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19.09.2009
 

Bayern-Manager Hoeneß

"Das könnte ein guter Herbst werden"

Bayern-Manager Hoeneß: "Das war kein Derby, das war die Maus vor der Schlange"Zur Großansicht
Getty Images

Bayern-Manager Hoeneß: "Das war kein Derby, das war die Maus vor der Schlange"

Die Bayern gewannen zum Auftakt des Oktoberfestes gegen Nürnberg, das Spiel verkam aber fast zur Nebensache. Im Interview spricht Manager Uli Hoeneß über seinen Appell zu Ehren des getöteten S-Bahn-Gastes, den nächsten Wiesn-Besuch und einen möglichen Einstieg von Audi.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hoeneß, warum war es Ihnen so wichtig, vor dem Spiel etwas zu dem S-Bahn-Mord in München zu sagen?

Hoeneß: Wir alle sind aufgerufen, nicht still zu sein. Das ist ja nicht das erste Mal passiert. Ich glaube, wir müssen uns grundsätzlich alle gegen Gewalt und vor allem gegen das Wegsehen wehren. Wir müssen uns solidarisieren in der Gemeinschaft, dass solche Leute nicht noch ermuntert werden im Wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Das war der Sinn dieses Appells.

SPIEGEL ONLINE: Kann der FC Bayern etwas gegen solche Übergriffe tun?

Hoeneß: Wir überlegen uns, Werbeflächen in einer S-Bahn oder einer U-Bahn ein Jahr lang zu mieten, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Wir sind mit dem bayerischen Innenministerium und der Stadt München im Gespräch, ob wir dazu beitragen können, dieses Thema wach zu halten. Man darf es nicht nur aufflammen lassen und dann nach zwei Tagen wieder vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Nach diesem Ereignis fällt es schwer, zur sportlichen Tagesordnung überzugehen. Dennoch: Das bayerische Derby war nicht besonders gut, oder?

Hoeneß: Das war kein Derby, das war die Maus vor der Schlange. Die Nürnberger haben Betonmauer gespielt. Wenn ich in der 83. Minute mit 2:1 zurückliege, lasse ich doch alles stehen und liegen und versuche, das Tor zu machen. Mei o mei, ob ich jetzt 2:1 verliere, 3:1 oder 4:1, ist doch wurscht.

SPIEGEL ONLINE: Nürnberg war aber nicht alleine schuld an dem eher faden Spiel.

Hoeneß: Wenn man nur mauert, gibt es solche Spiele wie heute. Wir hatten eine lange Reise nach Israel und eine schwere Partie gegen Maccabi Haifa in den Knochen. Dann ist es nicht so, dass man den Gegner einfach niederrennen kann. Aber wir haben versucht, unsere Chancen herauszuarbeiten und Gott sei Dank noch das Tor gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie Ihre Spieler nun gelassen zur Wiesn schicken?

Hoeneß: Bevor wir auf die Wiesn gehen - das machen wir eh erst in zwei Wochen am Sonntag nach dem Köln-Spiel - kann noch viel passieren. Die Woche war gut, weil wir drei Mal recht souverän gewonnen haben. Allerdings haben wir Oberhausen (im DFB-Pokal, 2. Runde am Dienstag, d. Red.) und in der Bundesliga Hamburg (beide im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) vor uns, dann das Heimspiel gegen Köln. Und in der Champions League kommt Juventus Turin.

SPIEGEL ONLINE: Halten Sie das nächste Auswärtsspiel in Hamburg schon für wegweisend in der Bundesliga?

Hoeneß: Wir müssen aufhören, jedes Spiel wegweisend zu machen. Demnächst küren wir den Meister schon nach zwei Spieltagen. Hoffenheim und Leverkusen haben einen riesigen Vorteil, weil sie weder in der Champions League noch in der Euro League spielen. Dadurch muss man sie dieses Jahr sehr ernst nehmen. Wer wie Hoffenheim nach einem 0:2 mit 4:2 gewinnt, der ist auf dem aufsteigenden Ast.

SPIEGEL ONLINE: Auf dem aufsteigenden Ast ist wirtschaftlich gesehen auch der FC Bayern. Was ist dran an den Gerüchten, dass Audi bei Ihnen einsteigt?

Hoeneß: Wir sind in guten Gesprächen mit der einen oder anderen Firma. Ich möchte da aber noch keine Namen nennen. Mit der Deutschen Telekom sind wir ziemlich weit, was die Verlängerung des Vertrages angeht. Beim Stadion sieht es auch gut aus. Ursprünglich hatten wir vor, die Arena nach 18 Jahren schuldenfrei zu haben, jetzt sind es nur noch zehn Jahre. Und das ohne Partner, der mitzahlt.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Festgeldkonto wird also wieder wachsen?

Hoeneß: Wir machen uns Gedanken, wie wir den FC Bayern wirtschaftlich noch mehr in die Champions League bringen können. Die einen gehen in die Kreditabteilungen, die anderen haben eben findigere Ideen. Jedenfalls könnte das ein guter Herbst für den FC Bayern werden.

Aufgezeichnet von Sebastian Winter

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