Von Christoph Ruf, Stuttgart
50 Minuten nach Spielende setzte Markus Babbel zu einer flammenden Rede in eigener Sache an: "Ich werde alles dafür geben, dass es wieder nach oben geht." Die Mannschaft stehe hinter ihm, so der Stuttgarter Coach: "Ich habe nicht das Gefühl, dass hier irgendein Spieler nicht mehr alles gibt." Tatsächlich würde Babbel wohl nicht in Frage gestellt, wenn sein VfB die ganze Saison über so gespielt hätte wie an diesem Dienstagabend. Ehe Sevilla richtig in der Partie war, hatten sich der starke Zdravko Kuzmanovic (1.), Julian Schieber (7.) und Cacau (12.) erste Torgelegenheiten erspielt. Und noch kurz vor Schluss hätten Schieber (89.) und in der Nachspielzeit Serdar Tasci mit etwas Glück auch ein Tor erzielen können.
Als Nationalspieler Tasci stattdessen die Latte traf, stand es bereits 3:1 für Sevilla. Und das nicht ohne freundliche Handreichung der Stuttgarter: Beim 1:0 durch Sébastien Squillaci hatte Khalid Boulahrouz seinen Gegenspieler im Fünfmeterraum nicht am Kopfball hindern können (23.) - Keeper Jens Lehmann war nicht herausgekommen. Und beim 0:2 hatte endgültig der Mann gepatzt, bei dem Anspruch und Wirklichkeit nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren nur entfernte Verwandte sind: Lehmann.
Lehmann lässt durchblicken, dass er als einziger ernsthaft gefordert sei
Robert Enke und René Adler, Lehmanns Nachfolger im Tor der Nationalmannschaft, haben noch nie auch nur mit einer Andeutung die Leistung eines Konkurrenten herabgewürdigt. Lehmann hingegen lässt bei jeder Gelegenheit durchblicken, dass er im Gegensatz zu seinen Nachfolgern immerhin in der Champions League spiele, also als einziger wirklich ernsthaft gefordert sei. Allerdings verpufft dieses Argument, wenn er dort eine Flanke im Stile eines Volleyballspielers vor die Füße von Jesus Navas pritscht, der daraufhin das 0:2 (55.) ins Netz schmettert.
Der 39-Jährige kam diesmal nicht ganz umhin, eine eigene Beteiligung einzugestehen: "Für mich sah es so aus, dass ich den Ball unter der Latte erwische und daher nicht mehr ins Aus lenken kann." Zu Unrecht kritisiert fühlte er sich dennoch. Ihm würden in letzter Zeit eben einfach alle Gegentore in die Schuhe geschoben, klagte er dem Sender Sky. Als Squillaci mit seinem zweiten Treffer das 0:3 erzielte (72.) und der eingewechselte Elson auf 1:3 verkürzte, war das Spiel längst entschieden. Und Manager Horst Heldt fand, es sei "ärgerlich, dass immer wieder andere Spieler solch entscheidende Fehler wie bei den ersten beiden Gegentoren passieren."
Dem Niedergang des VfB haftet dabei durchaus auch etwas Tragisches an
Die Art und Weise, wie die zustande kamen, sagt allerdings viel aus über das gegenwärtige Dilemma des VfB: Die Mannschaft bringt sich immer wieder geradezu zwanghaft um das Erarbeitete. Dem Niedergang des VfB haftet dabei durchaus auch etwas Tragisches an - auch am Dienstag gab es einige Situationen, die mit ein wenig mehr Glück zu Toren hätten führen können. Der VfB beschäftigt eine Mannschaft, die an guten Tagen spielerisch zum Besten gehört, was der deutsche Fußball zu bieten hat. An schlechten Tagen - und im bisherigen Saisonverlauf gab es kaum andere - ist allerdings so gut wie jeder Spieler für den entscheidenden Lapsus zu haben. Das Stuttgarter Publikum scheint zu merken, dass man das nicht dem Trainer ankreiden kann - mit aufmunterndem Applaus empfing die Fankurve nach dem Schlusspfiff die unglückseligen Spieler.
Wenn die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf instabil wirkt, hat das allerdings auch mit Coaching-Fehlern zu tun. Dass Babbel bei seiner offensivfreudigen Mannschaft bis zum Schalke-Spiel am vergangenen Wochenende am 4-4-2 mit Doppel-Sechs festhielt, hat innerhalb und außerhalb der Mannschaft für Verwunderung gesorgt. Und so experimentierfreudig Babbel beim munteren Durchrochieren war, so willkürlich ging er dabei vor. Warum Ricardo Osorio, am Dienstag einer der Besten, so lange nicht zum Einsatz kam, muss man nicht verstehen. Warum Zdravko Kuzmanovic so lange nicht zeigen konnte, was er kann, auch nicht.
Nackte Ergebnisse sprechen nicht unbedingt für Babbel
Manager Heldt hielt nach dem Spiel stoisch am Grundsatz fest, den Trainer öffentlich nicht zu demontieren. In die Bewertung der Lage, so ließ er durchblicken, gingen aber sowohl die Leistung als auch die nackten Ergebnisse ein. Letztere sprechen nicht unbedingt für Babbel: In der Liga hat man acht Punkte nach neun Spielen, vier der vergangenen fünf Partien gingen verloren. In der Champions League stehen zwei Remis und die gestrige Niederlage zu Buche. Wenn Babbel noch länger Trainer in Stuttgart bleiben will, muss das Spiel in Hannover am kommenden Samstag gewonnen werden.
Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" hat der Verein bereits Kontakt mit dem Schweizer Marcel Koller aufgenommen, der im September beim VfL Bochum geschasst wurde. Koller schaute sich am Samstag die Heimniederlage des SC Freiburg gegen Bayern München an. Der FC Bayern ist am übernächsten Wochenende Gegner des VfB.
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Dieser dein Augenfehler :-) fällt mir erst jetzt auf, daher muß ich leider nchmal nachtreten: Kahn lenkt diesen Ball mit der rechten Hand an den Pfosten. Wie also kann der "auch so nur an den Pfosten" gehen? [...] mehr...
ist DIE Rhetorik back! mehr...
Es geht darum, daß Mourinho im Umfeld von van Gaal das wesentliche mitbekommen hat. Mourinho ist ein cleveres Kerlchen. Die Sa war bei der Perle und hat gelernt. Und nicht wenig. Alles andere ist Rhetorik. mehr...
Ist ja einsame Klasse was vG in wenigen Monaten aus den orientierungslosen Bayern gemacht hat. Brauchen wir nicht mehr zu thematisieren. Mourinho ist ähnlich effizient mit Inter umgegangen (die Kader waren am Ausgangspunkt [...] mehr...
Mourinho war sicherlich mehr als nur der Übersetzer für Van Gaal. Er trainierte die 2. Mannschaft Barcelonas sehr erfolgreich und arbeitete mit Van Gaal auch für die 1. zusammen. Aber sicherlich ist das lange her und Mourinho, [...] mehr...
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