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14.12.2009
 

Spielstarke Bayern

Die rote Bestie entdeckt den Spaßfußball

Aus Bochum berichtet Christoph Biermann

Bayern-Offensive Müller, Gomez, Olic (v.l.n.r.): Der Van-Gaal-Fußball nimmt Kontur anZur Großansicht
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Bayern-Offensive Müller, Gomez, Olic (v.l.n.r.): Der Van-Gaal-Fußball nimmt Kontur an

Schnelle Kombinationen, harte Flachpässe, 75 Prozent Ballbesitz - der Sieg der Bayern in Bochum zeigt: Die Münchner haben das System von Trainer Louis van Gaal endlich begriffen. Da ist selbst der niederländische Perfektionist zufrieden - trotz eines unschönen Jubiläums.

Als Hermann Gerland das Stadion des VfL Bochum verließ, wollte ihn ein aufmerksamer Ordner zum Mannschaftsbus des FC Bayern leiten. Doch der Münchner Assistenztrainer wehrte ab. Er wolle nicht zum Bus, sagte Gerland, "ich will nach Bochum". Denn dort ist er geboren und aufgewachsen, dort hat er jahrelang für den VfL gespielt und als Trainer gearbeitet. Dort stand am gestrigen Sonntag die Erbsensuppe der Schwiegermutter auf dem Tisch, und dort wird er an diesem Montag ehemalige VfL-Spieler zum Bier treffen.

Bei dieser jährlichen Zusammenkunft wird Gerland auch von seiner Arbeit mit Louis van Gaal erzählen müssen - und vermutlich wird er von dem Holländer schwärmen. Van Gaal kann darauf stolz sein, denn Gerland ist so knorrig wie unbestechlich und hat als Talentausbilder bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern etliche Cheftrainer erlebt. Dass so einer im Alter von 55 Jahren noch staunend feststellt, wie er bei van Gaal ständig dazulernt, ist ein ganz besonderes Lob.

Inzwischen jedoch bedarf es keiner speziellen Innensicht mehr, um die besondere Qualität im Münchener Spiel zu erkennen. Der Van-Gaal-Fußball nimmt Kontur an, und der 5:1-Sieg in Bochum war ein weiteres Beispiel dafür, selbst wenn der panische Gegner kein wirklicher Maßstab war.

Gerlands Heimatverein schwinden sowieso traditionell die Kräfte, wenn er den Rekordmeister empfängt. Gegen keinen Club hat der VfL Bochum so oft im eigenen Stadion verloren und so viele Tore kassiert wie gegen die Bayern. Selbst als Gerland noch in Bochum spielte, reichten im September 1976 nicht mal fünf Tore, denn Bayern schoss sechs - und das nach einer 4:0-Führung für den VfL. Auch Jürgen Klinsmann schaffte dort im März dieses Jahres noch einen lockeren 3:0-Sieg, fünf Wochen vor seiner Entlassung.

Perfektionist in Sachen Positionsspiel

Ein hoher Sieg in Bochum hat für den FC Bayern also keine Aussagekraft, die Spielweise am Samstag indes bestätigte den Triumph von Turin. Dass van Gaal in München inzwischen verstanden wird, belegte ein statistischer Wert. Unglaubliche 75 Prozent der Spielzeit waren die Bayern am Ball, und das war nicht nur dem schwachen Gegner geschuldet.

Der holländische Trainer ist ein Perfektionist in Sachen Positionsspiel, das genau zu solchen Werten führen kann. Inzwischen nehmen die Spieler des FC Bayern die Knotenpunkte eines imaginären Netzes ein und rochieren dann nach festen Mustern. Wenn sie auch noch die von van Gaal geforderte Kombinationen mit harten, sauber gespielten Flachpässen in Gang setzen, verwandeln sich die 90 Minuten für ihre unseligen Gegner in ein traumatisches Hinterherrennen. Der Ball ist immer schon weg, wenn man den Zweikampf sucht.

Gomez ist der Goalgetter, Olic beatmet das Spiel

Inzwischen hat van Gaal auch sein Team für diese Spielweise gefunden. Und es zeigt sich, dass er doch nicht der Fundamentalist ist, den manche in ihm sehen. Zwar würde er gern mit drei Angreifern spielen, doch nun sind es eben zwei. Er war anfangs von Gomez wenig begeistert, doch nun ist der 35 Millionen Euro teure Stürmer sein Goalgetter. Das Gesicht dieser Mannschaft ist allerdings ein anderes. Es gehört Ivica Olic und ist meistens ein lachendes. Der Kroate beatmet das Spiel der Bayern mit seinen unglaublichen Dauerläufen und seiner bis auf den letzten Rang spürbaren Lust auf Fußball. Er sorgt für die Frische und den Optimismus, die einem Konzept erst Leben geben.

Weil die Dinge inzwischen beim FC Bayern passen, während das in Leverkusen und Bremen nicht mehr ganz so der Fall ist, gibt es in diesen Tagen vor Weihnachten keine deutsche Mannschaft, die so gut wie der FC Bayern spielt. Er ist auch nicht einfach wieder als rote Bestie mit dem ewigen Hunger auf Siege wiederauferstanden, es macht sogar Spaß, diesen Bayern zuzuschauen. Daher wird Hermann Gerland mit seinen alten Bochumer Kumpels wohl auch nicht viel über das quälende Jubiläum sprechen müssen, das die Münchner an diesem Spieltag feiern. Sie sind nun zum 50. Mal hintereinander nicht Tabellenführer der Bundesliga, doch es gehört nicht viel Prophetie dazu, wenn man sagt, dass diese Serie bald ein Ende finden wird.

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16.05.2010 von ray4901: Sie meinen

er könnte ein zweiter Karl May werden? ;-) mehr...

16.05.2010 von MOUXIN:

Aber es ist eben auch so, dass das beim FC Bayern nicht groß anders ist. Was für Euch der Aufstieg (oder auch die Meiserschaft), das ist für uns das CL-Finale. Und auch bis wir das jetzt mal endlich wieder erreichen konnten sind [...] mehr...

16.05.2010 von Toradac: Hallo Justitia, würde...

...mir doch nie in den Sinn kommen ;-). Im Ernst: Hat er hier mal in einem anderen Fred (als ich seine Posts noch gelesen habe) gepostet, möchte Dir jetzt aber nicht zumuten, den aus seinen Elaboraten rauszusuchen. Es hatte [...] mehr...

16.05.2010 von Haio Forler:

Aber wirklich, ich leide sehr darunter ;) mehr...

16.05.2010 von Justitia:

Erst dachte ich, Du willst mich veräppeln. Dann las ich Haio: Ist aber auch verständlich, bei mehr als 30T Beiträgen hier hat man natürlich keine Zeit ins Stadion zu gehen. Da muß man sich entscheiden, entweder sieht man [...] mehr...

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Zum Autor

Martin Steffen
Christoph Biermann, Jahrgang 1960, lebt in Köln und hat schon alle Stadien der Welt besucht, zumindest die schönsten. Sein Herz schlägt jedoch nicht für einen der großen Clubs, er hält zu einem Außenseiter aus NRW.

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