Die Chronologie des Hoyzer-Skandals
Robert Hoyzer, geboren 1979 in Berlin, war als ehemaliger Schiedsrichter eine der Hauptpersonen im Fußball-Wettskandal 2005. Wegen Manipulation von Fußballspielen wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt und vom DFB lebenslänglich gesperrt.
19. Januar: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erhält einen
Hinweis, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin Spiele
manipuliert hat, um daraus Geldvorteile zu ziehen. Aufgrund dieser
Hinweise leitet der Kontrollausschuss des DFB Ermittlungen gegen
Hoyzer ein.
21. Januar: Eine vom Vorsitzenden des DFB-Kontrollausschusses,
Horst Hilpert, anberaumte Vernehmung in der Frankfurter
DFB-Zentrale endet damit, dass Hoyzer nach Ansicht des DFB seinen
Austritt aus dem Verein Hertha BSC Berlin erklärt hat und damit
nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Im Gespräch
mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses,
bestreitet Hoyzer die Manipulationsvorwürfe.
22. Januar: Der DFB gibt bekannt, dass der Kontrollausschuss
Ermittlungen gegen Hoyzer aufgenommen hat. Der Verdacht der
Beeinflussung der Spielergebnisse bezieht sich unter anderem auf
das DFB-Vereinspokal-Spiel der ersten Runde zwischen dem SC
Paderborn und dem Hamburger SV.
23. Januar: Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger
spricht erstmals von Betrug. Zudem erklärt er, dass Zeugen aus dem
Bereich des Schiedsrichterwesens den DFB auf das Verhalten Hoyzers
aufmerksam gemacht haben.
24. Januar: Erstmals meldet sich Hoyzer zu Wort und erklärt,
er habe nie auf von ihm geleitete Spiele gewettet. Die
Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt Vorermittlungen auf.
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder fordert ein völliges
Wettverbot für Spieler, Schiedsrichter und Club-Verantwortliche. Der
Hamburger SV legt Protest gegen die Wertung des Pokalspiels beim SC
Paderborn ein. Erwin Horak, Oddset-Chef, schließt Regressansprüche
gegen Robert Hoyzer nicht aus.
25. Januar: Es wird bekannt, dass die vier Schiedsrichter
Lutz-Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix
Zwayer dem DFB den entscheidenden Tipp im "Fall Hoyzer" gegeben
haben. Hoyzer bekräftigt, er habe nicht betrogen. Schiedsrichter
Felix Zwayer bestätigt, dass es vor dem Zweitligaspiel Rot-Weiß
Essen - 1. FC Köln (2:2) dazu aufgefordert worden war, mit seinen
Entscheidungen Einfluss auf die Partie zu nehmen.
26. Januar: Der DFB erstattet Anzeige gegen Robert Hoyzer.
Dieser soll lauf Medienberichten Kontakte zu den möglichen
kroatischen Drahtziehern des Wettskandals unterhalten haben.
Arminia Bielefelds Manager Thomas von Heesen bringt Schiedsrichter
Dominik Marks in die Schusslinie. Beim Regionalliga-Spiel zwischen
den Amateuren der Ostwestfalen bei Hertha BSC Berlin soll unter der
Leitung von Marks zu auffälligen Entscheidungen gekommen sein.
Marks bestreitet die Vorwürfe.
27. Januar: Robert Hoyzer gesteht die gegen ihn erhobenen
Manipulationsvorwürfe. Zudem sagt er, dass in die Affäre noch viele
andere Leute verstrickt seien. Der Schiedsrichterausschuss reagiert
auf den "Fall Hoyzer" mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog.
28. Januar: Robert Hoyzer wird von der Staatsanwaltschaft
Berlin in Essen vernommen. Nach Aussagen seines Anwalts Stephan
Holthoff-Pförtner belastet der 25-Jährige dabei weitere
Schiedsrichter und auch Spieler. Hoyzer gesteht 67.000 Euro für die
Manipulation von Spielen erhalten zu haben. Am Abend durchsucht die
Berliner Polizei vier Objekte, darunter das als Zentrum des
Skandals geltene Café King, und nimmt vorübergehend vier Personen
fest.
29. Januar: Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigt, dass
Haftbefehl gegen drei mutmaßliche kroatische Wett-Betrüger erlassen
wurde. Der DFB kündigt einen Antrag auf Akteneinsicht bei der
Staatsanwaltschaft Berlin an.
30. Januar: Nach Hinweisen aus einem offenbar ernstzunehmenden
Umfeld auf eine Verwicklung von Referee Jürgen Jansen in den
Skandal setzte der DFB den Unparteiischen für das Sonntagspiel der
Bundesliga zwischen Meister Werder Bremen und Hansa Rostock wieder
ab und überträgt kurzfristig Lutz Wagner (Hofheim) die Leitung der
Partie.
31. Januar: Der DFB setzt eine "Sonderkommission Wett- und
Spielmanipulationen" unter Leitung von DFB-Justiziar Goetz Eilers
ein, die für lückenlose Aufklärung im Betrugs-Skandal sorgen soll.
Der SC Paderborn bestätigt, dass Kapitän Thijs Waterink vor dem
Pokalspiel gegen den Hamburger SV 10.000 Euro von einem Unbekannten
erhalten habe. Paderborns Vereins-Präsident Wilfried Finke
beschuldigt HSV-Spieler, an der Manipulation beteiligt gewesen zu
sein, was die Hamburger vehement zurückweisen. Torhüter Ignjac
Kresic vom Regionalligisten Dynamo Dresden bestätigt, dass die
Mannschaft im Juni 2003 nach einem Sieg 15.000 Euro zusätzliche
Prämie von einem unbekannten Sponsor erhalten habe.
1. Februar: Die polizeilichen Ermittlungen weiten sich
bundesweit auf 40 Wettbetreiber und insgesamt 300 Annahmestellen
aus, die ermittelnde Staatsanwaltschaft will dem DFB die gewünschte
Akteneinsicht gewähren.
2. Februar: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die
Ermittlungen ausgeweitet und bundesweit Hausdurchsuchungen
durchgeführt. Zwischen 6.00 und 11.30 Uhr wurden in 10
Bundesländern an 32 verschiedenen Durchsuchungsorten bei 19
Beschuldigten "mit Erfolg Beweismittel" gesichert. Dies teilte die
Staatsanwaltschaft Berlin mit. Es waren dabei 150 Polizeibeamte,
darunter Beamte des Landeskriminalamtes Berlin, im Einsatz.
Festnahmen erfolgten nicht.
4. Februar: Schiedsrichter Jürgen Jansen beteuert auf einer
Pressekonferenz in Passau seine Unschuld.
6. Februar: Torwart Georg Koch vom Zweitliga-Tabellenführer
MSV Duisburg bestätigt, dass ihm am letzten Spieltag der
vergangenen Saison 20.000 Euro geboten worden seien, um eine
Zweitligabegegnung zu verschieben. Damals stand der Keeper noch bei
Energie Cottbus zwischen den Pfosten.
10. Februar: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes
(DFB) verhängt gegen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wegen grob
unsportlichen Verhaltens eine Vorsperre. Hoyzer hatte in der
Anhörung durch den Sportgerichts-Vorsitzenden Rainer Koch in Essen
eingestanden, mehrfach nach Verabredung mit Kunden von Wettbüros
Spiele des DFB-Pokals, der 2. Bundesliga und der Regionalliga
manipuliert zu haben.
11. Februar: Für eine Entschädigung im Gesamtvolumen von rund
zwei Millionen Euro hat Bundesligist Hamburger SV auf eine
Wiederholung des von Ex-Referee Robert Hoyzer manipulierten
Pokal-Spiels beim Drittligisten SC Paderborn (2:4) verzichtet.
12. Februar: Robert Hoyzer wird in Berlin festgenommen. Wie
die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte, vollstreckte die Polizei
einen bereits am zwei Tage zuvor erlassenen Haftbefehl.
14. Februar: Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark) wird vom
DFB vorläufig nicht mehr eingesetzt. Er hatte den Verband über
einen Anwerbungsversuch von Robert Hoyzer nicht rechtzeitig in
Kenntnis gesetzt.
15. Februar: Das von Robert Hoyzer manipulierte Zweitligaspiel
zwischen Wacker Burghausen und LR Ahlen (0:1) vom 22. Oktober 2004
muss wiederholt werden. Diese Entscheidung fällt das Sportgericht
des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter dem Vorsitz von Rainer
Koch. Der DFB verhängt gegen Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks
(Stendal) eine Vorsperre.
25. Februar: Nach 13 Tagen wird Robert Hoyzer überraschend aus
der Untersuchungshaft in Berlin-Moabit entlassen. Der Haftbefehl,
in dem ihm in acht Fällen mittäterschaftlicher Betrug angelastet
werden, bleibt bestehen.
3. März: Das mutmaßlich von Schiedsrichter Dominik Marks
manipulierte Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren von Hertha
BSC Berlin und den Amateuren von Arminia Bielefeld (2:1) vom 14.
August 2004 muss wiederholt werden.
10. März: Die Staatsanwaltschaft Berlin erlässt Haftbefehl
gegen den ebenfalls beschuldigten Schiedsrichter Dominik Marks
(Stendal) und lässt diesen vor dessen Berliner Wohnung festnehmen.
11. März: Die Staatsanwaltschaft Berlin nimmt den ersten
Spieler fest. Die Behörden vollstreckten einen Haftbefehl gegen den
früheren Bundesliga-Profi Steffen Karl vom Regionalligisten
Chemnitzer FC. Gegen Karl besteht der dringende Tatverdacht des
gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten
Verbrechensabrede sowie der versuchten Nötigung.
6. April: Der DFB-Kontrollausschuss fordert eine sechsmonatige
Sperre gegen Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark).
Nach Vorstellung des Gremiums soll Koop rückwirkend ab dem 1.
Februar bis einschließlich 31. Juli gesperrt werden.
7. April: Thijs Waterink vom Regionalligisten SC Paderborn
wird als erster Spieler im Zuge des Wettskandals gesperrt. Der
Niederländer wurde vom Sportgericht wegen "eines unsportlichen
Verhaltens in Tateinheit mit passiver Bestechung" mit einem
Spielverbot bis einschließlich 31. Juli 2005 belegt. Der
Kontrollausschuss hatte eine Sperre von acht Monaten gefordert.
11. April: Milan Sapina aus dem Berliner Café King wird wenige
Stunden nach seiner Freilassung erneut in Haft genommen.
12. April: Robert Hoyzer tritt zum 31. März aus seinem Verein
Hertha BSC Berlin aus und unterliegt damit nicht mehr der
DFB-Sportgerichtsbarkeit.
21. April: Das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unabhängige
Ständige Schiedsgericht unter Vorsitz von Wolfgang Grunsky
(Bielefeld) weist den Einspruch des Zweitligisten LR Ahlen gegen
die Neuansetzung der Partie gegen Wacker Burghausen (1:0) vom 22.
Oktober 2004 zurück. Das Spiel wird nun wie geplant am 27. April
ausgetragen. Damit sind alle 16 Einsprüche gegen Spielwertungen
abgeschlossen.
27. April: Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer kommt zwar um
eine Geldstrafe von 50.000 Euro herum, muss aber in Kürze mit dem
Urteil und einem Verbandsausschluss auf Lebenszeit und einer
Schadensersatzklage des DFB rechnen.
28. April: Der Außerordentliche Bundestag des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB) in Mainz beschließt ein Wettverbot für
Spieler, Trainer, Funktionsträger sowie Unparteiische und den
ordnungsgemäßen Abschluss des Spielbetriebs zum 30. Juni durch eine
Ergänzung der Rechts- und Verfahrensordnung. Danach kann nicht mehr
auf Punktverlust oder Spielwiederholung entschieden werden.
Verabschiedet wird auch der von der Deutschen Fußball Liga (DFL)
eingebrachte Antrag auf Einführung einer eigenen Fußballwette ab
der Saison 2006/2007.
29. April: Das Sportgericht des DFB verurteilt Schiedsrichter
Torsten Koop wegen unsportlichen Verhaltens überraschend zu einer
Sperre von nur drei Monaten. Der DFB-Kontrollausschuss hatte
Anklage gegen Koop erhoben, da dieser einen Anwerbeversuch der
belasteten Ex-Referees Robert Hoyzer und Dominik Marks beim DFB
nicht gemeldet hatte.
18. Mai: Ante Sapina wird vernommen und äußert sich zum Tatverdacht. Die Staatsanwaltschaft wertet die Aussagen als Geständnis.
8. Juni: Milan Sapina wird gegen Kaution aus der Untersuchungshaft
entlassen.
29. Juni: Das Verfahren gegen Schiedsrichter Jürgen Jansen wird
von der Berliner Staatsanwaltschaft eingestellt.
27. August: Der Dresdner Schiedsrichter-Betreuer Wieland
Ziller wird für fünf Monate gesperrt. Das Urteil begründete der
DFB-Sportgerichtsvorsitzende Rainer Koch damit, dass Ziller nach
Aktenlage "Betrug am Betrüger" vorzuwerfen ist. Der ehemalige
Fifa-Schiedsrichter hatte im November 2004 eine Summe von
mindestens 25.000 Euro von Ante Sapina erhalten und den Eindruck
erweckt, einen Großteil dieses Betrags an den vermeintlich
manipulationsbereiten Schiedsrichter Jürgen Jansen weiterzuleiten.
Tatsächlich behielt jedoch Ziller das gesamte Geld für sich.
18. Oktober 2005: Prozess-Auftakt vor dem Berliner Landgericht.
17. November 2005: Die Berliner Richter verurteilen Hoyzer wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Der Hauptangeklagte Ante Sapina erhält wegen Wettbetrugs durch manipulierte Fußballspiele in elf Fällen eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und elf Monaten.
28. November 2006: Bundesanwalt Hartmut Schneider beantragt vor dem Bundesgerichtshof, die Urteile des Landgerichts Berlin vom 17. November 2005 aufzuheben.
15. Dezember 2006: Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des Berliner Landgerichts vom November 2005 bestätigt. Danach muss Hoyzer wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Die Revisionen des Ex-Referees und der kroatischen Brüder Sapina blieben damit vor dem 5. Strafsenat in Leipzig erfolglos.