig kein Wörtchen mehr mitreden kann, erst recht.
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WENN ich nicht falsch informiert bin, ist die Stadiongesellschaft zu 100% ein Tocherdings der Stadt. mehr...
Viel kommt da aber auch nicht zusammen... Aber in Punkto Eintracht (Hallo Christian W.?!) mal eine Frage: hängt die Eintracht eigentlich als Gesellschafter in der Stadiongesellschaft mit drin oder ist das eine städtische GmbH? mehr...
Vielleicht hat man in Berlin das ganze Geld aus dem UEFA-Cup verpulvert, um nicht abzusteigen! Dies ist ja schon mal Geld, welches der Eintracht nicht zur Verfügung steht. mehr...
Ottl als Beispiel wäre vielleicht schlecht. Aber bei Gekas sieht es anders aus: Gekas und Skibbe kennen sich sehr gut, Frankfurt ist finanziell und sportlich stärker als Hertha, aber letzendlich ließ man den Abstiegskonkurrent [...] mehr...
Wenn du meinen Beitrag richtig liest, habe ich von Skepsis und Hoffnung geschrieben. Optmismus hört sich anders an. Worauf du diese Theorie gründest, ist mir ein Rätsel. Was soll an Hecking so negativ sein? Und welche [...] mehr...
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