Ein Kommentar von Peter Ahrens
Eines vorweg: Es geht in dieser Groß-Affäre nicht zuallererst darum, ob sich ein Simpel aus der fünften Liga ein paar tausend Euro extra dazu verdient hat, indem er in einem Spiel auf Anweisung ein paar Fehlpässe mehr produzierte als sonst. Dass in einem Geschäft, in dem Jahr für Jahr Milliarden auf europäischer Ebene hin und her geschoben werden, auch ein paar kleine Krauter profitieren wollen, ist wirklich keine Sensation. Jedes lukrative Business lockt seine Betrüger an, ob das die Finanzbranche ist oder der Sport.
Dass die 1. Bundesliga von dem Skandal offenbar nicht betroffen ist, könnte womöglich nur daran liegen, dass die Profis so gut verdienen. Bestechungsgelder anzunehmen lohnt sich gar nicht mehr. Stattdessen setzen die Wettpaten logischerweise den Hebel da an, wo das Geld nicht so üppig fließt: In den kleineren Ligen und in den europäischen Spielklassen, die als unterrangig gelten, in Belgien, in Bosnien, in Slowenien.
Um welche Vereine und Spiele es genau geht, darüber kann man nur mutmaßen, da die Öffentlichkeit bisher zwar über das statistische Ausmaß informiert wird, aber kaum über konkrete Vorwürfe. Auch Champions-League-Partien seien betroffen, heißt es. Welche das sind, wird nicht gesagt. Darüber darf dann fröhlich spekuliert werden. Möglicherweise kann man ja auch bei findigen Buchmachern schon drauf wetten.
Der organisierte Fußball baut sich nach wie vor seine Fassaden des schönen, des Völker verbindenden, die Toleranz fördernden Sports. Wenn dieses Gebäude Risse bekommt, ist das Wehklagen groß und die Gemeinde fassungslos. Das haben die Geschehnisse nach der Selbsttötung von Robert Enke mit dem jetzigen Wettskandal gemeinsam.
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Fußball und Wetten - das gehört zusammen wie Manfred Kaltz und die Bananenflanke. Oddset, Toto, 13er-Wette - alles geduldet, alles offiziell, alles hoch erwünscht. Der Fußball hat sich das samt und sonders selbst ins Boot geholt und profitiert massiv davon. Das Geld aus den staatlichen Einnahmen aus Lotto und Toto nimmt der Sport liebend gerne an, Sponsoren aus der Wettbranche sind den Vereinen sehr willkommen, aber vor Spielsucht und Betrug, den beiden Schmuddelkindern des Glücksspiels, möchte der Fußball nur allzu gerne die Augen zumachen. Wenn DFB-Präsident Zwanziger jetzt in einem Interview sagt, er sehe die Wettaffäre nicht so arg dramatisch, dann lässt das nichts Gutes für die Aufklärungsarbeit erahnen.
Letztlich ist denn auch nach dem Fall Hoyzer zu wenig passiert, es sind ungenügende Sicherungen eingezogen worden. Das Frühwarnsystem, das DFL und DFB nach Hoyzer etabliert haben wollen, hat augenscheinlich überhaupt nicht funktioniert. Das zeigt schon, dass dieselben kroatischen Brüder, die den ebenso einfältigen wie geldgierigen Schiedsrichter damals auf die schiefe Bahn gebracht haben, jetzt wieder als mögliche Drahtzieher gelten - ein Fall von schönster Symbolik.
Es gibt noch einen anderen Aspekt bei der ganzen Geschichte: Dass es Spieler im bezahlten und unbezahlten Fußball gibt, die zumindest in der Gefahr stehen, spielsüchtig zu sein, ist ein offenes Geheimnis. Zocken, Pokern - das ist des Profis zweitliebste Beschäftigung noch vor der Game-Konsole, scheinbar harmloses Freizeitvergnügen im Trainingslager. Das Spiel verführt zum Spiel. Manch Profi ist dem erlegen. Ein Thema in offiziellen Verlautbarungen des DFB ist das bisher nicht gewesen.
Der DFB-Chef hat vor Wochenfrist auf der Enke-Trauerfeier gesprochen, es sei an der Zeit, die Tabus im Fußball aufzubrechen. Na dann mal los.
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