Zum Wesen einer Baustelle gehört es, dass sie Dreck macht und nervt. Es staubt, Steine und Nägel liegen herum, man stolpert über Zementsäcke oder Farbeimer. Und so richtig anstrengend sind Renovierungen dann, wenn man weiterhin dort wohnt, wo eifrig geschuftet wird. Jeder Bauherr weiß, dass dies mühselige Zeiten sind.
Auch der FC Bayern München ist im Herbst 2009 eine Baustelle, auf der an einigen Stellen nicht nur die Kabel aus der Wand hängen, sondern die Nerven blank liegen. Kaum sind hier die Maurerarbeiten abgeschlossen, stellt man ein paar Tage später dort fest, dass die gelieferten Türen nicht passen. Erst schaut man zufrieden ins frisch geflieste Bad eines Siegs im Pokal, dann gibt es in der Champions League einen Wasserrohrbruch. Die Bauherren im Vorstand schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, und Bauleiter Louis von Gaal steht unter höchstem Druck.
Selbst das ansonsten moderate Fachmagazin "Kicker" titelte am Donnerstag bereits: "Ist schon am Samstag Schluss?" Dann kommen nämlich die königsblauen Malocher von Felix Magath nach München, die als punktbestes Team auf fremden Plätzen eine echte Abbruchkolonne sind. Die Dinge spitzen sich in München also gerade zu.
Die wenigen guten Spiele entpuppten sich als einzelne fertige Wände
Seit Saisonbeginn arbeitet van Gaal daran, der Mannschaft seine Spielidee zu vermitteln. Beim 5:1-Sieg in Dortmund, beim 3:0 über Wolfsburg, eine Halbzeit lang gegen Juventus Turin und beim 4:0-Erfolg im DFB-Pokal in Frankfurt konnte man sehen, wie diese idealerweise aussieht. Es ist ein fußballerischer Stil, bei dem alle Spieler auf dem Platz richtig in Position gebracht den Ball zirkulieren lassen. Der Holländer setzt auf Ballbesitz, Zermürbung des Gegners und entscheidende Attacken. Man konnte erkennen, wie erfolgreich und attraktiv das sein kann, doch die wenigen guten Spiele entpuppten sich als einzelne fertige Wände und bedeuteten noch nicht den Abschluss der Renovierung.
Noch wankt Louis van Gaal daher nicht wirklich, vermutlich würde er sich mit seinem machomäßigen Auftreten auch bei der härtesten Bautruppe durchsetzen. Er raunzt Spieler beim Mittagessen und Journalisten bei Interviews an, dass sie sich gerade hinsetzen sollen. Die Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Selbstgefälligkeit überschreitet er weiterhin so regelmäßig, dass man seine Sympathiewerte im Kellergeschoss suchen muss. Doch nach wie vor steht außer Zweifel, dass der Mann weiß, was er will. Und es ist das, was auch die Bayern wollen.
Der FC Bayern träumt von einer sportlichen Identität
In München gibt es die Sehnsucht nach dem Umbau schon länger, sie war bereits Hintergrund der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann. Der FC Bayern träumt von einer sportlichen Identität, wie sie der FC Barcelona, der FC Arsenal haben oder früher Ajax Amsterdam hatte, als van Gaal dort noch Trainer war. Die Münchner wollen das, weil sie mit den Superreichen der Champions League nur dann ernsthaft konkurrieren können, wenn sie mehr zu bieten haben als ein Sammelsurium guter Spieler. Denn das bekommen sie in Madrid oder Mailand, Manchester oder London immer noch besser besetzt zusammen.
Zugleich verlangen Vereinsführung, Fans und Medien aber, dass Woche für Woche die Ergebnisse stimmen. Man will die Baustelle also bitteschön ohne Staub und Dreck, es soll dort weiter ein normales Leben geführt und gelegentlich rauschende Feste gefeiert werden. Das wird aber nicht funktionieren. Klar, man kann beim Bauleiter darauf drängen, dass er improvisiert und zumindest mal die Küche funktioniert. Man kann dafür sorgen, dass er sich mit Gomez oder Timoschtschuk mehr arrangiert, auch wenn sie nicht zu seinem Bauplan passen.
Doch im Prinzip gibt es zu van Gaal keine Alternative, selbst wenn eigentlich klar ist, dass erst die Mannschaft des nächsten Jahres wirklich seine Handschrift tragen wird. Denn will man wie im Vorjahr wieder mittendrin aufhören? Soll dann erneut ein Routinier wie Jupp Heynckes übernehmen? Otto Rehhagel vielleicht? Soll anschließend der dritte Umbautrainer in Folge kommen, stoppt man alle Renovierungspläne, wurschtelt sich durch und lässt den heiligen Gral Champions League ganz am Horizont verschwinden?
Dabei weiß doch jeder entnervte Bauherr: Wenn Plan und Umsetzung stimmen, ist es hinterher schöner als vorher.
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Dieser dein Augenfehler :-) fällt mir erst jetzt auf, daher muß ich leider nchmal nachtreten: Kahn lenkt diesen Ball mit der rechten Hand an den Pfosten. Wie also kann der "auch so nur an den Pfosten" gehen? [...] mehr...
ist DIE Rhetorik back! mehr...
Es geht darum, daß Mourinho im Umfeld von van Gaal das wesentliche mitbekommen hat. Mourinho ist ein cleveres Kerlchen. Die Sa war bei der Perle und hat gelernt. Und nicht wenig. Alles andere ist Rhetorik. mehr...
Ist ja einsame Klasse was vG in wenigen Monaten aus den orientierungslosen Bayern gemacht hat. Brauchen wir nicht mehr zu thematisieren. Mourinho ist ähnlich effizient mit Inter umgegangen (die Kader waren am Ausgangspunkt [...] mehr...
Mourinho war sicherlich mehr als nur der Übersetzer für Van Gaal. Er trainierte die 2. Mannschaft Barcelonas sehr erfolgreich und arbeitete mit Van Gaal auch für die 1. zusammen. Aber sicherlich ist das lange her und Mourinho, [...] mehr...
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