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23.11.2009
 

Fußball-Manipulationsskandal

DFB setzt Krisenstab gegen Wettbetrug ein

DFB-Präsident Zwanziger: "Wir haben gezeigt, dass wir diese Dinge nicht bagatellisieren"Zur Großansicht
Getty Images

DFB-Präsident Zwanziger: "Wir haben gezeigt, dass wir diese Dinge nicht bagatellisieren"

Kritiker werfen dem Deutschen Fußball-Bund vor, Wettbetrug nicht effektiv genug zu bekämpfen. Jetzt hat Präsident Zwanziger eingeräumt, dass der Verband "absolut überfordert" sei, allein gegen Manipulationen vorzugehen. Eine neu gegründete Task Force soll die Polizeiermittler aber unterstützen.

Hamburg - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat als Reaktion auf die Ermittlungen im Fußball-Wettskandal eine Task Force eingerichtet. Die Arbeitsgruppe werde von DFB-Chefjustiziar Jörg Englisch geleitet, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger an diesem Montag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Er habe mit der Staatsanwaltschaft Bochum telefoniert und die Unterstützung des Verbandes zugesagt.

"Ich bin froh, dass die Staatsanwaltschaft in Bochum ermittelt", sagte Zwanziger. "Ohne Staatsanwaltschaft wären wir nicht in der Lage, diesen Sumpf aufzulösen." Ein Sportverband wie der DFB sei "absolut überfordert, organisierte Kriminalität - auch noch mit internationalem Charakter - allein zu bekämpfen". In diesem Fall gehe es um gesellschaftliche Kriminalität, "und da brauchen wir die Unterstützung der Staatsanwälte". Eine abschließende Bewertung der Vorgänge sei vor Einsichtnahme in die Akten jedoch nicht möglich. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Montag Akteneinsicht beantragt.

Der DFB-Präsident wies Kritik zurück, dass der Verband seit der Affäre um den Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 nichts gelernt habe. Das Warnsystem, das danach aufgebaut worden sei, habe "in den letzten Jahren schon geholfen". Warum man nicht unmittelbar auf die jetzigen Fälle aufmerksam geworden sei, müsse nun geklärt werden.

"DFB und DFL können Betrug niemals zu hundert Prozent ausschließen"

Zwanziger warnte vor Vorverurteilungen. "Wir haben gezeigt, dass wir diese Dinge nicht bagatellisieren, aber es sollten auch nicht Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden", sagte er. Er versicherte, dass der DFB "immer alles tun" werde, um solche Vorgänge aufzudecken und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Zum Frühwarnsystem sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, es sei unmöglich, alle Manipulationsversuche ausfindig zu machen: "Die Tatsache, das selbst eine Staatsanwaltschaft nur zufällig durch das Abhören von Telefonen auf das Thema stößt, zeigt, dass DFB und DFL Betrug niemals zu hundert Prozent ausschließen können."

"Vor einem Monat wurde bei einer Tagung der Uefa die Gefahr, die von Wettbetrug ausgeht, als mindestens ebenso groß bezeichnet wie die Gefahr, die von Doping droht", berichtete DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. "Dort hat die Uefa den DFB als Musterbeispiel (im Kampf gegen Wettbetrug, Anm. d. Red.) genannt. Deutschland ist in dieser Sache gut aufgestellt, Perfektion gibt es nicht und kann es nicht geben."

Die Firma Sportradar, die im Auftrag des europäischen Fußballverbandes Uefa die Wettquoten überwacht, hat in Deutschland im vergangenen halben Jahr keine Auffälligkeiten registriert. "Wir haben auffällige Partien gehabt, aber keine in Deutschland", sagte Geschäftsführer Carsten Koerl auf der Pressekonferenz. Sportradar sei nicht in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum involviert. "Wir wissen aber, dass Spiele, die bei uns als auffällig registriert wurden, Gegenstand der Ermittlungen sind." Das Unternehmen überwacht nach eigenen Angaben Fußballspiele der ersten und zweiten Ligen in allen 53 Mitgliedstaaten der Uefa.

Festnahmen in Italien, Suspendierungen in der Schweiz

Die italienische Polizei hat im Zuge des Wettskandals am Montag den Präsidenten eines Drittligisten sowie acht weitere Personen festgenommen. Die Ermittlungen betreffen eine Partie in der Serie B in der Saison 2007/2008 und sieben Spiele der 3. Liga in der Saison 2008/2009. Die Ermittlungen laufen bereits seit mehreren Monaten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Festgenommenen nach Behördenangaben Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Wettbetrug vor.

In der Schweiz ist ein Spieler des Zweitligisten FC Gossau bis auf weiteres suspendiert worden. Der Präsident des Challenge-League-Clubs, Roland Gnägi, bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Blick". Der Spieler habe zugegeben, dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen sei.

Dabei gehe es um das 0:4 verlorene Match vom 24. Mai gegen Locarno. Der Akteur habe ihm gesagt, er sei von einem Mitspieler mit den Worten angegangen worden: "Du, da ist Geld zu verdienen." Der Spieler habe ihm aber nicht gesagt, ob er auf das Angebot eingestiegen sei. Der Angesprochene sei im Zuge der Ermittlungen auch polizeilich vernommen worden. Am vergangenen Wochenende hatte bereits der Schweizer FC Thun einen Spieler suspendiert, der ebenfalls wegen des Wettskandals von der Polizei vernommen worden war.

Beim Fußballclub NK Travnik aus Bosnien-Herzegowina sollen von der Wettmafia eigens für zwei Testpartien im Sommer 2009 zwei Spieler eingeschleust worden sein. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Demnach zahlten die Drahtzieher Reisekosten und Prämien der Mannschaft - die Spiele in der Schweiz gingen wie abgesprochen verloren, die Wettgewinne sollen 152.400 Euro betragen haben.

Ebenfalls im Rahmen der Pressekonferenz äußerte sich Zwanziger zu Mario Basler. Der Trainer des Regionalligisten Eintracht Trier ist vom DFB für persönliche Fußballwetten gerügt worden. "Wir haben Mario Basler vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass sein Wettverhalten nicht ganz eindeutig statutengemäß ist", sagte Zwanziger. "Das zeigt, dass wir sehr wohl ein Auge auf alles haben, auch wenn wir das nicht jedesmal publik machen."

Der Europäische Fußballverband Uefa will am Mittwoch ein Krisentreffen mit neun europäischen Verbänden abhalten. Bei der mehrstündigen Zusammenkunft in der Uefa-Zentrale im schweizerischen Nyon sollen die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft mit den betroffenen Verbänden erläutert werden.

fsc/dpa/AP/sid

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Die neuesten Beiträge:
12.06.2010 von clausde: Aktualisiere ein Thema...

... und stelle es zur richtigen Zeitpunkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Tja, wäre die WM vorbei könnte es sein, dass sich wenige dafür interessieren. So lockt man wenigstens Fussballgegner und Fans verbal in die Arena. [...] mehr...

09.06.2010 von R.Ballutschinski: Wieder einer ...

Und wieder eine kleine Verhaftungswelle wegen eines Wettskandals: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/998387 Naja, ist ja weit weg: Kroatien. Spielt ja keiner von da in der Bundesliga. Kann Zwanziger aufatmen. mehr...

29.05.2010 von R.Ballutschinski: Vollomen unwirklich ...

Nein, das ist unglaubwürdig. Das Entscheidende für Theo Zwanziger wird sein, dass kein Spieler aus der Bundesliga betroffen ist. Aha, denke ich mir mal wieder. Also nur junge Spieler, Spieler die noch leicht zu manipulieren [...] mehr...

25.05.2010 von Mitschka:

so lange sie in asien, jedes spiel für ordentliche beträge live wetten können - und nicht bwin pipifaxwetten- wird sich das nicht ändern..genial aus sicht der schieber. aktuell dürfen sie beim spiel u17 osnabrück-wolfsburg [...] mehr...

25.05.2010 von Voll Mann:

Jetzt hat der Fußball seine Glaubwürdigkeit endgültig verloren: 4 Junioren wurden für bis zu 14Monaten gesperrt. Langsam wird es tatsächlich der größte Wettskandal aller Zeiten, aber ganz laaangsaaam. mehr...

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Partien sollen manipuliert worden sein...

in Deutschland

- 4 in der Zweiten Liga
- 3 in der Dritten Liga
- 18 in den Regionalligen
- 5 in den Oberligen
- 2 der U19-Mannschaft

auf internationaler Ebene

in Österreich

in Belgien

in der Schweiz

in Kroatien

in Slowenien

in der Türkei

in Bosnien-Herzegowina

in Ungarn


Manipulationsskandale im Fußball

2010

Vor dem Landgericht Bochum beginnt im August der erste Prozess im Zusammenhang mit den Spielmanipulationen. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, 370.000 Euro aufgewendet zu haben, um Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Funktionäre zu bestechen und anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Zwei der Angeklagten zeigten sich teilgeständig. Der Prozess ist nur der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Es geht in Bochum lediglich um 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz.

Vor einer anderen Institution gibt es bereits eine Entscheidung: Der ehemalige Osnabrücker Zweitligaspieler Marcel Schuon wurde vom DFB-Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Jahren und neun Monaten belegt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schuon sich bereit erklärt hat, Spiele zu manipulieren.

2009

2006

2005

2005

1971





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