Von Daniel Theweleit
Auch Felix Magath muss offenbar noch viel lernen über Schalke 04. "Als ich mich entschieden habe hierherzukommen, wusste ich, dass Geld fehlt, ich wundere mich aber, dass dieses Thema nun ausgerechnet in dieser Woche hochkommt", sagte er nach dem rundum deprimierenden 0:1 gegen den SC Freiburg. Dabei hätte Magath einfach nur ein paar Tage mit der Entmachtung des alten Finanzchefs Josef Schnusenberg warten müssen, dann hätte er seine Ruhe gehabt. Denn es war dieser Schritt, der Schalke die Liquiditätsprobleme und die ganzen alten Geschichten zurück in die Schlagzeilen befördert hat.
Nun hat sich auch der ehemalige Manager Rudi Assauer gemeldet und in einer Fernsehsendung, die am Montag ausgestrahlt wird, davon berichtet, dass "Spieler ihre Gehälter nicht bekommen" und auch "kleinere Unternehmen, die seit Jahrzehnten mit Schalke zusammenarbeiten", oft lange auf das ihnen zustehende Geld warten müssen. Das hat den Eindruck untermauert, für Schalke sei der Verkauf von Rafinha eine überlebenswichtige Maßnahme. Da ist es nur logisch, dass die Interessenten zocken.
Während des Spiels gegen Freiburg vermeldete dann der "Kicker" auf seiner Homepage, der Wechsel zu Bayern München sei perfekt, in der zweiten Hälfte wurde Rafinha bei jedem Ballkontakt von den eigenen Fans ausgepfiffen. Nach dem Spiel dementierten plötzlich alle Beteiligten, Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger sprach gar von einer "absoluten Falschmeldung". Inzwischen hat auch Manager Uli Hoeneß die Spekulationen beendet: "Wir werden Rafinha nicht holen."
Geschacher wie auf dem Viehmarkt
Doch auch andere Clubs haben Interesse am Außenverteidiger, für den Schalke acht bis zehn Millionen Euro verlangen soll. Vielleicht fällt dieser Preis, wenn die Zeit knapp wird. Ein Deal könnte daher bis in den späten Montagabend hinein in der Schwebe bleiben, um 24 Uhr wird das Transferfenster geschlossen. Um den Wert zu steigern, bezeichnete Magath Rafinha am Samstag noch einmal als "besten Feldspieler, den wir haben", es wird geschachert wie auf dem Viehmarkt.
Die Schalker, die vor eineinhalb Jahren noch glaubten, bald zum Branchenprimus aufzuschließen, haben momentan einige Sorgen. Zwar erklärte Heiko Westermann, einer der ganz wenigen Spieler, die am Samstag überhaupt etwas sagen wollten, er bekomme sein Geld "immer pünktlich", doch die Schwierigkeiten mit der Liquidität streiten die Schalker gar nicht ab. Die Kalkulationen des entlassenen Managers Andreas Müller und des nur noch repräsentierenden Vorstandsvorsitzenden Josef Schnusenberg, der einst als Herr der Schalker Finanzen wirkte, sah einfach nicht vor, einmal ein Jahr ohne Einnahmen aus dem internationalen Geschäft auszukommen.
Teures Personal, kaum frisches Geld
Denn nun ist dieser Fall erstmals seit acht Jahren eingetreten, und weil andere jährliche Einnahmen wie die Gelder des Hauptsponsors Gazprom oder die Zuwendungen des Ausrüsters Adidas schon für viele Jahre vorab geflossen sind, spülen praktisch nur Zuschauer- und TV-Einnahmen frisches Geld in die Kasse. Man müsse die Personalkosten senken, die im Vorjahr noch 55 Millionen Euro betrugen, hieß es im Verein zuletzt immer wieder. Zuerst wollte Schnusenberg 45 Millionen unterschreiten, dann wurde behauptet, Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab kosten noch 48 Millionen Euro im Jahr. Schaut man allerdings etwas genauer hin, scheinen all diese Zahlen unrealistisch.
Von den Großverdienern haben nur Orlando Engelaar und Mladen Kristajic den Club verlassen, dafür wurden Verträge von Heiko Westermann und Jermaine Jones zu verbesserten Bezügen verlängert, Lewis Holtby, der von der halben Bundesliga umworben war, ist sicher nicht nach Gelsenkirchen gegangen, weil die Stadt so schön ist, und Felix Magath und seine Mitarbeiter müssen auch bezahlt werden. Weiterhin unterhält der FC Schalke eine der teuersten Mannschaften der Liga.
Noch kein Tafelsilber verscherbelt
Die Lösung für das Problem heißt nun Rafinha. Zwar hat die Schalker Situation durchaus Gemeinsamkeiten mit der Dortmunder Finanzkrise von 2005, doch Schnusenberg hat im Gegensatz zum Erzrivalen kein Tafelsilber verscherbelt. Das Stadion und die Marketingrechte gehören größtenteils noch dem Club, diese Werte kann man zu Geld machen. Das könnte einen Ausweg bieten, falls der Rafinha-Verkauf scheitert. Und deshalb liegen auch die auf solche Werte spezialisierten Schnäppchenjäger schon auf der Lauer.
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