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19.11.2009
 

Remis gegen Elfenbeinküste

Zwischen Trauer und Tagesgeschäft

Von Christian Gödecke, Gelsenkirchen

Deutschland vs. Elfenbeinküste: Lücke für Enke, Tore von Podolski
Fotos
AP

Ein Schritt in Richtung Normalität nach dem Tod von Robert Enke sollte das Match gegen die Elfenbeinküste für die deutschen Nationalspieler sein. Doch die Verunsicherung war nicht wegzuspielen. Bundestrainer Löw lobte die Mannschaft trotzdem - vor allem für ihre Moral.

Einmal noch "You'll never walk alone" hören, diese universelle Hymne des Fußballs. Einmal noch die Bilder von Robert Enke auf dem Videowürfel in der Schalker Arena. Einmal noch schweigend gedenken. Die deutschen Nationalspieler stehen unten auf dem Rasen, die Hände auf den Schultern des Nachbarn, auf der Ersatzbank liegt Enkes Trikot. Mit der Nummer eins.

Einmal noch trauern.

Das Spiel gegen die Elfenbeinküste in Gelsenkirchen ist Ende und Anfang. Das Spiel ist eine psychische Belastung für die Nationalspieler, und doch erhoffen sich alle eine befreiende Wirkung. Kann das funktionieren? Große Unsicherheit war in den Tagen zuvor zu spüren gewesen. "Was bringt dieses Spiel, wir wissen es nicht", sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Ein 2:2 wurde es, ein kurzweiliges Unentschieden mit vielen Toren und vielen Fehlern, und hinterher fragt man sich, ob man dieses so schwer beladene Spiel überhaupt mit normalen Maßstäben messen darf. Wie objektiv sind sportliche Erkenntnisse, wenn sie in einem solchen Spiel gewonnen werden?

Joachim Löw steht erst im Studio der ARD, dann sitzt er vor den Journalisten im Presseraum, und beide Male spricht er von diesem "Spagat". Der Bundestrainer hat eine "sehr starke erste Halbzeit" gesehen, schnelles Umschalten, Dominanz, eine verdiente Führung. Er hat eine zweite Hälfte beobachtet, in der die Kontrolle verloren ging, "der Rhythmus". Doch der Spagat zwischen Trauer und Tagesgeschäft weicht die Analyse auf. Relativiert sie.

Löw ist nicht der einzige Hin- und Hergerissene nach dem Spiel. "Es war schwer heute", berichtet Philipp Lahm. Man hat es seinem Spiel angemerkt: mitunter orientierungslos, mit vielen Fehlern in der Spieleröffnung, mit defensiven Schwächen. "Nach dem Video, das von Robert eingeblendet wurde, war uns allen schon noch mulmig. Danach hat man gesehen, dass sein Tod noch in uns steckt, aber ich glaube, wir haben es ganz gut gemeistert." Das sagte Per Mertesacker, der sich vor dem 1:2 von Seydou Doumbia verladen ließ.

Es ist nicht leicht, in einem einzigen Spiel in die Normalität zurückzufinden.

Zumal gegen diesen Gegner. Die Elfenbeinküste hat sich genauso souverän für die WM-Endrunde in Süfafrika qualifiziert wie die deutsche Mannschaft. Sie gilt als beste des Kontinents, mit Spielern, die als Profis in den größten Ligen der Welt ihr Geld verdienen. Gegen Deutschland kontrollierten die Tourés, Tiotés oder Eboués das Spiel in der zweiten Halbzeit, schossen zwei Tore, gingen in Führung, sahen wie der verdiente Sieger aus - und das alles ohne ihren verletzten Weltstar Didier Drogba vom FC Chelsea.

Der späte Ausgleich durch Lukas Podolskis zweiten Treffer war deshalb vor allem schmeichelhaft für Deutschland.

Vahid Halilhodzic, dieser knurrige Trainer der Ivorer, war deshalb nach dem Spiel sichtlich angefressen. Enttäuscht und sauer sei er, erklärte Halilhodzic, "auf mich. Ich war nicht richtig auf der Höhe und hätte zwei Minuten vorher wechseln sollen". Insgesamt sah der Bosnier aber ein verdientes Unentschieden. "Deutschland war in der ersten Halbzeit besser, wir in der zweiten, auch wenn wir durchaus das dritte Tor hätten machen können." Mindestens ein Elfmeter war der Elfenbeinküste verwehrt worden.

Joachim Löw legte nach dem Spiel andere Maßstäbe an. Er sah zu Recht eine engagierte deutsche Mannschaft, er sah den Willen, das Bemühen und in der ersten Halbzeit auch ansehnliche Spielzüge. "Man hat gesehen, dass sie das Spiel angenommen hat und gewinnen wollte. Mein Urteil fällt positiv aus", sagte Löw. Und warum auch nicht: Stefan Kießling machte sich durch Präsenz, Spielfreude und viel Laufarbeit zur Alternative für die WM. Und Lukas Podolski zeigte einmal mehr, dass es ihm in Köln nicht an Klasse fehlt, sondern einfach an der Qualität der Mitspieler.

Das Spiel gegen die Elfenbeinküste sollte ein erster Schritt Richtung Normalität sein. Die Normalität vor dem Tod von Robert Enke war eine deutsche Nationalmannschaft, die wichtige Duelle wie die in der WM-Qualifikation gegen Russland gewann. Unbedeutende Spiele hingegen wurden entweder verloren (gegen Norwegen) - oder endeten nach einem späten Ausgleichstreffer von Lukas Podolski unentschieden (gegen Finnland).

Wenn man so will, war der Schritt Richtung Normalität also erfolgreich.

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Die neuesten Beiträge:
03.12.2009 von Locutus:

Wobei ich bei Poldi das Gefühl habe, der weiß dass er nicht der hellste ist. Und immerhin spult er ab und zu gegenüber bescheuerten Reporterfragen nicht eine Standard-Floskel ab, weil er nicht versteht was sein Gegenüber [...] mehr...

02.12.2009 von Brieli:

Na - den CR mit Poldi zu vergleichen ist ja auch unfair. Sie wissen schon: "Der Einäugige unter den Blinden". Aber über die Intelligenz von CR mag ich mir kein Urteil erlauben, da ich die Interviews nicht direkt [...] mehr...

02.12.2009 von pst:

gute Analyse, Dylan! Ich schätze CR als ein mittelintelligenter Mensch, zwar kein Genie (nur im Fussball natürlich!), aber auch kein "Doofi"... was er sagt, ist gut überlegt und macht Sinn, eine gewisse Intelligenz hat [...] mehr...

02.12.2009 von Monark:

Ach, das mit dem Alibi glaube ich nicht. In zwei Wochen spricht außer JBK niemand mehr über das Thema Enke. Hätte, wäre, wenn ... So ist das nun mal im Fußball. Ich glaube schon, dass sich Schiedsrichter-Fehlentscheidungen auf [...] mehr...

19.11.2009 von Tarja13:

Lasst doch den Enke einfach beiseite, wenn Ihr es nicht rafft, dass es seinen Teamkollegen in der NA auch um die Geste an sich ging. Leuchtet ja auch ein, dass man nach dem Selbstmord eines Teamkollegen nicht einfach zur [...] mehr...

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Qualifikations-Playoffs zur WM 2010

In den Playoff-Spielen wurden die letzten vier europäischen Startplätze für die WM 2010 in Südafrika vergeben. Zudem wurden in Entscheidungsspielen noch je ein Teilnehmer aus Südamerika/Nord- und Mittelamerika sowie aus Afrika ermittelt. Als letztes Team qualifizierte sich Uruguay.

EUROPA
Ukraine - Griechenland 0:1 / 0:0
Bosnien-Herzegowina - Portugal 0:1 /0:1
Slowenien - Russland 1:0 / 1:2
Frankreich - Irland 1:1 n.V. / 1:0

SÜDAMERIKA/NORD- UND MITTELAMERIKA
Uruguay - Costa Rica 1:1 / 1:0

AFRIKA
Ägypten - Algerien 0:1

Teilnehmer WM 2010

Diese 32 Länder haben sich für die WM 2010 qualifiziert. Gastgeber Südafrika war gesetzt.

AFRIKA (6)
Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria und Südafrika

ASIEN (4)
Australien, Japan, Nord- und Südkorea

EUROPA (13)
Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien und Spanien

NORD-/MITTELAMERIKA (3)
Honduras, Mexiko und USA

OZEANIEN (1)
Neuseeland

SÜDAMERIKA (5)
Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay






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