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10.11.2009
 

Fußball

Nationaltorwart Enke nimmt sich das Leben

Foto: imago

Robert Enke ist tot. Wie sein Berater bestätigte, beging der Nationaltorwart an einem Bahnübergang bei Hannover Selbstmord. Der 32-Jährige hatte vor drei Jahren seine Tochter verloren. Enkes Umfeld reagierte fassungslos und schockiert.

Hamburg - Deutschland trauert um einen der besten Bundesliga-Torhüter. "Ich kann bestätigen, dass es sich um Selbstmord handelte. Robert hat sich um kurz vor sechs Uhr das Leben genommen", sagte Enkes Berater und Freund Jörg Neblung. Weitere Einzelheiten werde man am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilen, so Neblung weiter.

Der DFB-Nationaltorwart starb den Angaben zufolge an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese. "Es hat einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang gegeben", sagte Stefan Wittke, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion Hannover. Wittke erklärte, dass alles auf eine Selbsttötung hingewiesen habe. Demnach habe Enke sein Auto etwa zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt. Anschließend muss er mehrere hundert Meter an den Schienen entlanggegangen sein, bevor er von dem aus Richtung Bremen kommenden Regionalzug erfasst wurde.


Enke hinterlässt seine Ehefrau Teresa und eine acht Monate alte Tochter. Das Paar hatte das Mädchen im Mai adoptiert. Die leibliche Tochter Lara, die mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, starb 2006 im Alter von zwei Jahren. Die Adoption schien den Enkes neuen Halt zu geben. "Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist", sagten sie damals in einer offiziellen Stellungnahme.

Jetzt setzte Enke mit 32 Jahren seinem Leben plötzlich ein Ende.

Es ist vor allem Fassungslosigkeit, die sich durch alle Reaktionen auf die schockierende Nachricht zieht. "Wir sind voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Teammanager Oliver Bierhoff erklärte: "Wir sind alle schockiert, uns fehlen die Worte." Ob die Nationalmannschaft ihr Spiel am Samstag in Köln gegen Chile bestreitet, ist noch unklar.

Schockiert und fassungslos

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Franz Beckenbauer sagte, er sei "unendlich traurig. Wenn man eine solche Nachricht bekommt, werden alle anderen Probleme ganz klein." Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ließ sich mit den Worten zitieren: "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn." Auch Michael Vesper, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes, war tief erschüttert. "Das ist eine Tragödie", so Vesper.

"Ich bin fassungslos. Unser Mitgefühl gilt vor allem Roberts Frau und der kleinen Tochter. Wir werden versuchen, sie in dieser schweren Zeit zu unterstützen", sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke. Die neue Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, zeigte sich "zutiefst erschüttert" über den Tod des Nationaltorwarts. "Er war ein solcher Sympathieträger", sagte die Landesbischöfin von Hannover am Dienstagabend. "Uns alle hat gerührt, wie er mit seiner kleinen kranken Tochter und ihrem Tod umgegangen ist." Sie bete für seine Frau und ihr kleines Adoptivkind, sagte die Bischöfin: "Möge Gott Ihnen Kraft geben in dieser so schweren Zeit. Wir werden Robert Enke vermissen in Hannover." Mit seinem sportlichen Engagement, aber auch seinem Einsatz für Tiere habe er viele Herzen erreicht.

Wechselhafte Karriere

Zuletzt hatte Enke nach einer rätselhaften Viruserkrankung und neun Spielen Pause sein Comeback in der Bundesliga gegeben. "Das war eine verdammt lange Zeit, fast ein Viertel der Saison. Aber es war von der ersten Sekunde an wieder ein gutes Gefühl", hatte Enke damals gesagt. Der Torwart galt bis zu dieser Erkrankung als Favorit für den Posten des Stammtorwarts in der Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika.

Sportlich war es nicht der erste Rückschlag für den in Jena geborenen Enke. Der hochtalentierte Keeper, der mit 18 Jahren bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga debütierte, avancierte zunächst bei Benfica Lissabon unter Trainer Jupp Heynckes zum Führungsspieler und wurde 1999 vom damaligen Nationalcoach Erich Ribbeck für den Confederations Cup in Mexiko ins DFB-Team berufen.

Doch beim FC Barcelona folgte 2002 der erste große Knick. Enke konnte sich nicht durchsetzen, bald wechselte er zu Fenerbahce Istanbul. In der Türkei setzte sich der Absturz fort. Von den Fans beschimpft, löste er seinen Vertrag auf und verzichtete damit auf sehr viel Geld. Über den Umweg Teneriffa wechselte der Torwart dann nach Hannover - und wurde in einem Umfeld, das ihn verehrte, wieder zum Nationalspieler.

Trauernde Fans

Vor der Geschäftsstelle des Bundesligisten und am Todesort versammelten sich am späten Abend Hunderte Fans, Spieler und Weggefährten. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Aus Teelichtern wurde eine 96 geformt.

Auch in Spanien löste die Botschaft vom Tod Enkes Bestürzung aus. Barcelona gedachte des Verstorbenen vor dem Pokalspiel gegen den Drittligisten Cultural Leonesa im Stadion Nou Camp mit einer Schweigeminute. Im Hintergrund wurde klassische Musik eingespielt, die Spieler senkten die Köpfe.

goe/dpa/sid/AP

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11.11.2009 von Cjamango: Erste Steine

Ich kann es nachvollziehen, wenn neben den Belangen des Herrn Enke auch die seelische Belastung Beachtung findet, die durch seinen Akt anderen Leuten zugemutet worden ist. Eine Selbsttötung ist für mich immer die Konsequenz aus [...] mehr...

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