Von Carsten Eberts
Hamburg - Der Manager des SV Werder Bremen war sichtlich bedient und machte daraus keinen Hehl: "Wir müssen Abschied von unseren Träumen nehmen", sagte Klaus Allofs nach dem 2:3 seines Clubs gegen den hoch überlegenen FC Bayern München. Mehr war von ihm nicht zu hören, denn Allofs versteckte sich sogar erstmal in den Katakomben des Weserstadions, schwänzte das traditionelle Nach-dem-Spiel-Gespräch mit den Journalisten. Erst später tauchte er wieder auf, und wählte für einen, der sonst durch seine besonnen-kühle Art besticht, ziemlich drastische Worte: "Von Zielen wie der Champions League", sagte Allofs, "muss man erstmal nicht mehr reden."
Auch Werders Trainer Thomas Schaaf beurteilte das Spiel gegen den FC Bayern ähnlich: "Es wurde sicherlich einiges geboten. Leider nicht so viel von meiner Mannschaft." Zehn Tore, sagte Bayerns Siegtorschütze Arjen Robben, hätte seine Mannschaft an diesem Nachmittag gegen die Norddeutschen schießen müssen. Die Bremer widersprachen nicht. Schaaf und Allofs wussten, dass ihre Mannschaft mit dem knappen 2:3 noch ziemlich gut weggekommen war.
Seit sechs Spielen ist der Pokalsieger in der Bundesliga sieglos, die vergangenen vier Partien gegen Schalke (0:2), Hamburg (1:2), Frankfurt (0:1) und den FC Bayern gingen allesamt verloren.
Als ob das allein nicht reichen würde, führen die Niederlagen auch zu einem weiteren ernsthaften Problem für den Club: Ende März läuft Allofs Ultimatum für die Vertragsverlängerung von Mesut Özil ab. Der will und muss in der kommenden Saison international dabei sein, so verlangt es die Entwicklung des Nationalspielers. Im Moment fehlt ihm in Bremen dazu aber die Perspektive: Der Club liegt sechs Punkte hinter den Europa-League-Plätzen zurück - und gefährdet damit auch die Vertragsverlängerung mit Özil. Dessen Kontrakt läuft noch eineinhalb Jahre. 2011 müsste man ihn ohne Transfererlös ziehen lassen.
Über das Interesse von Topclubs aus London oder Barcelona wird längst spekuliert. Und wie immer, wenn Bremen einen herausragenden Spieler besitzt, ist dieser auch für den FC Bayern interessant. Siehe Miroslav Klose, Torsten Frings, Valérien Ismaël oder Tim Borowski. Nun auch Özil?
Absturz von Rang zwei
Dabei war die Euphorie bei Werder Bremen vor wenigen Wochen noch so groß wie seit Jahren nicht mehr: In schöner Regelmäßigkeit wirbelten Özil und Neuzugang Marko Marin die Liga durcheinander, Claudio Pizarro nahm nach seiner Verletzung sofort wieder seinen Platz als Werders Topangreifer ein. Fünf Spieltage stand Bremen hinter Tabellenführer Leverkusen auf Rang zwei. Die Fans konnten zu Recht hoffen, dass nach der verkorksten Bundesliga-Saison 2008/2009, die abgeschlagen auf Rang zehn endete, wieder mit Bremen zu rechnen ist. "Natürlich wollen wir um den Titel spielen", sagte Allofs. Das war Ende Dezember.
Doch dann kam die Wende. Erst die schon einmal geplatzte Vertragsverlängerung mit Özil, dann das Aus für Kapitän Torsten Frings in der Nationalmannschaft. Dazu plagten Pizarro Schmerzen am Fuß und am Knie sowie eine Grippe. Zuletzt sah sogar der sonst souveräne Torhüter Tim Wiese nicht gut aus, wie bei Robbens 2:3-Freistoßtor am Samstag. Zu viel für eine Mannschaft, die extrem von der Tagesform einzelner Protagonisten abhängt. In der Mannschaft sei in den letzten Spielen "Stück um Stück Qualität weggebrochen", sagte Allofs resigniert. "Wir sind angeknockt", attestierte auch Abwehrchef Per Mertesacker.
Und Özil? Der 21-Jährige hat sich selbst einen Maulkorb verordnet, will nicht mehr über seinen Vertrag reden. Doch die wenigen Sätze, die der wortkarge Mittelfeldspieler in den vergangenen Wochen von sich gab, reichen für eine Einordnung: Er wolle die Saison auf einem der ersten drei Plätze beenden, sagte Özil dem "Kicker". Und was seine Zukunft angeht, möchte er seine "Fähigkeiten optimal nutzen". Diese Sicherheit kann ihm Werder Bremen derzeit nicht bieten. Özil wird kaum geduldig warten, dass sich Bremen in letzter Sekunde über einen Pokalwettbewerb für Europa qualifiziert -wie in der vergangenen Saison, als sich Werder erst durch den DFB-Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen in die Europa League rettete.
Kein Tor, keine Vorlage, null Punkte
Allofs versucht derweil, den Druck von seinem formschwachen Nationalspieler zu nehmen. Er hatte Özil vor zwei Jahren für fünf Millionen Euro überraschend von Schalke 04 losgeeist, wo man dem Deutsch-Türken seine Gehaltsvorstellungen nicht erfüllen wollte, gab ihm in Bremen die Zeit, ein Führungsspieler zu werden. Nun hält Allofs wieder seine Hand über ihn, mehr kann der Manager nicht tun. "Wir dürfen die Last in dieser Situation nicht auf einzelne Schultern legen, sondern müssen alle mit einbeziehen", sagte Allofs.
Der Manager weiß: Trainer Schaaf muss bei seinem besten Mittelfeldspieler schnell den Kopf frei bekommen - auch wenn die Vertragsituation noch nicht geklärt ist. Denn der Plan der Werder-Verantwortlichen, sich nach dem Abgang von Regisseur Diego zu Juventus Turin nicht wieder von einem einzigen Spieler abhängig zu machen, ist nicht aufgegangen: Marin und Frings spielen zwar eine solide Saison - es ist jedoch allein Özil, dessen Form über Wohl und Wehe im Bremer Spiel entscheidet. Wie sehr der Club von Özil abhängig ist, zeigt schon die Bilanz: Özil schoss in den vergangenen vier Spielen weder ein Tor, noch gab er eine Vorlage. Bremen holte aus diesen Spielen null Punkte.
Mit Material von sid und dpa
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Hier geht es einfach um Geld. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Özil unterschreibt, selbst mit festgeschriebener Ablöse, dann kann Werder die Ablöse einstecken. Unterschreibt er nicht, dann kann er bei einem Wechsel auch [...] mehr...
Du wirst aber auch bei diesen Vereinen wieder zu Einsätzen kommen, wenn du dich besserst. In manchen Fällen kann Bankdrücken auch ein Anreiz sein, bei Werder müsste Özil woll schon Eigentore en masse schießen um auf die Bank [...] mehr...
Garnichts. Meine Kritik richtet sich auch gegen den Autor des Artikels und die Zusammenhänge und Schlußfolgerungen, die er aus seinen falschen Thesen zieht. Bei Mannschaften wie Barca oder ManU oder Real hast du Leistungen [...] mehr...
Es ist in der tat richtig, dass die vielen gleichen Beiträge der frustrierten Werder Fans hier eine deutliche Sprache sprechen, aber ein wenig anders als ihr euch das vielleicht vorstellt. Ich war bisher immer Bremen Fan, [...] mehr...
Er will in die CL? Wie der Name schon sagt - was für Champions. Und diesen Beweis hat er noch nicht erbracht. Dabei ist das so einfach - gut spielen und die Bremer zum Sieg führen. Spieltag für Spieltag. Die Wahrheit liegt eben [...] mehr...
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