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07.11.2009
 

Rebellion beim FC Bayern

Attacke aus den eigenen Reihen

Von Sebastian Winter, München

Bayern-Verteidiger Lahm: Kritische Töne, schwache Leistungen
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ddp

Bayern-Verteidiger Lahm: Kritische Töne, schwache Leistungen

Der Vorstand sauer, Trainer Louis van Gaal frustriert, die Spieler rebellieren - beim FC Bayern liegen die Nerven blank, und das 1:1 gegen Schalke bringt den Rekordmeister überhaupt nicht weiter. Manager Uli Hoeneß will sich nun erst mal die Unruhestifter Philipp Lahm und Luca Toni vornehmen.

Philipp Lahm ist eigentlich ein Schnellduscher. Jedenfalls kommt der 25-Jährige üblicherweise als einer der ersten Bayern-Spieler durch die Tür zur sogenannten Mixed Zone und gibt dort ausführliche Interviews. Doch nach dem 1:1 gegen Schalke kam er nicht.

Lahm hatte ja schon der "Süddeutschen Zeitung" ein Interview gegeben, und die darin geäußerte Systemkritik hatte den Verein wohl dazu bewogen, seinem Mal-rechts-mal-links-Verteidiger ein Hintertürchen zu öffnen, irgendwo im Stadion. Damit er bloß nicht weitere Sätze sagt, die die Bayern gerade nicht gebrauchen können. Manager Uli Hoeneß jedenfalls war stinksauer. "Wir werden das kommende Woche in meinem Büro besprechen."

Vielleicht trifft Lahm dort auf Luca Toni. Der nämlich hatte nach seiner Auswechslung zur Halbzeit offenbar gar nicht geduscht, sondern war auf direktem Wege aus dem Stadion geflüchtet, in der 60. Minute.

Zeiten des Aufruhrs sind angebrochen bei den Bayern. Die Indizien hierfür liefern die Spieler, und es muss schon eine bedrohliche Stimmung im Verein herrschen, wenn sich fest angestellte Akteure nicht mehr mit der Mannschaft identifizieren oder "Eigengewächse", wie Philipp Lahm sich selbst beschreibt, einen kritischen Rundumschlag wagen. Auch wenn Lahm vielleicht nur im Sinn hatte, seinen Club aufzurütteln mit einem fiesen Nadelstich, dann war zumindest der Zeitpunkt, wie Manager Uli Hoeneß später sagte, "sehr ungünstig". Lahm, und das macht die Angelegenheit noch prekärer, hat in den vergangenen Spielen nicht gerade geglänzt im Trikot des FC Bayern.


Die Nerven flattern bei einigen Spielern. Und ihr Trainer? "Wenn wir so dominant sind gegen einen sehr guten Gegner und so viele Chancen haben, dann ist das sehr frustrierend", sagte Louis van Gaal, der seine Mannschaft wieder verändert hatte. Braafheid und Pranjic saßen diesmal auf der Bank, Müller und van Buyten kehrten zurück aufs Feld. Immerhin: Die Bayern haben sich bemüht und kein schlechtes Spiel gemacht gegen Schalke. Sie waren die bessere Mannschaft und spielten stärker als noch am Mittwoch gegen Bordeaux.

Dass Innenverteidiger Daniel van Buyten in der 31. Minute mit dem 1:0 bereits sein drittes wichtiges Bundesliga-Tor in dieser Saison machte, was man eigentlich von seinen Kollegen im Sturm erwartet, war ein positives Signal. Dass die Bayern dann aber von zwei Schalker Juniorenspielern vorgeführt werden, ist mindestens fahrlässig. Es war fast eine Kopie des Freistoßes von Bordeaux am vergangenen Dienstag, den Lukas Schmitz, 21, in der 43. Minute aus dem Halbfeld trat. Der Ball flog in den Münchner Strafraum und vom Hinterkopf des 1,93 Meter großen Joel Matip ins Tor. Es war das erste Bundesliga-Spiel für den 18-Jährigen.

Wenig überzeugend auf Platz acht

Alle Zahlen sprachen für die Bayern: 15:5 Torschüsse, 9:5 Ecken, 61 Prozent Ballbesitz. Doch was helfen diese Statistiken, die in ähnlicher Ausführung auch in den vergangenen Wochen nach fast jedem Bayern-Spiel auftauchten, wenn am Ende zwei Punkte zu wenig auf dem Papier stehen? Wenn die Bayern nur in zwei von zwölf Bundesliga-Spielen richtig überzeugen und diese schon sehr lange zurück liegen? Das 5:1 in Dortmund datiert vom 29. August, das 3:0 gegen Wolfsburg vom 12. September. Danach: 2:1, 0:1, 0:0, 2:1, 2:1, 0:0, 1:1. Begeistert haben diese Spiele die Bayern-Anhänger nicht zurückgelassen, eher ernüchtert.

So auch jetzt: Nach dem Unentschieden gegen Schalke sind die Bayern auf Platz acht zurückgefallen, mit sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen. Sie sind so schlecht wie seit 15 Jahren nicht mehr in die Saison gestartet. Die Unruhe war schon in dieser Woche spürbar, als Manager Hoeneß vor dem Bordeaux-Spiel von Nervosität sprach und Präsident Franz Beckenbauer nach dem Spiel davon, dass man dem Trainer zumindest bis zur Winterpause Zeit geben müsse. In der Bundesliga werden bis dahin noch sechs Spiele absolviert, in zwei Wochen ist ausgerechnet Leverkusen zu Gast bei den Bayern. Dessen Trainer Jupp Heynckes war im Frühjahr erfolgreicher Feuerwehrmann bei den Bayern - und könnte seinen Nachfolger van Gaal endgültig zum Verlierer machen.

Frustrierter Trainer, unzufriedene Fans

Die Zeilen des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in der Vereinszeitung sollten Hoffnung ausdrücken, nun wandern sie in den Reißwolf. "Ich hoffe, dass wir gegen Schalke erfolgreich sein werden und den Abstand zur Tabellenspitze, wie in den letzten Wochen, weiterhin verringern können", hatte Rummenigge geschrieben.

Der Abstand hat sich vergrößert. Die Wahrscheinlichkeit, in die K.o.-Phase der Champions League zu kommen, ist nur noch gering. Die Unzufriedenheit der Fans wird von Spiel zu Spiel spürbarer. Der Trainer ist frustriert. Und doch scheint die Vereinsführung noch nicht bereit für einen Wechsel. Das gehe ihm alles zu schnell, sagte Manager Hoeneß.

Deutlichere Worte fand er zur Causa Philipp Lahm. "Das wird er noch bedauern", hatte Hoeneß über dessen Interview gesagt. Man muss nun ein wenig bangen vor der kommenden Woche, in der Manager das Münchner Eigengewächs in seinem Büro an der Säbener Straße empfängt. Und wohl zum Pflänzchen macht. Am Mittwoch hat Lahm Geburtstag, er wird 26. Rücksicht darf der Nationalspieler dennoch nicht erwarten von den Bayern, die gerade in diesen herbstlichen Zeiten keinen Aufruhr dulden.

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