Von Sebastian Winter, München
Aloysius Paulus Maria van Gaal stand wie eine Salzsäule auf dem Rasen und beobachtete seine Mannschaft beim Aufwärmen. Elf Minuten vor Anpfiff des Bayern-Spiels gegen Leverkusen schritt er hinab in die Kabine, um seinen Spielern zu verdeutlichen, wie wichtig diese Partie für ihn ist. Für sie. Für den Vorstand. Für die Bayern.
Bevor er im Schlund des Stadions verschwand, blickte er noch einmal kurz auf die Haupttribüne. Zuschauer pfiffen, als der Stadionsprecher van Gaals Namen verlas. "Natürlich spüre ich Rückendeckung. Ich weiß aber auch, dass ich Erfolg brauche. Wenn ich nichts leiste, werde ich entlassen", hatte van Gaal vor dem "Spiel der Spiele" (Manager Uli Hoeneß) gesagt.
Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den alten und neuen Tabellenführer waren der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Finanzvorstand Karl Hopfner und Hoeneß noch in der Bayern-Kabine gewesen, was ein unüblicher Vorgang ist. Als Hoeneß wieder herauskam, wünschte er den Pressevertretern nur "schönen Abend". Man musste schon das Schlimmste befürchten, doch dann bekannte sich Rummenigge zum Trainer. "Leider ist uns der Befreiungsschlag nicht gelungen. Wir müssen jetzt rational denken, nicht emotional. Und wir müssen versuchen, gemeinsam die Kurve zu kriegen." Es bringe jetzt nichts, den Trainer unter Druck zu setzen, doch van Gaal läuft die Zeit davon.
Sechs Minuten später ließ der zurzeit beste Torjäger der Bundesliga Bayerns Abwehrspieler Daniel van Buyten wie einen Anfänger aussehen. Mit einer kleinen Körpertäuschung tanzte Stefan Kießling den Belgier aus und schob den Ball bequem ins lange Eck. Nach diesem Schock verschwand der Glanz aus dem Spiel der Münchner, die neben den verletzten Robben, Ribéry, Altintop und Toni auf die grippekranken Pranjic und Braafheid verzichten mussten.
Kopfloses Maskottchen, Eigenbrötler van Gaal
Irgendwie passte zu diesen Wochen, dass das Maskottchen Happy in der Halbzeitpause bei einem Elfmeterschießen mit Fans auch noch von einem Ball unglücklich am Kopf getroffen wurde und ihm der Stoffschädel herunterfiel. Danach musste sich das traurige Krokodil auch noch einen Schuss durch die Beine gefallen lassen. So geht es zurzeit zu bei den Bayern. Ihr Spiel wurde in der zweiten Halbzeit noch fahriger, auch die Groß-Chance von Gomez (85.) blieb ungenutzt. Als van Buyten und Timoschtschuk schließlich eine gute Freistoßgelegenheit in einer Mischung aus Slapstickeinlage und Missverständnis ausließen, war nur noch Wut im Stadion.
Van Gaals Mannschaft steht zwar im Viertelfinale des DFB-Pokals, doch die 21 Punkte aus 13 Bundesliga-Partien reichen ihnen bei weitem nicht. In der Champions-League droht am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach einem Sieg, einem Unentschieden und zwei Niederlagen bereits das Aus. Das Rumoren innerhalb des Clubs war zuletzt in immer kürzeren Abständen nach außen gedrungen. Manager Hoeneß hatte unlängst öffentlich ein 4-4-2-System anstelle des van-Gaal'schen 4-3-3 gefordert und sich darüber beschwert, dass der Trainer immer alles alleine machen wolle. Präsident Franz Beckenbauer stellte die Fähigkeiten des Trainers, Vertrauen und Verantwortung zu delegieren, in Abrede und kritisierte die antiquierte, auf Ballkontrolle bedachte Spielweise der Bayern. "Ich diskutiere nicht in der Öffentlichkeit", sagte van Gaal dazu nur.
Wirtschaftlich golden, sportlich chaotisch
Am 27. November ist die Jahreshauptversammlung der Bayern auf dem Münchner Messegelände. Hoeneß hätte sich dort gern in einem Stimmungshoch als Manager von den Bayern verabschiedet, um zum Präsidenten gewählt zu werden. Nun kann er den Mitgliedern zwar wegen der Vertragsverlängerungen der beiden Hauptsponsoren eine goldene Zukunft des FC Bayern im wirtschaftlichen Bereich versprechen. Sportlich wirken die Bayern dagegen wie ein wild gewordener Hühnerhaufen. Das muss Hoeneß in seinem Stolz verletzen und auch Beckenbauer, der zum Ehrenpräsidenten gekürt werden soll. Wenn sie Pech haben, scheiden die Bayern zwei Tage vor der Hauptversammlung aus der Champions League aus. Die Trainerdebatte droht dann sogar, die wegweisenden Wechsel an der Bayernspitze zu überlagern.
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der Trainer im Mittelpunkt der Kritik steht, ist durchaus verständlich, da der Erfolg bisher ausgeblieben ist. Es muss aber auch gesagt werden, dass die Verantwortlichen in der Chefetage des Fußballvereines eine ebenso große [...] mehr...
Ich hatte von Anfang an das "Bauchgefühl", dass van Gaal der falsche Trainer ist: 1. Einen, der sich selbst als Trainer ins Spiel bringt, würde ich schon aus Pronzip nicht nehmen. 2. Dazu kommt, dass van Gaals beste [...] mehr...
....wird bei den Bayern viel zu kurzfristig gedacht. Es geht nur noch um den `schnellen Erfolg` und `Geld`. Es freut mich aber, dass Bayern derzeit wunderbar zeigt, dass GELD eben nicht alles ist. Man braucht ein TEAM und davon [...] mehr...
Magath und Heynckes sind absolute Top-Trainer. Magath hätte man niemals abschieben dürfen und Heynckes hätte man unbedingt halten müssen. Hat man aber nicht. Man hat gedacht es würde auch anders gehen. Das erweist sich nun als [...] mehr...
Klinsmann? Ist das der Typ der zwar von Motivation und amerikanischen Trainingsmethoden jede Menge, aber von Spiel und Taktik rein gar nichts versteht? Und der soll mit irgendeinem Team Meister werden? No way. Klinsmann war es [...] mehr...
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