Sonntag, 22. November 2009

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14.11.2009
 

Robert Enkes Vater

"Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen"

Verstorbener Enke: Immer wieder kam es zu Krisen
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dpa

Verstorbener Enke: Immer wieder kam es zu Krisen

Robert Enkes Selbstmord hat Deutschland erschüttert. Vater Dirk Enke spricht im SPIEGEL über mögliche Gründe für den Suizid: Sein Sohn habe unter permanenter Versagensangst gelitten - nicht erst seit dem Weggang aus Barcelona, sondern bereits im Jugendalter.

Hamburg - Der Vater des verstorbenen Nationaltorwarts Robert Enke glaubt, dass Ängste die Depression seines Sohnes ausgelöst haben. Dirk Enke, promovierter Psychotherapeut aus Jena, sagte dem SPIEGEL: "Ich bin der Meinung, dass das keine von innen entstandene, angelegte Krankheit gewesen sein kann, sondern eine, die aus den Lebensumständen heraus entstanden ist. Eine ganz große Rolle hat die Angst gespielt."

Die Angst hat sich bei Robert Enke laut seinem Vater bereits im Jugendalter entwickelt, nicht erst 2003, als Enke zuerst den FC Barcelona, danach Fenerbahçe Istanbul verließ und arbeitslos wurde. Als großes Fußballtalent war der Torhüter oft in höhere Altersklassen eingestuft worden. "Schon dabei kam es immer wieder zu Krisen. Weil er Angst hatte, nicht mit den Älteren mithalten zu können. Er hat es sich nicht zugetraut. Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen", sagt Dirk Enke.

Waren die Depressionen besonders stark, dann konnte Robert Enke kaum als Fußballprofi arbeiten. Dirk Enke: "In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor geschossen würde. Er hatte Anfälle, wollte nicht zum Training, konnte sich nicht vorstellen, im Tor zu stehen. Er war so verzweifelt, einmal hat er gefragt: Sag mal, Papa, nimmst du mir das übel, wenn ich mit dem Fußball aufhöre? Ich sagte: Robert, das ist doch nicht das Wichtigste, um Gottes Willen."


Mehrfach suchte Dirk Enke das Gespräch mit seinem kranken Sohn, doch der habe abgeblockt. "Es geht mir darum zu verstehen, warum es zu so einer Mauer kam. Zu so einer Verschlossenheit. Robert hat die anderen ganz intensiv im Glauben gehalten, dass alles gut ist. Ich habe ihm sehr oft angeboten: Komm, wir reden mal, als Vater und Sohn. Ich wollte nicht mit ihm als Fachmann reden. Vielleicht dachte er: Der Alte kennt sich aus und steigt vielleicht dahinter, wovor ich Angst habe. Robert hatte ja eine Ahnung: Da stimmt etwas nicht in meinem Leben."

Noch eineinhalb Wochen vor dem Selbstmord kam Dirk Enke in Hannover vorbei, um über Roberts Zustand zu reden, wieder verweigerte der das Gespräch. Vor wenigen Wochen hatte sich Dirk Enke dafür ausgesprochen, dass der Sohn sich stationär behandeln lässt. "Er war immer mal wieder kurz vor diesem Schritt, sich einweisen zu lassen, dann sagte er wieder: Wenn ich in der psychiatrischen Klinik behandelt werde, dann ist es aus mit meinem Fußball. Das ist das Einzige, was ich kann und will und gerne mache."

"Ich habe das nicht mitgekriegt, ich bin daran schuld"

Keine Rolle jedoch habe es bei Robert Enkes Selbstmord gespielt, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw nicht für die geplanten Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste berufen habe. "Ein wichtiges Anliegen ist mir, Herrn Löw von der Frage zu entlasten: 'Was wäre, wenn ich ihn nominiert hätte?' Ich glaube, dass Robert das in Ordnung fand, weil er neun Wochen raus war."

Der Tod der herzkranken Tochter Lara vor drei Jahren hat Robert Enke noch stärker belastet, als bislang zu erkennen war. "Nach der Gehör-Operation kam Robert vom Spiel, fuhr in die Klinik, schläft abends neben der Kleinen alleine ein. Am nächsten Morgen wird er von dem Gerüttel und Geschüttel der Krankenschwestern wach, die die Kleine wiederbeleben wollen. Er lag daneben. Was ihm zuerst durch den Kopf ging, war: Ich habe das nicht mitgekriegt, ich bin daran schuld." Das Krankenhauspersonal versicherte Robert Enke, er habe den Tod nicht verhindern können. "Aber da kam nochmal ein Versagenserlebnis dazu. Er hat ganz lange gebraucht, davon loszukommen", sagt Dirk Enke.


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