Mittwoch, 10. Februar 2010

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11.11.2009
 

Enke über Enke

"Man kann das Leben nicht ändern"

Von Mike Glindmeier

Robert Enke: "Darüber würde ich nie öffentlich reden"
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AP

Robert Enke: "Darüber würde ich nie öffentlich reden"

Robert Enke gehörte nicht zu den Lautrednern unter den Torhütern. In seinen Interviews gab er sich stets selbstkritisch, bescheiden - und manchmal sehr nachdenklich. SPIEGEL ONLINE dokumentiert, was der Nationalspieler über sich selbst sagte.

Freundlichkeit war eine seiner vielen Stärken. "Seit wann duzen wir uns?", erwiderte Enke einmal auf dem Trainingsplatz einem achtjährigen Grünschnabel, der den Torhüter nach einem Training von Hannover 96 mit den Worten "Unterschreib mal bitte hier!" um ein Autogramm bat. SPIEGEL-ONLINE-Autor Christoph Ruf wurde Zeuge dieser Szene. Er hatte an diesem Tag im August 2008 einen Interviewtermin mit Enke und schaute sich vorher das Training an.

"Wahnsinn, wie konzentriert Enke bei der Sache war und die unmöglichsten Dinger rausgeholt hat", erinnert sich Ruf, der im Anschluss an die Übungseinheit auf dem Ledersofa vor der Mixed Zone in der 96-Arena über eine Stunde mit dem früheren Nationaltorhüter sprach. Enke sei ausgesprochen höflich gewesen und habe ihm gleich zu Beginn des Interviews das Du angeboten. Danach habe sich ein Gespräch entwickelt, das zu den angenehmen Ausnahmen im Interview-Alltag eines Journalisten gehörte, so Ruf, der Enke auch später in regelmäßigen Abständen traf.

"Darüber würde ich nie öffentlich reden", antwortete Enke damals auf die Frage, was im Konkurrenzkampf mit Leverkusens René Adler um den Posten im Tor der DFB-Elf für ihn spreche. "Das Thema Fairness war Enke in diesem Gespräch sehr wichtig", erinnert sich Ruf. Angesprochen darauf, dass sich Jens Lehmann und Oliver Kahn jahrelang auch verbal bekämpft hätten, kündigte Enke ganz nebenbei einen neuen Umgangsstil an: "Diese Zeiten sind vorbei. Ich finde es wichtig, dass man mit der Konkurrenzsituation vernünftig umgeht."

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Ruf erinnert sich, dass Enke an diesem Tag "sehr reflektiert und ernst, aber keineswegs trübsinnig wirkte". Auch in anderen Interviews findet man Beispiele für Enkes Ernsthaftigkeit. "Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern", hatte Enke im Dezember 2008 der "Bild"-Zeitung gesagt. "Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt."

Zur gleichen Zeit sprach er auch mit dem Fußballmagazin "11 Freunde" über sportliche Krisen: "Das Tal, das ich durchschritten habe, war ein sehr tiefes. Das war keine Krise, wie sie jeder Torwart mal erlebt, wenn er fünf- oder sechsmal danebengreift. Es hatte etwas Existentielles", so Enke im November 2008. Der "Frankfurter Rundschau" sagte er vor einiger Zeit mit Blick auf die Licht- und Schattenseiten seines Lebens: "Deshalb würde ich mich nicht als Pechvogel bezeichnen. Es gab Phasen in meinem Leben, in denen alles von alleine gelaufen ist, in denen meine Frau und ich glücklich und unbeschwert waren."


In einem seiner letzten Interviews, das Enke am 25. September der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" gab, klang der Torhüter zuversichtlich. "Wenn ich mir überlege, was mir zu gewissen Zeitpunkten meiner Karriere widerfahren ist: Da hätte nicht jeder daran geglaubt, dass ich mal wieder Nationalspieler werden würde. Wichtig ist, was man aus der jeweiligen Situation lernt. Auch dann, wenn sie sich negativ darstellt. Das Positive zu sehen kommt meist etwas später."

Eine Szene ist SPIEGEL-ONLINE-Autor Ruf ganz besonders in Erinnerung geblieben: Enke habe nach dem Training alle Autogrammwünsche geduldig erfüllt und selbst den duzenden Grünschnabel sehr höflich gekontert. "Dann hat ein anderer Junge gefragt, was da denn auf Enkes Unterarm tätowiert sei", erinnert sich Ruf. "Das ist der Name meiner Tochter Lara", hatte Enke geantwortet. Mit der für ihn so typischen Freundlichkeit.

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