Von Clemens Gerlach und Mike Glindmeier
Hamburg - "Wenn wir wissen, wer es gewesen ist, werden wir gegen diese Fans vorgehen", sagte St. Paulis Teammanager Christian Bönig SPIEGEL ONLINE. Dies könne bis zu einem Stadionverbot reichen. "Wir müssen aber jeden Einzelfall abwägen und können uns für die Vorfälle bei Hansa nur entschuldigen."
Beim Auswärtsspiel in Rostock, das St. Pauli 2:0 gewann, waren aus dem Block der mitgereisten Hamburger Fans Bengalische Feuer und Knallkörper auf den Rostocker Anhang geworfen worden. "Es sind nur wenige am Werk gewesen", betonte Bönig, "aber die kleine Gruppierung hat kaputtgemacht, was viele vorher aufgebaut haben."
Für das Verhalten der eigenen Fans gebe keine Entschuldigung. "Pyrotechnik hat im Stadion nichts zu suchen", sagte Bönig, "jeder weiß, dass dies verfolgt wird und dass er mit Konsequenzen rechnen muss."
Dies dürfte auch auf Seiten der Rostocker, die nach dem Spiel die Polizei attackiert hatten, der Fall gewesen sein. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fordert eine konsequente Bestrafung aller Täter und nennt diese einen "brutalen, gewalttätigen und damit kriminellen Mob". Bei dem Spiel waren nach Angaben der Polizei rund 2000 Beamte und 500 Ordner im Einsatz. 23 Hansa-Fans wurden in Gewahrsam genommen, gegen diese wird inzwischen wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch ermittelt.
Angriff auf Mitarbeiter von SPIEGEL TV
Insgesamt wurden 27 Polizisten und ein Journalist verletzt. Der NDR-Reporter wurde von einer Flasche getroffen, vermutlich von Hamburger Anhängern. Eindeutig dem Fanlager des FC St. Pauli zuzuordnen ist hingegen der Angreifer auf einen Mitarbeiter von SPIEGEL TV. Bei dem jungen Mann handelt es sich um einen der Einpeitscher, die regelmäßig bei Spielen des FC die Anhänger anheizen.
Auf dem Video ist zu sehen, wie der sogenannte "Vorsänger" auf dem Weg zum Stadion den SPIEGEL-TV-Reporter zuerst als "sensationsgeilen Bastard" beschimpft und dann mit seinem Megafon auf die Kamera schlägt.
Schon vor dem Spiel bei Hansa Rostock war in der FC-Fanszene mobilgemacht worden. So waren Aufkleber in Hamburg aufgetaucht, die in Anspielung auf das Rostocker Vereinslogo forderten: "Kogge versenken".
Zudem war beim Heimspiel des FC St. Pauli gegen Cottbus am vorvergangenen Sonntag im Millerntorstadion ein Transparent mit der Aufschrift "Alle nach Rostock - RIOT" zu sehen gewesen. Zum Aufruhr (englisch "Riot") kam es dann ja auch am Montagabend.
Heiße Diskussionen in der St.-Pauli-Fanszene
In der Fanszene des FC St. Pauli sorgen die Vorfälle inzwischen für hitzige Diskussionen. "Das hätte ein historischer Sieg werden können, so bleibt ein übler Nachgeschmack", sagte einer der Anhänger zu SPIEGEL ONLINE.
Im inoffiziellen Fanforum wird teilweise heftig gestritten. Viele User verurteilten den Teil der Anhänger, der am Montag in Rostock Krawall machte. Tenor: Wenn am Millerntor 50 Cottbus-Fans ein Bengalisches Feuer im eigenen Block zünden - wie jüngst in Hamburg geschehen, rufe das halbe Stadion "Nazis raus". In Rostock aber benehmen sich eben diese Fans dann sogar noch schlimmer. Für viele User ist dies eine "unerträgliche Doppelmoral".
Doch es gibt auch zahlreiche Postings, in denen die Aktionen ausdrücklich begrüßt wurden. Schließlich sei Rostock ein Ausnahmespiel, schreiben viele User und berufen sich auf negative persönliche Erfahrungen aus der Vergangenheit.
Makaberes Spruchband der Rostock-Fans
Ein weiterer Rechtfertigungsversuch liegt in einem Spruchband begründet, das Rostock-Fans während des Spiels zelebrierten. "Hals- und Beinbruch" war da auf einem Transparent in Blau auf Weiß zu lesen. Kurz nach dem Enthüllen des Banners wurde eine Gummipuppe aus der ersten Reihe des Oberranges fallen gelassen.
Dies war eine ebenso makabere wie geschmacklose Anspielung auf einen St.-Pauli-Fan, der am zweiten Spieltag in Aachen von einem Stadiongeländer mehrere Meter in die Tiefe gestürzt war und sich schwer verletzt hatte.
Der Hass zwischen der Hamburger und der Rostocker Fangruppe besteht seit dem ersten Aufeinandertreffen 1993, bei dem es zu massiven Übergriffen von Rostocker Neonazis auf Fans des FC St. Pauli gekommen war. Seither waren Begegnungen der beiden Nordrivalen stets von Ausschreitungen begleitet.
Angriff von mutmaßlichen Hansa-Fans in Hamburg
Im Vorfeld des diesjährigen Derbys sorgte zudem ein mysteriöser Überfall für zusätzliche Aggressionen. Am vorvergangenen Mittwoch stürmten rund 20 Personen das Treffen der St.-Pauli-Ultra-Gruppierung USP im Hamburger Karolinenviertel. Dabei attackierten die mit blau-weiß-roten Sturmhauben maskierten Männer die St.-Paulianer mit Flaschen und Steinen.
Die Polizei, die mit einem großen Aufgebot sehr schnell am Ort des Geschehens war, konnte die Hintergründe des Übergriffs bislang nicht aufklären. Für Teilnehmer der Sitzung stand hingegen schnell fest, dass es sich um eine gezielte Provokation aus Rostock handelt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat einer der Angreifer vor dem Laden seinen Personalausweis verloren. Der Ausstellungsort soll Rostock sein.
Provokation auf der Fahrt nach Rostock
Bei der Anreise der Hamburger setzten sich die Provokationen aus dem Hansa-Lager dann fort. Auf einer Autobahnbrücke auf der A20 kurz vor Rostock hatten Unbekannte in der Nacht auf Montag ein metergroßes Graffiti mit der Aufschrift "ScheiSS St. Pauli" gesprüht. Die beiden "S" erinnerten dabei stark an die "SS"-Runen.
Sowohl am Bahnhof Parkstraße, an dem Hamburger Zuschauer angekommen waren, als auch im gesamten Bereich des Ostseestadions waren zudem Hunderte Aufkleber angebracht worden. "Lauf Wessi, lauf" oder "St. Pauli vernichten", hieß es.
Auch wenn einige Rostocker im Stadion mittels Transparent ("Rivalität ja, Gewalt nein") einen Schritt in die richtige Richtung unternahmen: Für das Rückspiel ist der Ärger bereits jetzt programmiert. Ruhig bleiben dürfte es hingegen vermutlich am Freitag: Dann treffen die beiden zweiten Mannschaften der Clubs in der Regionalliga aufeinander. An diesem Tag hat das Profiteam des FC St. Pauli ein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf.
Mitarbeit: Johannes Korge
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Deutschland hat das Gewaltproblem wenn es zu Überfällen kommt. Müssen jetzt eigentlich die Raststätten Pächter eine Strafe zahlen weil sich ihre Gäste in die Wolle bekommen. Beim Fußball wird das so gehandhabt. Müssen auf [...] mehr...
Stimmt, immer die gleichen Sprüche. Von Leuten wie dir. Erzähl mal, waren das denn Fans, oder waren es Krawalltouristen? Waren es nur wenige, oder war der Großteil der 60.300 Zuschauer von gestern daran beteiligt? Populistische [...] mehr...
Randale Randale Randale.... Gestern wieder in Stuttgart, dann auf einem Rastplatz zwischen Dortmund und Bremen Fans. Einen Tag zuvor in Uerdingen und und und.... Da muss die Justiz dann auch ma eine härte Gangart einschalten [...] mehr...
Wie krank ist das den? Heute morgen kam im Radio dass Stuttgarter Fans den Mannschaftsbus von Bor. Dortmund auf einer Raststätte überfallen wollten und ihn danach noch verfolgten!!!! Was denken eigentlich solche Menschen? Was [...] mehr...
Abschreckung und Strafe. Harry, sind Sie so etwas wie der Patensohn von Herr Schily? mehr...
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