Von Mike Glindmeier und Philipp Markhardt
Jens Lehmann hatte es sehr eilig. Sein VfB Stuttgart lag beim Pokalspiel gegen den Zweitligisten Greuther Fürth am Dienstagabend hinten. Da stürmte der Keeper auf den Balljungen hinter seinem Kasten zu, der eine Ersatzkugel unter dem Arm eingeklemmt hatte. Für einen Moment machte man sich Sorgen um den Jungen. Mit einem ruckartigen Griff eroberte Lehmann das Spielgerät und bunkerte es neben seinem Pfosten.
Doch der harte Einsatz brachte nichts. Der VfB verlor 0:1 und schied aus dem Wettbewerb aus. Markige Sprüche über unartige Junghelfer an der Linie verkniff sich Lehmann nach der Schlappe - anders als am vergangenen Samstag. "Ich muss jetzt schnell nach Hause und meine Kinder erziehen, damit sie korrekte Menschen werden", hatte Lehmann da verkündet. Anlass für das pädagogische Vorhaben war ein 14-jähriger Balljunge, der sich beim Spiel zwischen Hannover 96 und dem VfB Stuttgart einen Scherz erlaubt hatte. Es geschah in der 81. Minute, Stuttgart lag hinten und das Leder im Toraus. Lehmann ging auf Ballholer Aaron Schulz zu und forderte das Spielgerät, doch der Lausbub täuschte kurz an und lupfte dem Torhüter die Kugel über den Kopf. Zuviel für Lehmann.
"Selbst die Balljungen sind Betrüger", wetterte der 39-Jährige nach dem Spiel, das sein Team 0:1 verloren hatte. Um dann zu betonen, dass er es bei seinen Kindern besser machen will. Dabei ist Lehmann selbst kein Kind von Traurigkeit. "Jens muss wissen, dass er ganz speziell im Fokus steht, da er einen großen Namen hat. Er muss sich hitzige und unüberlegte Aktionen verkneifen, langsam mal entspannter werden und sich auf das Wesentliche konzentrieren." Diese Aussage stammt nicht etwa von Lehmanns früheren Dauerrivalen Oliver Kahn, sondern von seinem aktuellen Vereinstrainer Markus Babbel.
Der Ärger des Coaches ist verständlich. Der VfB steckt in der Krise, doch statt Souveränität bringt Routinier Lehmann durch unüberlegte Aktionen noch mehr Unruhe ins Team.
"Ich bin meiner Vorbildfunktion nicht nachgekommen"
So wie am dritten Spieltag. Da rammte Lehmann in Dortmund Gegenspieler Neven Subotic vor einem Eckball im Strafraum den Ellenbogen an den Kopf. Der Verteidiger revanchierte sich mit einem Schlag in Lehmanns Gesicht. Beide Vorfälle hatten die TV-Kameras dokumentiert, Schiedsrichter Helmut Fleischer sagte nach dem Spiel: "Hätte ich die Szene sofort so gesehen, wären beide von mir mit Rot bestraft worden." Während Subotic sich im Nachhinein einsichtig zeigte ("Ja, ich habe ihn auch getroffen") spielte Lehmann den Unschuldigen. Der DFB sah zwar in beiden Fällen ein "krass sportwidriges Verhalten", stellte die Ermittlungen allerdings ein.
Dabei hatte Lehmann seine Gegner schon in der Vergangenheit selten geschont. Ein interessanter Eintrag findet sich im Dezember 2003. Im Match gegen Southampton warf der damalige Arsenal-Torhüter seinem Gegenspieler Kevin Phillips den Ball an den Kopf. Der englische Fußballverband FA verdonnerte Lehmann daraufhin zu umgerechnet 14.000 Euro Geldstrafe.
Doch derzeit häufen sich die Negativschlagzeilen um den Elfmeterhelden des WM-Turniers von 2006. Den nächsten Ärger nach dem Subotic-Zank hatte der Schlussmann, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, am sechsten Spieltag. Nach der 0:2-Heimniederlage gegen Köln, bei der Lehmann durch einen abenteuerlichen Ausflug an die Mittellinie den entscheidenden Treffer der Gäste verschuldete, fuhr er ohne die Erlaubnis seines Clubs zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf das Münchner Oktoberfest. Er wurde daraufhin von der Vereinsführung für das Zweitrunden-Pokalspiel in Lübeck (3:1 n.V.) suspendiert. "Ich bin meiner Vorbildfunktion nicht nachgekommen", gab er danach kleinlaut zu.
"Ruhe reinbringen"
Das gilt wohl auch für die rüde Abrechnung mit seinem Kollegen Khalid Bouhlarouz. Im Februar 2009 riss Lehmann dem Verteidiger beim Uefa-Cup-Spiel in St. Petersburg (1:2) das Stirnband vom Kopf. Bouhlarouz hatte zuvor durch Unkonzentriertheit eine vielversprechende Chance der Russen eingeleitet. Zwei Tage nach der Ohrenschutz-Attacke sorgte der Keeper für den nächsten Aufreger. Im Ligaspiel gegen Hoffenheim verlor TSG-Stürmer Sejad Salihovic kurz vor Schluss beim Stand von 3:3 während einer Drangphase der Hoffenheimer einen Schuh im Stuttgarter Strafraum. Lehmann handelte umgehend und entsorgte die Stolperfalle vor der Nase Salihovics, indem er den Schuh hinter sich auf das Tornetz warf.
Solche Allüren kann sich derzeit jedoch weder Lehmann noch sein Arbeitgeber VfB Stuttgart leisten. Nach dem Pokal-Aus gegen Fürth wird es eng für den Club, Trainer Babbel bangt um seinen Job, den Schwaben droht die Dauerkrise. Und Lehmann sucht nun seine Rolle als Führungsspieler. "Ich denke, der Verein weiß, dass ich absolut dafür bin, Konstanz zu behalten und Ruhe reinzubringen", beteuerte der Torwart.
Immerhin hatte er diesmal lobende Worte für den Fürther Balljungen übrig. Wenigstens habe der sich "ordentlich benommen".
Mit Material von sid
Auf anderen Social Networks posten:
...nur noch das ach so tolle 80%-Viagra-Nachlass-Angebot, dann ist auf dieser tollen Seite wirklich alles, was die Welt braucht :-). mehr...
Sooo... da ich ja neugierig bin, habe ich mir gerade mal Deine hier so schön beworbene Webseite angesehen. Willste meine ehrliche Meinung zu Flirt-Diensten, Versicherungsvergleichen und Restpostenbörsen (Ersparnis 82%!!) [...] mehr...
Deshalb ist es trotzdem ein eingebildeter Typ, der wenn man mal ehrlich ist, nie so richtig gut war. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum er Kahn vorgezogen wurde, der im übrigen auch eine Meise hat. MadMad von [...] mehr...
Ja, das ist bei uns wohl immer so: Typen, die fokussieren, werden während ihrer aktiven Laufbahn nicht gemocht. Hören sie dann auf, wird ihnen nachgejammert. Bestes Beispiel: Van Bommel, der 'Aggressive Leader'. Nach den [...] mehr...
Hallo, ach lasst ihn doch den Jens.Es gibt so wenige Typen in der Bundesliga,über die man redet.Was waren das noch für Zeiten,als Mario Basler mit Pepita-Hut ne Ecke schiessen wollte.Oder ein Olli Kahn zum Dracula wurde.Ein [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema VfB Stuttgart | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH