Samstag, 21. November 2009

Sport



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11.11.2009
 

Selbstmord

Enkes Witwe spricht über Depressionen ihres Mannes

Foto: DDP

Mehrere Monate lang war Nationaltorwart Robert Enke wegen Depressionen in Behandlung. Das hat sein Arzt jetzt bestätigt. Auf der Pressekonferenz von Hannover 96 sprach Enkes Witwe Teresa offen über die Ängste ihres Mannes, der sich am Dienstag das Leben genommen hat.

Hamburg/Hannover - "Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten, mit Liebe geht das. Aber manchmal schafft man doch nicht alles", sagte Enkes Witwe Teresa auf der Pressekonferenz des Vereins zum Suizid von Robert Enke. Enke habe seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußball-Profi nicht zu gefährden. "Ich habe versucht, für ihn da zu sein", sagte Teresa Enke. Die junge Frau, ganz in Schwarz gekleidet, saß auf dem Podium mit dem Pressesprecher von Hannover 96.


2006 war die herzkranke Tochter Lara im Alter von zwei Jahren gestorben. Robert Enke habe große Sorge gehabt, aufgrund seiner Erkrankung das Sorgerecht für die im Mai adoptierte Leila zu verlieren. "Die Angst auch, dass man Leila verliert, wenn man einen depressiven Vater hat", sagte Teresa Enke mit stockender Stimme. Sie habe ihrem Mann immer versucht, die Angst zu nehmen, aber das sei nicht gelungen, sagte sie über die immer wiederkehrenden depressiven Phasen.

TERESA ENKE ÜBER IHREN VERSTORBENEN MANN ROBERT

Klicken Sie auf die Titel, um die Erklärungen von Teresa Enke im Wortlaut zu lesen

Akute Depressionsschübe

Trauer nach dem Tod der Tochter

Enkes Verhältnis zum Fußball

Angst vor dem Verlust des Adoptivkindes

Perspektiven abseits des Sports

"Ein Selbstmord zeichnete sich meiner Ansicht nach nicht ab", sagte sein langjähriger Arzt Valentin Markser. "Es gab keine Indikation für eine mögliche Zwangseinweisung." Auch Teresa Enke hatte in den vergangenen Wochen keinerlei Hinweise, die auf diese tragische Entwicklung hindeuteten. "Ich habe stets versucht, ihm Perspektive und Hoffnung zu geben. Fußball war sein Ein und Alles", sagte Teresa Enke. Die Mannschaft und das Team habe ihrem Mann großen Halt gegeben.

Der Kölner Mediziner sagte, er habe den Fußballer erstmals 2003 in seiner Praxis behandelt, als Enke bei seinen Engagements im Ausland unter Versagensängsten gelitten habe. Enkes Zustand habe sich dann stabilisiert. Anfang Oktober habe sich der Sportler wieder bei ihm gemeldet, weil er im Zuge einer Infektion zunehmend in eine Krise geraten sei. Enke pausierte insgesamt neun Wochen und war erst am vergangenen Spieltag ins Tor von Hannover 96 zurückgekehrt.

In seinem Abschiedsbrief bei Angehörigen und Ärzten entschuldigt

Enke habe es abgelehnt, sich in stationäre Behandlung zu begeben. Noch am Tag seines Selbstmords habe er sich so gegenüber dem Chefarzt einer Klinik geäußert. In seinem Abschiedsbrief habe Enke sich bei Angehörigen und Ärzten dafür entschuldigt, dass er sie über seinen wahren Zustand getäuscht habe.

Enkes Verein Hannover 96 stellte es seinen Spielern frei, das Training bis zum Wochenende zu besuchen. Die Mannschaft werde in den kommenden Tagen nur "individuelles Training" absolvieren und erst ab Montag in den geregelten Übungsbetrieb zurückkehren, erklärte die Clubführung.


jul/jar/sid/dpa/AP

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DEPRESSIONEN

Krankheit und Verbreitung

Depressionen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Nach epidemiologischen Studien erkranken etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Depression. Gemeint sind damit nicht leichte Verstimmungen, sondern Depressionen, die behandelt werden müssen.

Geschieht dies nicht, können die Folgen dramatisch sein: Depressionen zählen in Deutschland zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit und werden für die Mehrzahl der rund zehntausend jährlichen Suizide verantwortlich gemacht.

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