Von Mike Glindmeier
"Fußball-Mafia DFB" - dieser Schmähgesang ist nicht neu. Seit Jahren äußern Fans in deutschen Stadien damit ihren Unmut über Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern. Dabei schwingt auch immer Häme gegenüber dem DFB aus der Hoyzer-Affäre mit. Der DFB-Schiedsrichter narrte Deutschlands Fußballfans im Jahr 2005, in dem er sich vor den Karren der Wettmafia spannen ließ - für 67.000 Euro und einen Plasmafernseher. 23 Spiele wurden damals manipuliert. Der Aufschrei war groß, auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Präsident Theo Zwanziger versprach harte Strafen und ein Frühwarnsystem. Die heile Fußballwelt schien wiederhergestellt.
Bis zum vergangenen Donnerstag. Da verkündete die Bochumer Staatsanwalt, dass es neue Verdachtsfälle gebe, für die hauptsächlich die alten Bekannten verantwortlich sein sollen: die Brüder Ante und Milan Sapina, die schon im Zuge der Hoyzer-Affäre als Drahtzieher fungierten. In einem ersten Statement sprach der DFB davon, dass "die Uefa- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert haben." Einen Tag später musste der DFB dann zurückrudern. 32 Spiele in Deutschland stünden unter Manipulationsverdacht. Das Frühwarnsystem hatte ganz offensichtlich versagt.
Eine peinliche Nummer für den größten und reichsten Einzelsportverband der Welt, der in die laufenden Ermittlungen gar nicht eingebunden war. Mit der Uefa arbeiteten die Behörden seit Juni zusammen, der DFB dagegen wurde nicht informiert. Schon aus diesem Grund hätte sich der DFB mit Mutmaßungen, dass der deutsche Fußball nicht betroffen sei, besser zurückgehalten. Doch es kam noch schlimmer: Der Betrug, so die Ermittler, wurde von Deutschland aus organisiert.
Zwanziger: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht"
Während bis zu diesem Zeitpunkt, rund 24 Stunden nach Bekanntwerden des Skandals, noch nichts vom DFB zu hören war, reagierte der Verband diesmal ebenso zeitnah wie hektisch. "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen", so Zwanziger. "Sobald wir wissen, welche Spiele betroffen sind, werden wir der Staatsanwaltschaft alles zur Verfügung stellen."
Dabei sollte sich der DFB nicht nur auf fremde Hilfe verlassen, sondern auch im eigenen Haus für Aufklärung sorgen. Denn nach SPIEGEL-Informationen soll auch ein Schiedsrichter des DFB bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben. "Die Informationen zu dem Schiedsrichter kann ich nicht bewerten", sagte Zwanziger, der erstaunlich gelassen auf den Skandal reagiert: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, wenn von 1,4 Millionen Spielen im Jahr 32 untersucht werden." Warum das Frühwarnsystem nicht gegriffen hat, könne er sich nicht erklären: "Wir müssen schauen, warum wir nicht gewarnt worden sind. Aber es ist zu früh zu sagen, dass es versagt hat."
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Und wie sehen die Erfolge der Ermittler bislang aus? Am Donnerstag wurden allein in Deutschland 15 Personen festgenommen: in Berlin, im Raum Nürnberg und im Ruhrgebiet. Zwei weitere Festnahmen gab es in der Schweiz. Mehr als 50 Durchsuchungen wurden durchgeführt, außer in Deutschland auch in der Schweiz und in Österreich. Dabei wurde mehr als eine Million Euro in Bargeld und Sachwerten sichergestellt.
Fansprecher: "Es geht doch nur noch um Kohle"
Ebenfalls am Donnerstag wurde dann ein Spieler des Fußball-Sechstligisten Würzburger Kickers von der Polizei vorläufig festgenommen. Der Verein erklärte auf seiner Homepage, dass man mit Bestürzung auf die Information aus dem privaten Umfeld des Spielers reagiert habe. Der umgehend suspendierte Akteur sei bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt gewesen, erklärte Pressesprecher Peter Neuberger.
Der Spieler habe damals auf Bitten eines asiatischen Wettbetrügers einen anderen Spieler gebeten, bewusst schlecht zu spielen, was dieser aber abgelehnt habe. Er sei zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Diese sei bei seiner Verpflichtung offen diskutiert worden, man habe ihm als Fußballer eine zweite Chance geben wollen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen zudem Haftbefehle für zwei involvierte Spieler zunächst überprüft, dann aber nicht erlassen worden sein.
Und was sagen die Fans? "Der Wettskandal offenbart, worum es beim Fußball geht: einfach nur noch um Kohle", sagte ein Sprecher der bundesweiten Faninitiative ProFans auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. In den Kurven der Stadien klang dies am Samstagnachmittag noch weniger diplomatisch: "Fußball, Mafia, DFB", skandierten zahlreiche Anhänger, die den Glauben an den Fußball langsam, aber sicher verloren haben.
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... und stelle es zur richtigen Zeitpunkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Tja, wäre die WM vorbei könnte es sein, dass sich wenige dafür interessieren. So lockt man wenigstens Fussballgegner und Fans verbal in die Arena. [...] mehr...
Und wieder eine kleine Verhaftungswelle wegen eines Wettskandals: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/998387 Naja, ist ja weit weg: Kroatien. Spielt ja keiner von da in der Bundesliga. Kann Zwanziger aufatmen. mehr...
Nein, das ist unglaubwürdig. Das Entscheidende für Theo Zwanziger wird sein, dass kein Spieler aus der Bundesliga betroffen ist. Aha, denke ich mir mal wieder. Also nur junge Spieler, Spieler die noch leicht zu manipulieren [...] mehr...
so lange sie in asien, jedes spiel für ordentliche beträge live wetten können - und nicht bwin pipifaxwetten- wird sich das nicht ändern..genial aus sicht der schieber. aktuell dürfen sie beim spiel u17 osnabrück-wolfsburg [...] mehr...
Jetzt hat der Fußball seine Glaubwürdigkeit endgültig verloren: 4 Junioren wurden für bis zu 14Monaten gesperrt. Langsam wird es tatsächlich der größte Wettskandal aller Zeiten, aber ganz laaangsaaam. mehr...
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