Von Mike Glindmeier
Sie konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen: Joachim Löw und Oliver Bierhoff verließen zufrieden das International Convention Centre von Kapstadt. Die schwarzen Anzüge passten so gar nicht zur Stimmung von Bundestrainer und Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die war nach der Auslosung der Gruppen für die WM 2010 in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli 2010) ausgesprochen gelöst. Das überraschte wenig, schließlich hatte Deutschland einmal mehr das Losglück auf seiner Seite und mit Australien, Serbien und Ghana lösbare Aufgaben zugeteilt bekommen.
"Es hätte schlimmer kommen können", so Löws erste Reaktion. "Es ist aber eine interessante Gruppe. Wir haben vor allen Gegnern Respekt", sagte Löw, der vor allem Serbien als "sehr spielstark" bezeichnete: "Wie die Serben in der Qualifikation Frankreich geschlagen haben, hat mich überzeugt." Auch Werders Mittelfeldspieler Mesut Özil warnte vor den Serben: "Sie sind der größte Konkurrent."
In der Tat dürften die Serben der stärkste Gegner in der deutschen Gruppe D sein. Auch wenn das Team von Trainer Radomir Antic in den direkten Vergleichen gegen Frankreich (1:2/1:1) nur einen Punkt holte, schlossen die Serben die WM-Qualifikation als Gruppenerster mit einem Zähler Vorsprung vor den favorisierten Franzosen ab. Einen großen Anteil am direkten Einzug in die WM-Endrunde hatte Milan Jovanovic. Der Stürmer von Standard Lüttich erzielte mit fünf Toren die meisten Treffer seines Teams in der Qualifikation.
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Ghanas Ex-Nationalspieler Addo: "Traue meinen Jungs Überraschung zu"
Außer Serbien warnte Löw aber auch vor dem afrikanischen Vertreter in der deutschen Gruppe. "Ghana ist mit die beste afrikanische Mannschaft", sagte Löw. Besonders interessant dürfte dabei das Duell zwischen den Mittelfeldstrategen beider Teams werden. Deutschlands Kapitän Michael Ballack und Ghanas Regisseur Michael Essien haben einige Gemeinsamkeiten: Beide sind die Stars und Lenker in ihrem Nationalteam, beide spielen - teilweise gemeinsam - im Mittelfeld des aktuellen englischen Tabellenführers FC Chelsea. Zumindest auf dieser Position dürften die Ghanaer der DFB-Elf ebenbürtig sein.
"Deutschland ist gegen Ghana zwar der klare Favorit, aber ich traue meinen Jungs schon eine Überraschung zu", sagte Otto Addo SPIEGEL ONLINE. Der ehemalige Bundesliga-Profi von Borussia Dortmund, der 15 Länderspiele für Ghana bestritt und dabei zwei Tore erzielte, kennt die Stärken seiner ehemaligen Mannschaft.
"Das Team spielt nicht typisch afrikanisch, sondern eher wie Deutschland: Es steht sehr kompakt und diszipliniert in der Defensive. Zudem gibt es viele sehr talentierte junge Spieler wie Sulley Ali Muntari von Inter Mailand", so Addo. Dennoch ist Deutschland für Addo klarer Favorit auf den Gruppensieg. "Dahinter wird es ein enges Rennen zwischen den starken Serben und Ghana", prophezeit Addo, "Australien schätze ich als schwächstes Team in der Gruppe ein."
Bei Nationalspieler Per Mertesacker löste Deutschlands Auftaktgegner Australien gar Freudengefühle aus. "Als Australien gezogen wurde, habe ich schon ein wenig geschmunzelt. Ich musste gleich an 2005 denken: Mein erstes großes internationales Turnier, der Confederations Cup, gleich gegen Australien, 4:3-Torefestival und mir gelang mein erstes Tor in der Nationalmannschaft", erinnert sich der Innenverteidiger. Auch Joachim Löw dachte sofort nach der Auslosung an dieses Spiel: "Da haben wir gesehen, wie stark diese Mannschaft ist", sagte Löw, der insgesamt mit der Auslosung zufrieden war: "Es wird schwierig, aber machbar", lautete sein Fazit.
"Wie Brasilien gegen Brasilien"
Wesentlich schwieriger dürfte das Weiterkommen dagegen in Gruppe G werden. Dort trifft der Rekordweltmeister Brasilien außer Nordkorea auf die Elfenbeinküste, die als einer der Geheimfavoriten gilt, sowie Portugal. Deren Superstar Cristiano Ronaldo war über den prominenten Kontrahenten wenig begeistert: "Ich bin nicht gerade glücklich über das Los. Brasilien und die Elfenbeinküste sind sehr starke Gegner", sagte der Offensivspieler von Real Madrid. Auch der brasilianische Nationaltrainer Carlos Dunga hätte sich das Duell mit den Portugiesen, die erst über die Playoffs in die WM-Endrunde einzogen, gerne erspart: "Gegen die Portugiesen mit ihrem Stil ist es so, als spiele Brasilien gegen Brasilien", sagte Dunga.
Relativ leichte Aufgaben erwischten Weltmeister Italien und Vize Frankreich. Die Squadra Azzurra dürfte in der Gruppe F mit Paraguay, Neuseeland und WM-Neuling Slowakei keine größeren Probleme haben. Trainer Marcello Lippi warnte jedoch: "Je mehr du dich mit vermeintlich leichten Teams beschäftigt, je schneller merkst du, wie schwer sie zu spielen sind."
Auch Frankreich hat mit Gastgeber Südafrika, Mexiko und Uruguay lösbare Aufgaben. "Es ist eine ausgeglichene Gruppe, wir spielen gegen die Gastgeber, und das ist nie eine einfache Aufgabe", sagte Trainer Raymond Domenech.
Europameister Spanien, der auch in Südafrika als Top-Favorit gilt, trifft auf die von Ottmar Hitzfeld trainierte Schweiz sowie auf Chile und Underdog Honduras. "Es ist eine machbare Gruppe mit spielstarken Mannschaften, das macht es für uns in der Vorbereitung einfacher", sagte Hitzfeld.
Für Otto Rehhagels Griechen hält das Turnier ungleich schwierigere Aufgaben bereit. Der zweimalige Weltmeister Argentinien, der zweimalige Afrikameister Nigeria und Südkorea, 2002 immerhin WM-Vierter, warten in der Gruppe B. Dennoch ist Rehhagel optimistisch: "Argentinien ist in unserer Gruppe Favorit. Gegen die anderen beiden Mannschaften haben wir eine gute Chance. Aber es ist eine schwierige Aufgabe."
England, möglicher deutscher Gegner im Achtelfinale, bekommt es in der Gruppe C mit den USA, Algerien und Slowenien zu tun. "Wir spielen in einer der ausgeglichensten Gruppen", sagte Trainer Fabio Capello.
Mit Material von dpa und sid
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Das glaube ich gar nicht mal. Irgendwie liegen "uns" normalerweise afrikanische Mannschaften sehr gut. Ich muss aber zugeben, ich habe die Australier das letzte mal bei der WM06 gesehen und nur eine bessere B-Elf [...] mehr...
Das Abschneiden war tatsächlich relativ ähnlich. Gegen Italien hat Australien sich hervorragend geschlagen und sind nur durch einen völlig unberechtigten Elfmeter um das Viertelfinale (wo dann der Gewinner von Ukraine - Schweiz [...] mehr...
Das ist am realistischsten, finde ich. Serbien wird man aber sowieso nicht unterschätzen. Und wenn man Ghana ernst nimmt, dann sollte man dies mit Australien auch tun. Bei einem schlechten Tag kann Deutschland sowohl gegen Ghana [...] mehr...
Sehe ich auch so. Serbien und Deutschland sind die Favoriten, aber insgesamt ist die Gruppe recht ausgeglichen, sodass an einem guten Tag jeder jeden schlagen kann. Kanonenfutter wie 2002 und 2006 gibt es in der deutschen Gruppe [...] mehr...
---Zitat--- Während die Ghanaer auf dem Spielfeld den Treffer gegen Burkina Faso feierten, zeigte die Kamera auch den verletzten Michael Essien, der von der Tribüne aus zusehen musste - eine Erinnerung daran, auf wie viele [...] mehr...
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