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28.01.2010
 

Fifa-Boss Blatter

Nobelpreis out of Africa

Von Jens Weinreich

Südafrikas Präsident Zuma, Fifa-Boss Blatter (r.): Ein Schweizer als Held in SüdafrikaZur Großansicht
REUTERS

Südafrikas Präsident Zuma, Fifa-Boss Blatter (r.): Ein Schweizer als Held in Südafrika

Die WM 2010 ist die Weltmeisterschaft von Fifa-Chef Blatter. Wenn in Südafrika alles gut geht, wird er sogar unumstritten eine vierte Amtszeit anhängen können. Wenn nicht, droht ihm Konkurrenz. Aber selbst bei einer Ablösung bliebe ihm der Traum vom Friedensnobelpreis.

Es gibt kein Entrinnen. Vor Joseph Blatter ist in diesen Wochen niemand sicher. Alles und jeden will der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa derzeit beglücken. Bälle, ein Land, gar ganze Kontinente. Blatter sieht sich ganz offensichtlich auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Er singt und tanzt und raspelt Süßholz und versucht bei jeder Gelegenheit, Scherze zu machen.

Als im Vorfeld der WM-Auslosung in Kapstadt im Dezember "Jabulani", der offizielle Spielball der Fußball-WM, vorgestellt wurde, tänzelte der 73-jährige Blatter dem Spielgerät auf der Bühne entgegen und rief: "Jabulani, ich liebe dich!" Als er anschließend vor Tausenden Zuschauern die Fifa-Fanmeile eröffnete, gestand er einmal mehr seine Liebe zu Afrika, die angeblich Anfang 1976 in Addis Abeba entbrannte, als Blatter, damals Entwicklungshilfedirektor der Fifa, ein erstes Seminar zur Entwicklung des afrikanischen Fußballs veranstaltete. Und am Abend, bei der WM-Auslosung im "Cape Town International Convention Center", säuselte er Moderatorin Carol Manana zu: "Wenn ich Sie sehe, muss ich mich einfach verlieben!"

Das passende Vokabular, das Blatter da wählt: Denn geht es bei dieser Weltmeisterschaft nicht auch darum, Potenz zu beweisen? Für Südafrika, für den Kontinent, der noch nie ein Event dieser Größenordnung gestemmt hat, für Blatter, für die Fifa, die sich als Weltverbesserungsanstalt betrachtet, und letztlich für die 32 WM-Teilnehmer, die vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 in Südafrika um den Goldpokal streiten?

Den Friedensnobelpreis ablehnen? "Das gehört sich nicht"

Was den einen der prächtige, kiloschwere Weltpokal ist, ist dem anderen eine vergleichsweise winzige Medaille: 18-karätiges Gold, 196 Gramm schwer, Durchmesser 66 Millimeter. Auch darum geht es Joseph Blatter. Diese Plakette würde er, ein halbes Jahr nach der WM, nur allzu gern am 10. Dezember 2010 in Oslo entgegennehmen - als Friedensnobelpreisträger. Als Mann, der einem Kontinent Hoffnung verliehen hat.

Es gab Zeiten, da vermied Blatter, über das Thema Friedensnobelpreis zu reden. Das ist vorbei. Je näher die WM 2010 rückt, desto offensiver wird er. Lobbyisten werkeln bereits. "Es gibt Initiativen, die jetzt an mich herangetragen werden, von links und von rechts, wir unterstützen dich für einen Nobelpreis", sagt Blatter freimütig. "Wenn ein Nobelpreis vergeben werden sollte, dann der Institution Fifa und nicht einem Mann." Wobei der Walliser selbst gern die Institution Fifa mit der Person Blatter gleichsetzt. Wenn der Nobelpreis also an Joseph Blatter gehen sollte? "Dann würde ich ihn nicht ablehnen. Natürlich nicht. Das gehört sich doch nicht."

Schon recherchiert der Zürcher "Blick", Blatter stets wohl gesonnen, in den Listen der Nobelpreisträger. Als in der Schweiz beheimatete Institution wurde das Internationale Rote Kreuz bereits geehrt. Privatpersonen aus der Schweiz aber haben den vergebenen Friedensnobelpreis erst zweimal erhalten, in den ersten beiden Jahren: 1901 Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, 1902 die Friedenspolitiker Élie Ducommun und Charles Albert Gobat.

Blatters Konkurrenz schläft nicht

Auch unter diesem Gesichtspunkt sind Blatters Aktivitäten in Südafrika zu betrachten, etwa dass das Fifa-Exekutivkomitee seine Sitzung bewusst auf der Gefängnisinsel Robben Island abhielt, wo Nelson Mandela 18 Jahre lang einsaß, wo auch der jetzige Staatspräsident Südafrikas, Jacob Zuma, etliche Jahre Haft verbüßte - und in jener Zeit Fußball spielte und in der Gefangenenliga als Schiedsrichter agierte. Blatters langjähriger Außenminister Jérôme Champagne, ein polyglotter ehemaliger französischer Top-Diplomat und Fifa-Direktor für Internationale Beziehungen, hatte noch dafür gesorgt, dass all diese Geschichten weltweit gestreut werden. Freiheit, Frieden, Fifa - das ist die Botschaft.

Für Champagne war das allerdings sein letzter großer Akt in Fifa-Diensten. Mittlerweile hat sich der Weltverband von ihm getrennt. Nicht nur weil Champagne aus Blatters Sicht offenbar ein bisschen zu mächtig wurde, wie es heißt. Auch die Kontinentalfürsten im Weltfußball, Uefa-Präsident Michel Platini und Asiens mächtiger Fußballfunktionär Mohammed Bin Hammam aus Katar, sollen hinter den Kulissen an Champagnes Abgang gearbeitet haben - um einen lästigen Konkurrenten aus dem Weg zu haben, der ihnen Blatters Erbe streitig machen könnte. Denn während Blatter vom Nobelpreis träumt, arbeiten Platini und Bin Hammam eifrig daran, die eigenen Ambitionen als mögliche künftige Fifa-Chefs auszubauen.

Aber noch hält der Schweizer das Heft in der Hand. Er strebt für 2011 seine mittlerweile vierte Amtszeit an. Und wenn die WM in Südafrika gut läuft, wird es niemanden geben, der sich ihm vor der Wahl offen in den Weg stellt. Nur wenn die WM ein Misserfolg wird, könnte es eng für Blatter werden.

In seiner Trophäensammlung im "Home of Fifa" in Zürich finden sich Dutzende Plaketten. Er ist bereits Träger des höchsten südafrikanischen Ordens, des "Order of Good Hope". Er ist Ritter der französischen Ehrenlegion. Akkurat und stets aktualisiert werden seine Auszeichnungen auch auf der Fifa-Homepage aufgelistet - vom "Dustlik"-Orden Usbekistans über die Ehrenbürgerschaft von Bangkok bis hin zum ukrainischen Orden Jaroslaws des Weisen.

Mangelnde Anerkennung in Deutschland

Das Bundesverdienstkreuz aber fehlt in der Auflistung, und das scheint kein Zufall. Denn Blatter hat es bis heute offenbar nicht verwunden, dass ihm damals in Deutschland, kurz vor dem Finale der WM 2006, das Bundesverdienstkreuz nur in kleinem Kreise im Bundeskanzleramt und nicht in großer öffentlicher Runde überreicht wurde. Er mag die ganz große Geste. Die bekam er in Deutschland nie.

Direkt aus dem Kanzleramt fuhr Blatter damals übrigens ans Brandenburger Tor, wo er mit dem damaligen Südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki im Rahmen einer großen Show den Countdown für die WM 2010 einleitete. In Afrika muss sich Blatter nicht verteidigen. Hier wird er als Held gefeiert. Als derjenige, der dem Kontinent die WM verschafft hat.

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insgesamt 41 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2010 von weinreich: Friedensnobelpreis

Samaranch war immer scharf auf den Friedensnobelpreis. Ein norwegischer Journalist, Frank Brandsaas, hat kurz vor den Olympischen Winterspielen 1994 enthüllt, dass Samaranch und das IOC eine PR-Agentur (Grey) beauftragt hatten, [...] mehr...

29.01.2010 von awebln: widerlich bleibt es, oder...

Meinst Du, die Franzosen sind die einzigen, die sich ein Tor während einer Quali ergaunert haben? Ja,ja,ja Weltverschwörungstherorien ......in Burchteilen einer Sekunde sagt sich der Schiedsrichter, was für eine nette [...] mehr...

29.01.2010 von Brieli:

Blatter, Platini, Beckenbauer, Pele .... Alles dieselbe Seite einer Medaille. Denen geht es um persönliche Macht - und Eitelkeit. (Sonst wären sie nicht dort wo sie sind). Und korrupt sind sie alle :-) mehr...

29.01.2010 von el zensor: Friedensnobelpreis für Fidel Castro + Erich Honecker posthum

Konnte man über den Friedensnobelpreis für Barack Obama angesichts einer schon damals absoluten Null-Leistung noch den Kopf schütteln, so treiben einem Spekulationen dieses Preises für Blatter die Zornesröte ins Gesicht. Blatter [...] mehr...

28.01.2010 von spiegeldich: Blatter ist der korrupeste und übelste, den wir je

mals hatten. Millionen Cash hat er sich auszahlen lassen um für die von ihm hochgejubelten "Ergebnisse" sich feiern zu lassen..... Komme was da wolle.... Kein Wunder, der er sitzt derzeit in einer seiner [...] mehr...

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