Von Mike Glindmeier
Freundlichkeit war eine seiner vielen Stärken. "Seit wann duzen wir uns?", erwiderte Enke einmal auf dem Trainingsplatz einem achtjährigen Grünschnabel, der den Torhüter nach einem Training von Hannover 96 mit den Worten "Unterschreib mal bitte hier!" um ein Autogramm bat. SPIEGEL-ONLINE-Autor Christoph Ruf wurde Zeuge dieser Szene. Er hatte an diesem Tag im August 2008 einen Interviewtermin mit Enke und schaute sich vorher das Training an.
"Wahnsinn, wie konzentriert Enke bei der Sache war und die unmöglichsten Dinger rausgeholt hat", erinnert sich Ruf, der im Anschluss an die Übungseinheit auf dem Ledersofa vor der Mixed Zone in der 96-Arena über eine Stunde mit dem früheren Nationaltorhüter sprach. Enke sei ausgesprochen höflich gewesen und habe ihm gleich zu Beginn des Interviews das Du angeboten. Danach habe sich ein Gespräch entwickelt, das zu den angenehmen Ausnahmen im Interview-Alltag eines Journalisten gehörte, so Ruf, der Enke auch später in regelmäßigen Abständen traf.
"Darüber würde ich nie öffentlich reden", antwortete Enke damals auf die Frage, was im Konkurrenzkampf mit Leverkusens René Adler um den Posten im Tor der DFB-Elf für ihn spreche. "Das Thema Fairness war Enke in diesem Gespräch sehr wichtig", erinnert sich Ruf. Angesprochen darauf, dass sich Jens Lehmann und Oliver Kahn jahrelang auch verbal bekämpft hätten, kündigte Enke ganz nebenbei einen neuen Umgangsstil an: "Diese Zeiten sind vorbei. Ich finde es wichtig, dass man mit der Konkurrenzsituation vernünftig umgeht."
Zur gleichen Zeit sprach er auch mit dem Fußballmagazin "11 Freunde" über sportliche Krisen: "Das Tal, das ich durchschritten habe, war ein sehr tiefes. Das war keine Krise, wie sie jeder Torwart mal erlebt, wenn er fünf- oder sechsmal danebengreift. Es hatte etwas Existentielles", so Enke im November 2008. Der "Frankfurter Rundschau" sagte er vor einiger Zeit mit Blick auf die Licht- und Schattenseiten seines Lebens: "Deshalb würde ich mich nicht als Pechvogel bezeichnen. Es gab Phasen in meinem Leben, in denen alles von alleine gelaufen ist, in denen meine Frau und ich glücklich und unbeschwert waren."
Eine Szene ist SPIEGEL-ONLINE-Autor Ruf ganz besonders in Erinnerung geblieben: Enke habe nach dem Training alle Autogrammwünsche geduldig erfüllt und selbst den duzenden Grünschnabel sehr höflich gekontert. "Dann hat ein anderer Junge gefragt, was da denn auf Enkes Unterarm tätowiert sei", erinnert sich Ruf. "Das ist der Name meiner Tochter Lara", hatte Enke geantwortet. Mit der für ihn so typischen Freundlichkeit.
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Dem kann ich nur voll zustimmen. Und noch eins: Jeder hat ein Recht auf seine Trauer. Von Frau Enke bis zum letzten Fan. Und wie berechtigt dies sei oder wie intensiv oder aus welcher Motivation heraus diese erlebt wird, ist [...] mehr...
Ob es der Robert so gewollt hätte ist erst mal Egal. Es war der Wunsch seiner Frau, die Ihren Mann wohl besser kannte als alle anderen. Und der Wunsch der Frau ist Kommentarlos zu repektieren!!! Und diejenigendie Trauerfeier [...] mehr...
Danke für diesen Beitrag. Ich habe die Trauerfeier am TV verfolgt. Vorab hatte ich auch ein ungutes Gefühl ob eventueller Entgleisungen. Diese Befürchtung war unbegründet. Die Entscheidung der Familie und des Vereins, diese Form [...] mehr...
Erstaunlich, wieviele Menschen hier im Forum sich äußern, die Zugführer kennen, die wie verzweifelt in einem Käfig hin und her laufen. Und wieviele schon oft an zerfetzten Leichen vorbeigefahren sind. Wem wollen Sie den Ihren [...] mehr...
Ich schliesse mich diesem Beitrag an. mehr...
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