Über dem Eingang der mondänen Geschäftsstelle von Juventus Turin weht stolz die schwarz-weiße Vereinsfahne. Drinnen sitzt der Präsident des italienischen Rekordmeisters mit tiefem Selbstbewusstsein. "In aller Bescheidenheit, Juventus weist den Weg", sagt Jean-Claude Blanc und lächelt. Auf dem Platz mag sich am Dienstag im Spiel zwischen seinem Club und dem FC Bayern entscheiden (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), wer weiter in der Champions League spielt, doch selbst im Fall einer Niederlage hat Juventus die Zukunft auf seiner Seite.
Blanc hat viel Erfahrung im Sport-Business gesammelt: als Vermarkter für die Tour de France, für die Olympischen Winterspiele in Albertville und für die French Open, eines der vier Grand-Slam-Turniere im Tenniszirkus. Der Franzose ist Absolvent der Harvard Business School und gehört zu jener Sorte von Führungskräften im Fußball, die auch einen Automobilzulieferer zurück in die Spur bringen könnten. Die Sanierung von Juve ist ihm jedenfalls geglückt.
Vor drei Jahren, am Tiefpunkt der Vereinsgeschichte, wurde Blanc zunächst Manager und führte den populärsten Club des Landes aus einer Ära düsterer Hinterzimmerpolitik in die eines modernen Fußballunternehmens. Juventus wurde wegen des Manipulationsskandals, der unter dem Namen "Calciopoli" Schlagzeilen machte, Meistertitel aberkannt und in die zweite Liga zwangsrelegiert. Der ehemalige Manager Luciano Moggi hatte jahrelang Schiedsrichter zu Gunsten der Turiner beeinflusst.
Man könnte den Club auch in Newventus umbenennen
Längst gehört Juventus sportlich wieder zur Spitzengruppe der Serie A, am letzten Wochenende konnte der Abstand auf Tabellenführer Inter Mailand zumindest etwas verkleinert werden. Vor allem aber hat Blanc den Club so umgekrempelt, dass man ihn auch Newventus nennen könnte. In der letzten Saison machte er einen Nettogewinn von 6,5 Million Euro, und im Sommer konnte Juventus schon wieder mehr als 50 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben, unter anderem für den Bremer Diego.
Als seine "wichtigste Aufgabe" betrachtet es Blanc aber, das Publikum ins Stadion zurückzuholen. So sitzt er neben dem Modell einer neuen Arena, die derzeit auf dem Gelände des abgerissenen Stadions delle Alpi errichtet wird. Sie soll 165 Millionen Euro kosten, 41.000 Zuschauern Platz bieten und bei der Eröffnung im übernächsten Frühjahr die mit Abstand modernste des Landes sein. Die Tribünen werden so nah an den Platz gebaut sein wie an der Anfield Road in Liverpool, und die Inneneinrichtung stammt von den Stardesignern der Firma Pininfarina. "Wir wollen Italien von seiner besten Seite zeigen, mit seiner Kreativität, seinem Design und phantastischem Fußball."
Sozialarbeit mit problematischen Fans gibt es in Italien nicht
Bereits am Übergangsspielort Olympiastadion, das für die Winterspiele 2006 umgebaut wurde, versucht Juventus einen neuen Umgang mit dem Publikum. Die Zäune sind hier so niedrig wie sonst nirgends in Italien, und Zuschauerinnen, in italienischen Stadien seltene Gäste, werden auch schon mal mit einer Rose begrüßt. Besucher sollen sich willkommen fühlen, wo sie anderswo ausschließlich als Sicherheitsrisiko betrachtet werden. Sozialarbeit mit problematischen Fans, in Deutschland erfolgreich praktiziert, gibt es in Italien nicht. Gewaltprobleme löst die Polizei bislang ausschließlich durch Verbote. Manchmal untersagt sie Gästefans die Anreise zu Auswärtsspielen, und ab Januar darf seine Mannschaft zu Ligaspielen nur noch in fremde Stadien begleiten, wer einen der heftig umstrittenen "tessera del tifosi" mit sich trägt - einen Fanausweis.
"Es muss eine Menge Grundlagenarbeit gemacht werden, damit eine neue Ära beginnen kann", sagt Blanc und meint den italienischen Fußball insgesamt. Aufgrund des Manipulationsskandals, aus Angst vor Ausschreitungen und aufgrund des schlechten Zustands der im Schnitt 67 Jahre alten italienischen Erstligastadien, hinkt die Serie A der europäischen Konkurrenz inzwischen hinterher. Nur 58 Prozent der Plätze sind im Schnitt besetzt, in der Premier League sind es 87 Prozent und in der Bundesliga 86 Prozent.
Mit dem neuen Stadien werden die Turiner zum Vorreiter einer Modernisierungsoffensive in Italien. Ab 2011 verfügen sie dann über einen großen Wettbewerbsvorteil im Vergleich zur Konkurrenz, die bislang bestenfalls Entwürfe für neue Arenen in der Schublade hat. Es wird sich heute Abend also viel entscheiden, sicherlich aber nicht die Zukunft von Juventus Turin.
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er könnte ein zweiter Karl May werden? ;-) mehr...
Aber es ist eben auch so, dass das beim FC Bayern nicht groß anders ist. Was für Euch der Aufstieg (oder auch die Meiserschaft), das ist für uns das CL-Finale. Und auch bis wir das jetzt mal endlich wieder erreichen konnten sind [...] mehr...
...mir doch nie in den Sinn kommen ;-). Im Ernst: Hat er hier mal in einem anderen Fred (als ich seine Posts noch gelesen habe) gepostet, möchte Dir jetzt aber nicht zumuten, den aus seinen Elaboraten rauszusuchen. Es hatte [...] mehr...
Aber wirklich, ich leide sehr darunter ;) mehr...
Erst dachte ich, Du willst mich veräppeln. Dann las ich Haio: Ist aber auch verständlich, bei mehr als 30T Beiträgen hier hat man natürlich keine Zeit ins Stadion zu gehen. Da muß man sich entscheiden, entweder sieht man [...] mehr...
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