Von Christian Gödecke, Leverkusen
Da steht er also, Jeans, schwarzes T-Shirt, und schaut sich um. Auf der Tribüne sieht er sich selbst, ein übergroßes Plakat hängt dort mit der Nummer 19 und seinem Bild drauf. Sie klatschen da oben, alle, und auch unten wird applaudiert. Der DFB-Präsident hält einen Blumenstrauß in der Hand und Michael Ballack ein Bild von dem Mann, den sie "Schnix" nannten. Oder den "weißen Brasilianer".
Bernd Schneider winkt dann noch ein letztes Mal, die Nationalspieler applaudieren jetzt geschlossen. Es ist ein schöner Abschied in der neuen BayArena, und als Schneider das Spielfeld verlässt, da wird einem bewusst, wer da jüngst seine Karriere beendet hat. Ein Spieler, der den Ball so gut beherrschte, dass jeder Pass leicht wirkte und jedes Dribbling mühelos. Einer, der Spielmacher war, obwohl er meist auf der rechten Seite klebte.
"Er ist ein Spielertyp, wie ihn Deutschland lange nicht mehr hatte", sagt 90 Minuten später Mario Gomez. Er spricht über einen Mittelfeldspieler, der beim 2:0 (1:0) gegen Südafrika so scheinbar mühelos geglänzt, mit überlegten Pässen das Spielfeld geöffnet und gefährliche Situationen eingeleitet hatte. Der ein Tor erzielt hatte - in seinem ersten Länderspiel von Beginn an. Mesut Özil, über den Gomez sprach, hatte am Tag von Schneiders Abschied die BayArena zu seiner großen Bühne gemacht.
Özil ist mit 20 Jahren zu einer Art Heilsbringer der Nationalelf auserkoren worden, nachdem das DFB-Team zuletzt in Aserbaidschan vor allem dadurch auffiel, dass es ungewöhnlich viele Bälle verlor. Das 4-4-2-System gab keinen Halt, zu viel Raum lag zwischen Abwehr und Mittelfeld und Angriff.
Mehr Sicherheit musste her, mehr Ordnung, immerhin wartet im Oktober Russland zum entscheidenden Spiel um die direkte WM-Qualifikation. Seit dem EM-Viertelfinale gegen Portugal hat das 4-2-3-1-System den Ruf als taktisches Wundermittel, aber damals war die offensive Zentrale mit dem defensiv denkenden Michael Ballack besetzt und nicht mit einem offensiven Freigeist wie Özil.
Lob von Ballack, Lob an Ballack
Nach dem Spiel gegen Südafrika ist klar: Das DFB-Team hat eine neue Option. Sie kann die organisatorischen Fähigkeiten Ballacks mit den Qualitäten Özils verbinden: Ballsicherheit, Kreativität, Passgenauigkeit und Torgefahr. Und hat damit genau die Situation, die sich der Kapitän erhofft hatte, als er Özil als "klassischen Zehner" beschrieb und nebenbei erwähnte, dass man im 4-2-3-1 ja auch schon "gut ausgesehen" habe. Die beiden verstehen sich offenbar ohnehin gut. Ballack habe ihn "gut gecoacht auf dem Platz", bemerkte Özil. Özil habe "hervorragend gespielt", sagte Ballack.
Und tatsächlich war es beeindruckend, was der Bremer in Leverkusen ablieferte. Pässe aus dem Fußgelenk in die Schnittstelle der südafrikanischen Viererkette. Doppelpässe mit Tasci und Ballack, einer davon führte zur deutschen Führung durch Gomez. Özil schoss Freistöße, spielte effizient und einfach, aber schon bei Bernd Schneider erklärten die Bundestrainer danach immer fast entschuldigend, dass das alles nur so leicht aussehe. "Das sind schwierige Pässe", sagte Joachim Löw über Özil.
"Ich wollte einfach Gas geben, gut spielen. Und das ist mir auch ganz gut gelungen", sagt Özil selbst, und er sagt es so, als sei es das Normalste der Welt, diesen Druck auszuhalten. Er ist wohl einer von diesen besonderen Spielern, die zum Glücklichsein nur einen Ball brauchen - und ein paar Gegner, die sie dann alt aussehen lassen können. "Mesut hat heute gezeigt, dass er viel Kreativität ins Spiel bringt, er hat ein Auge für gut postierte Mitspieler und hat viele gefährliche Situationen eingeleitet", sagte Löw.
Sie können beim DFB jetzt etwas entspannter sein nach den Wochen der Unsicherheit. Die Leistung in Aserbaidschan gilt jetzt nicht mehr als Fanal für den Zustand der Mannschaft, sondern als Ausrutscher zu einem ungünstigen Zeitpunkt in der Saison. Zu Recht kann Löw jetzt auf die positiven Folgen von intensivem Training verweisen, zu Recht kann der Bundestrainer sagen, dass Automatismen nur durch ständiges Wiederholen zurückkehren können.
Selbst die Defensiv-Zentrale mit Arne Friedrich und Serdar Tasci hatte sich lernfähig gezeigt. Die Löcher zwischen Viererkette und Mittelfeld seien nicht mehr so groß wie gegen Aserbaidschan gewesen, lobte Löw. Außerdem habe neben Friedrich auch der in der Halbzeit eingewechselte Heiko Westermann "nachdrücklich" seine Ansprüche auf einen Platz in der Innenverteidigung angemeldet.
Die Diskussion um eine möglicherweise epidemische Abwehrschwäche wird zwar weitergehen. Aber dank Mesut Özil erst mal nur im Hintergrund.
Deutschland - Südafrika 2:0 (1:0)
1:0 Gomez (35.)
2:0 Özil (77.)
Deutschland: Adler - Lahm, Friedrich, Tasci (ab 46. Westermann), Schäfer - Ballack (ab 80. Gentner), Rolfes (ab 73. Khedira) - Schweinsteiger (ab 84. Trochowski), Özil, Marin (ab 46. Podolski) - Gomez (ab 46. Klose) - Trainer: Löw
Südafrika: Fernandez - Gaxa, Fransman (ab 60. Tshabalala), Mokoena, Masilela - Pienaar (ab 83. van Heerden), Mhlongo, Dikgacoi, Gould (ab 60. Khenyeza) - Parker, Mphela (ab 83. van Heerden) - Trainer: Santana
Schiedsrichter: Claudio Circhetta (Schweiz)
Zuschauer (in Leverkusen): 29.569
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Wobei ich bei Poldi das Gefühl habe, der weiß dass er nicht der hellste ist. Und immerhin spult er ab und zu gegenüber bescheuerten Reporterfragen nicht eine Standard-Floskel ab, weil er nicht versteht was sein Gegenüber [...] mehr...
Na - den CR mit Poldi zu vergleichen ist ja auch unfair. Sie wissen schon: "Der Einäugige unter den Blinden". Aber über die Intelligenz von CR mag ich mir kein Urteil erlauben, da ich die Interviews nicht direkt [...] mehr...
gute Analyse, Dylan! Ich schätze CR als ein mittelintelligenter Mensch, zwar kein Genie (nur im Fussball natürlich!), aber auch kein "Doofi"... was er sagt, ist gut überlegt und macht Sinn, eine gewisse Intelligenz hat [...] mehr...
Ach, das mit dem Alibi glaube ich nicht. In zwei Wochen spricht außer JBK niemand mehr über das Thema Enke. Hätte, wäre, wenn ... So ist das nun mal im Fußball. Ich glaube schon, dass sich Schiedsrichter-Fehlentscheidungen auf [...] mehr...
Lasst doch den Enke einfach beiseite, wenn Ihr es nicht rafft, dass es seinen Teamkollegen in der NA auch um die Geste an sich ging. Leuchtet ja auch ein, dass man nach dem Selbstmord eines Teamkollegen nicht einfach zur [...] mehr...
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