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28.09.2009
 

Hertha BSC in der Krise

SPD der Bundesliga

Von Christoph Biermann

Hertha-Coach Favre: Erklärungsnot nach der Blamage in HoffenheimZur Großansicht
dpa

Hertha-Coach Favre: Erklärungsnot nach der Blamage in Hoffenheim

Parallel zum Wahldebakel der Sozialdemokraten blamierte sich auch Hertha BSC. In Hoffenheim kassierte der Tabellenletzte fünf Gegentore. Für Coach Lucien Favre wird die Luft immer dünner, der Hauptstadtclub muss reagieren. Sonst droht bald Oppositionsarbeit - in der Zweiten Liga.

Als in Berlin die ersten verheerenden Wahlhochrechnungen für die Sozialdemokraten bekannt wurden, lag Hertha BSC im fernen Kraichgau schon 0:3 zurück. Auch im weiteren Verlauf des Abends fanden die Berliner Kicker nicht mehr Trost als die SPD, denn mit der 1:5-Niederlage bei 1899 Hoffenheim erreichten sie einen neuen Tiefpunkt in dieser Saison und belegen weiter den letzten Tabellenplatz. Er mag nicht ganz so historisch sein wie der Absturz der Sozis, für Katastrophenstimmung reichte es aber allemal.

Die fünf Gegentore waren nämlich noch schmeichelhaft, es hätten auch ein paar mehr sein können. Obwohl die Mannschaft von Trainer Lucien Favre mitunter sogar nett kombiniert hatte, wirkte sie nicht einmal annähernd konkurrenzfähig in der Bundesliga. Schon ein kurzer Blick auf die bisherige Saisonbilanz zeigt, wie gravierend die Probleme sind. Von insgesamt neun Pflichtspielen hat Hertha nur den Bundesligaauftakt gegen Hannover 96 und die erste Runde im DFB-Pokal gegen Preußen Münster gewonnen, in der Europa League reichte es lediglich zu einem Qualifikations-Sieg gegen Brøndby und einem Unentschieden gegen FK Ventspils aus Lettland. Die restlichen Partien endeten mit Niederlagen, darunter das Pokal-Aus beim Zweitligisten München 1860.

Damit erlebt Hertha BSC gerade den größten Absturz in der Bundesliga seit Bayer Leverkusen 2002 in der Champions League, Bundesliga und dem DFB-Pokal jeweils Zweiter wurde, sich im Jahr danach aber erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg in die Zweite Liga rettete. Und es gibt auch inhaltliche Parallelen, denn Bayer verließen damals mit Michael Ballack und Zé Roberto zwar nur zwei Stammspieler. Doch danach war Leverkusen einsturzgefährdet wie ein Haus, dem man die Träger entnommen hatte.

Wichtige Spieler haben den Club verlassen

Auch Josip Simunic war als bester Innenverteidiger der Bundesliga im Vorjahr so ein tragender Balken, der entscheidend war, dass Hertha die drittwenigsten Gegentore kassierte. Nicht minder wichtig waren die kaltschnäuzigen Stürmer Marco Pantelic und Andrej Woronin, die aus den wenigen Torgelegenheiten des Teams im richtigen Moment Treffer machten. Nun sind sie nicht mehr da, und es fehlt vorne und hinten zugleich. Herthas Haus ist nun so einsturzgefährdet wie einst der Leverkusener Mannschaftsbau. Zur Stabilität trägt auch nicht gerade bei, dass Pfeiler wie Keeper Jaroslav Drobny und der starke Gojko Kacar im Moment verletzt fehlen.

Das Leverkusener Beispiel legt auch nahe, dass sich Hertha in dieser Saison auf einen langen Alptraum wird einstellen müssen. Denn noch eine weiterer Faktor wirkt negativ: Am Donnerstag (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) muss Hertha in der Europa League bei Sporting Lissabon zu einem Spiel antreten, das sie in diesem Moment überhaupt nicht gebrauchen können. In Portugal gibt es fast nichts zu gewinnen, sondern nur Kräfte zu verlieren, die im Abstiegskampf unbedingt gebraucht werden. Auch Bayer zerbrach damals fast an der Champions League und hätte schließlich am liebsten die zweite Mannschaft geschickt.

In der Liga warten schwere Gegner

Den Berliner Pessimismus dürfte auch der Spielplan der Bundesliga rechtfertigen, denn mit Hannover, Mainz, Bochum, Gladbach oder Freiburg haben die Herthaner gegen die nominell schwachen Gegner schon gespielt, die dicken Brocken kommen noch. In dieser Situation nicht in Panik zu geraten, dürfte selbst Männern mit Erfahrung schwer fallen. Zumal sich die Berliner Presse nun noch mehr auf Trainer Favre stürzen wird.

Manager Michael Preetz wird ganz genau prüfen müssen, ob in den letzten Wochen zwischen Coach und Team etwas zerbrochen ist oder ob er Favre das Turnaround-Management noch zutraut. Ein Rauswurf des Schweizers würde nämlich auch ihn selbst unter Druck setzen, denn Preetz hat Favre deutlich mehr Gestaltungsraum gegeben als zuvor Dieter Hoeneß. Eine knifflige Situation im ersten Jahr als Manager ist das, da hat es die SPD nach dem schaurigen Sonntag fast leichter. Sie kann morgen mit der Oppositionsarbeit anfangen. So was gibt es im Fußball nicht, außer man hält die Zweite Liga dafür. Und deren neue Saison beginnt erst in neun langen Monaten.

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Die neuesten Beiträge:
14.01.2010 von Christian W.:

WENN ich nicht falsch informiert bin, ist die Stadiongesellschaft zu 100% ein Tocherdings der Stadt. mehr...

14.01.2010 von Polar:

Viel kommt da aber auch nicht zusammen... Aber in Punkto Eintracht (Hallo Christian W.?!) mal eine Frage: hängt die Eintracht eigentlich als Gesellschafter in der Stadiongesellschaft mit drin oder ist das eine städtische GmbH? mehr...

14.01.2010 von noodl:

Vielleicht hat man in Berlin das ganze Geld aus dem UEFA-Cup verpulvert, um nicht abzusteigen! Dies ist ja schon mal Geld, welches der Eintracht nicht zur Verfügung steht. mehr...

14.01.2010 von le67:

Ottl als Beispiel wäre vielleicht schlecht. Aber bei Gekas sieht es anders aus: Gekas und Skibbe kennen sich sehr gut, Frankfurt ist finanziell und sportlich stärker als Hertha, aber letzendlich ließ man den Abstiegskonkurrent [...] mehr...

14.01.2010 von krafts:

Wenn du meinen Beitrag richtig liest, habe ich von Skepsis und Hoffnung geschrieben. Optmismus hört sich anders an. Worauf du diese Theorie gründest, ist mir ein Rätsel. Was soll an Hecking so negativ sein? Und welche [...] mehr...

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