Aus Stuttgart berichtet Oliver Trust
Uli Hoeneß gehört zu den Menschen, die viele verschiedene Themen in relativ kurzer Zeit in umfassender Art abhandeln können. Zuerst bügelte der Bayern-Manager nach dem enttäuschenden 0:0 beim VfB Stuttgart vor 42.000 Zuschauern auf dem Weg zum Mannschaftsbus einen Journalisten ab, der "einen Scheiß" geschrieben hat "und das muss ich ihnen auch sagen dürfen". Dann widmete er sich innerhalb eines Korridors von fünf Metern der Situation um die Tabellenspitze in der Bundesliga und gewährte tiefe Einblicke in seine angespannte Gemütsverfassung im Hinblick auf das Champions-League-Spiel am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Girondins Bordeaux.
"Heute war eine Riesenchance da. Wenn wir gewonnen hätten, wäre die Situation um die Tabellenspitze noch viel früher interessant geworden, als ich es gedacht habe", sagte Hoeneß und legte voller Selbstvertrauen noch den Zeitpunkt der Machtübernahme durch seine Bayern fest: "Wir werden noch vor Weihnachten oben stehen." Er wollte zuletzt zwei Siege und zwei Unentschieden zwar nicht als große Serie verkaufen, aber stocksauer war der Mann ob des Remis nicht: "Wir müssen mal sehen, dass wir ohne Arjen Robben und Franck Ribéry spielen. Ohne die beiden halten wir uns ganz gut."
Als Hoeneß dann auf Bordeaux zu sprechen kam, schien die Mauer aus Selbstvertrauen etwas zu bröckeln und er gab unumwunden zu, "dass ich da ziemlich nervös bin, weil wir unbedingt gewinnen müssen". Sonst könnte es in der Tat schwierig werden mit dem Überstehen der Gruppenphase. Er sagte auch gleich warum: "Wir haben große Ziele in der Champions League." Dann machte er sich eilig auf den Weg zurück nach München, als wolle er keine Minute Vorbereitungszeit vergeuden.
"Ich kann mit dem Resultat leben"
Fast schien es, als habe der FC Bayern nichts anderes vorgehabt in Stuttgart, als größeren Schaden vor dem nächsten Auftritt in der Königsklasse zu vermeiden. Im Kollektiv ignorierte man das eigene, nicht eben überragende spielerische Niveau und feierte den gelungenen Versuch, ein Spiel überkontrolliert zu haben. "Ich kann mit dem Resultat leben", behauptete Bayern-Trainer Louis van Gaal und griff Hoeneß' Gedanken des verpassten späten Sieges auf. Der hatte die Szene in der 86. Minute gemeint als Luca Toni "fünf Zentimeter" im Abseits stand, wie van Gaal beobachtet haben will. "Aber wir haben zu viele Ballverluste", sagte er leicht grummelnd. Bastian Schweinsteiger gestand: "Wir haben uns geärgert, als wir die anderen Ergebnisse gesehen haben." Philipp Lahm sagte: "Ein Punkt ist auswärts okay. Wenn man an die Spitze will, müssen es aber auch mal drei sein."
Während die Bayern ihr Sturm- und Spielproblem mit Fassung trugen und sich, begleitet von leichter Unzufriedenheit, schnell auf den französischen Meister konzentrieren wollten, gab es für die Stuttgarter nach fünf Niederlagen in Folge nicht den erhofften Befreiungsschlag. "Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben aber auf unerklärliche Weise zu passiv agiert", sagte Stuttgarts Coach Babbel, der auch nach dem Punktgewinn gegen die Bayern nur auf Bewährung weitermachen darf. "Die Mannschaft hat einen tollen Fight geliefert", so Babbel. Wieder einmal gab es gute Ansätze im VfB-Spiel, nur ein Tor gelang nicht. 20 Minuten zeigten die Stuttgarter eine ansehnliche Partie und mussten am Ende mit einem "Achtungserfolg" (Kapitän Thomas Hitzlsperger) zufrieden sein.
Van Gaals Hingabe zur völligen Kontrolle
Die aufregendste Szene fand vor dem Spiel statt, das van Gaal mit einer doppelten Sicherung auf der "Sechs" (Timoschtschuk und Van Bommel) vor der eigenen Abwehr prägte und damit seine Hingabe zur völligen Kontrolle auslebte. Die Stuttgarter Spieler, und zwar der gesamte Kader des VfB, liefen vor dem Spiel in die Cannstatter Kurve, dem Platz der treuesten Fans, und forderten diese zur Unterstützung auf. Kapitän Hitzlsperger stand ganz vorne und ruderte wild mit den Armen.
Auf dem Rasen setzte sich trotz der ungewöhnlichen Motivationsmaßnahme mehr und mehr die Strategie der vorsichtigen Münchner durch. Erst quer, dann steil. Lieber ein Foul, um den Spielfluss des Gegners zu unterbinden, als einen Zweikampf riskieren. Der VfB verlor an Schwung. Die Bayern rückten weiter nach vorne und fingen die Stuttgarter schon knapp hinter der Mittellinie ab, was zu vielen Zweikämpfen im Mittelfeld führte.
Darunter litt auch das Spiel von Mario Gomez. Der ehemalige Stuttgarter durfte bei seiner Rückkehr zwar endlich wieder einmal 90 Minuten lang spielen, kam aber nur zu wenig Chancen und trat wie alle Bayern vorwiegend als Fußballarbeiter auf. Das aber schien an diesem Tag nicht als Makel betrachtet zu werden. Am Dienstag gegen Bordeaux könnte das allerdings ganz anders aussehen. Ein Unentschieden wäre da fast eine Niederlage.
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Viel kommt da aber auch nicht zusammen... Aber in Punkto Eintracht (Hallo Christian W.?!) mal eine Frage: hängt die Eintracht eigentlich als Gesellschafter in der Stadiongesellschaft mit drin oder ist das eine städtische GmbH? mehr...
Vielleicht hat man in Berlin das ganze Geld aus dem UEFA-Cup verpulvert, um nicht abzusteigen! Dies ist ja schon mal Geld, welches der Eintracht nicht zur Verfügung steht. mehr...
Ottl als Beispiel wäre vielleicht schlecht. Aber bei Gekas sieht es anders aus: Gekas und Skibbe kennen sich sehr gut, Frankfurt ist finanziell und sportlich stärker als Hertha, aber letzendlich ließ man den Abstiegskonkurrent [...] mehr...
Wenn du meinen Beitrag richtig liest, habe ich von Skepsis und Hoffnung geschrieben. Optmismus hört sich anders an. Worauf du diese Theorie gründest, ist mir ein Rätsel. Was soll an Hecking so negativ sein? Und welche [...] mehr...
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