Von Thilo Thielke
Hexerei gehört ganz selbstverständlich zum afrikanischen Fußball dazu. Doch wie ernst muss man diesen Zauber nehmen? Jeder Scharlatan, der in Europa einen todkranken Menschen mit Rezepten aus der Geisterwelt zu kurieren verspricht, würde einen mittelgroßen Skandal auslösen. Natürlich verfügen Naturvölker über ein Wissen, das seit Jahrhunderten tradiert wird. Natürlich wachsen im Regenwald Kameruns Kräuter, die helfen - selbst wenn die moderne Medizin davon noch nichts wissen sollte.
Heilt aber ein Öl, das auf die Haut aufgetragen wird, wirklich die Malaria? Machen Zebrahufe einen Fußballer ausdauernd, macht Löwenfett stark und steigern Affenhände das Sprungvermögen? Ernst Middendorp, der in Südafrika die Kaizer Chiefs aus Soweto trainiert hat, findet die Fußballhexerei eher motivationssteigernd und vergleicht sie mit den Reden, die Jürgen Klinsmann geschwungen hat, um die deutsche Nationalmannschaft bei der WM auf Trab zu bringen.
Middendorp nahm in Afrika selbst an Besprechungen teil, um den Zauber der Gegner unschädlich zu machen, und wenn der Eingang zum Stadion verzaubert war, kletterte er mit dem gesamten Team über die Mauer. "Wenn es darum geht, Stärke vor dem Spiel zu tanken, ist das doch toll", sagt er, "ich habe jedenfalls höchsten Respekt vor dem Glauben der Leute."
Stürmer Salou: "Mich hat dieses Zeug nie interessiert"
Und auch der ehemalige Coach der südafrikanischen, Bafana Bafana genannten, Nationalmannschaft, der Peruaner Augusto Palacios, erkannte einen gewissen Nutzen in den Praktiken: "Jeder Spieler kann das zu Hause machen, wenn er will. Ich respektiere die Kultur und habe lediglich erklärt, dass das für mich Aberglaube ist und eher psychologisch wirkt."
Andere nehmen stärker Abstand von der Hexerei. So sagt der ehemalige Bundesliga-Stürmer Bachirou Salou, geboren in Togos Hauptstadt Lomé: "Mich hat dieses komische Zeug nie interessiert. Es ist gut, dass europäische Einflüsse greifen, nur so bleibt der afrikanische Fußball dran. Sonst wären wir schnell hundert Jahre zurück."
"In Afrika veranstalten Vereine solche Lager unter anderem deswegen, weil die Offiziellen glauben, dass der Muti-Zauber nach der Hexerei verfliegt, wenn die Spieler nicht alle zusammenbleiben", weiß der südafrikanische Fußballreporter Peter Auf der Heyde. Der Journalist hat eine ganze Reihe derartiger Fälle gesammelt. Oft suchten verletzte Spieler Naturheiler in Soweto auf und unterzögen sich dort abenteuerlichen Praktiken, etwa wenn die Hexer mit rostigen Messern Sprunggelenke aufschneiden würden. Aber Auf der Heyde sagt auch: "Es sieht so aus, als würden viele Spieler tatsächlich auf diese Art und Weise geheilt."
Vor dem Spiel nackt im Dschungel schlafen
Sind das alles nur Ausnahmen? Von den Medien aufgeblähte Sensationsgeschichten - womöglich mit dem Ziel, kolonialistische Klischees zu bestätigen. "Für die meisten afrikanischen Spieler ist Hexerei nur wenig mehr als deren Form des Aberglaubens", behauptet der Autor Simon Kuper in seinem ansonsten lesenswerten Buch "Football Against the Enemy". Für ihn ist es etwas, das "weit weniger wichtig ist, als wir denken".
"In Gabun schlafen die Spieler vor einem Spiel nackt im Dschungel", schreiben die Dokumentarfilmer Marc Broere und Roy van der Drift in ihrem Fußballbuch "Football Africa!", "in Ghana urinieren die Spieler auf den Ball und stecken sich Blumen hinter die Ohren. In Mali werden Fetische, wie zum Beispiel Voodoo, benutzt. Eine ganze Reihe simbabwischer Fußballer wurde suspendiert, nachdem sie vor einem Spiel gemeinsam auf das Spielfeld gepinkelt hatten. Sie sollten sich einen besseren Medizinmann suchen, meinten die Verbandsoffiziellen."
Wenn Flügelstürmer schneller werden sollten, dann segneten die Medizinmänner eben Fliegen. Das mag alles harmlos sein. Doch wer an die guten Mächte glaubt, muss auch die bösen fürchten. Die Kehrseite des Glaubens an den positiven Hokuspokus ist der damit verbundene Auftrag, den bösen Zauber zu eliminieren. Wenn der Mannschaftsarzt der Kameruner, Tsala Mbala, sagt, Zauberer seien schon in Ordnung und könnten die Mannschaft aufrichten, mag er recht haben. Doch für immer mehr Menschen in Afrika endet der Glaube an die finsteren Mächte tatsächlich im Jenseits.
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Klappt ja prima, beste Plazierungen bei der WM im eigenen Kontinent. mehr...
Abergläubige anderer Nationen bekreuzigen sich vor dem Spiel. mehr...
na und und wir "befragen" einen Oktopuss als ob das kein Aberglaube ist. Aber machen wir uns nichts vor...dem SPON geht es nicht um Skurilitaeten, sondern darum, den Afrikaner als vorzeitlichen Steinzeitmenschen zu [...] mehr...
...auch Winnie Schäfer als Afrika-erfahrenen miteinbeziehen können ! auch ihm standen einst einmal die Haare zu Berge als zuerst die Gegnerische Manschaft den Fussballplatz mit hilfe eines frisch geschlachteten Huhns bzw. dessen [...] mehr...
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