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27.01.2010
 

Hoeneß' Kritik an WM-Vergabe

"Eine der größten Fehlentscheidungen"

Südafrika-Kritiker Hoeneß: Bleibt im Sommer lieber in BayernZur Großansicht
dpa

Südafrika-Kritiker Hoeneß: Bleibt im Sommer lieber in Bayern

Der neue Bayern-Präsident Uli Hoeneß übt massive Kritik an der Vergabe der WM nach Afrika und spricht von einer Fehlentscheidung des Fifa-Chefs Joseph Blatter. Er stellt sich damit gegen die Einstellung seines Vorgängers Franz Beckenbauer. Hinfahren will er auch nicht.

Hamburg - Wenn Uli Hoeneß vor ein Mikrofon tritt, kann immer etwas passieren. Das war in seinen 30 Jahren als Bayern-Manager so, das hat sich auch im neuen Amt als Präsident nicht geändert. Jetzt hat Hoeneß wieder zugeschlagen. Wie bisher kein Zweiter im deutschen Fußball hat er die Vergabe der Weltmeisterschaft an Südafrika massiv kritisiert. Dass das Land am Kap die WM ausrichten dürfe, sei "eine der größten Fehlentscheidungen" von Fifa-Chef Joseph Blatter gewesen, sagte Hoeneß bei einer Ehrung im Münchner Rathaus. Ein Tonfall, der ganz im Gegensatz zu den offiziellen Äußerungen des Deutschen Fußball-Bundes DFB steht - und auch zu denen von Hoeneß' Vorgänger im Amt, Franz Beckenbauer.

"Ich war nie ein großer Freund einer WM in Südafrika oder überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu hundert Prozent geklärt sind", legte Hoeneß nach. Er sei sich sicher, dass Blatter "im stillen Kämmerlein" längst begriffen habe, dass die Vergabe ein Fehler gewesen sei. "Ich habe es immer für falsch gehalten. Jetzt hat es keinen Sinn mehr zu lamentieren", lamentierte Hoeneß: "Man muss versuchen, das Beste daraus zu machen."

Ähnlich, aber weit vorsichtiger im Tonfall, hatte sich bislang lediglich der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Reinhard Rauball, vorgewagt. Beim Neujahrsempfang der DFL nahm er Bezug auf den Rebellenanschlag, der im Vorfeld des Afrika-Cups auf das togoische Team verübt worden war. Rauball hatte damals Parallelen zur WM gezogen und festgestellt: "Wenn es unter Nationalspielern bedenken gibt, ob ihre Familie zur WM mitreisen kann, dann ist das nicht mehr unser Standard." Dafür hatte sich Rauball böse Worte von den WM-Gastgebern anhören müssen - mit dem Hinweis, als im Kosovo Bomben fielen, habe auch niemand die Sicherheit der WM in Deutschland in Zweifel gezogen.

DFB steht noch treu zum WM-Gastgeber

Der DFB hat bislang immer treu zu Südafrika als WM-Ausrichter gestanden. Der WM-Berater in Reihen des DFB, Schatzmeister Horst R. Schmidt, ist die Stimme der Südafrika-Befürworter. Er hat jüngst noch einmal die Sicherheitslage im Land als "solide und von polizeilicher Seite absolut vertretbar" bewertet. Vergleiche zwischen Angola und Südafrika verböten sich.

Die vehementeste Stimme pro Südafrika kommt allerdings aus Hoeneß' engstem Umfeld. Franz Beckenbauer, auch Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa, hat die hohen Sicherheitsstandards des WM-Gastgebers wiederholt hervorgehoben. Seinen Satz aus dem Jahr 2007 - "die WM in Südafrika wird ein großer Erfolg werden" - hat er seitdem immer wieder bestätigt. Es sei "phantastisch, wie sich die Südafrikaner auf ihre WM vorbereiten", hatte Beckenbauer gesagt.

190.000 Polizisten will Südafrika einsetzen, um die Sicherheit von Sportlern, Betreuern und Zuschauern zu gewährleisten. Chefplaner Danny Jordaan weist gebetsmühlenartig darauf hin, dass das Land in den vergangenen 15 Jahren mehr als 100 sportliche Großveranstaltungen ausgerichtet habe, ohne dass es zu größeren Zwischenfällen gekommen sei. Die Gefahr terroristischer Anschläge verwies Jordaan ins Reich "wilder Phantasie".

Hoeneß verzichtet auf den Südafrika-Trip

So wurden die Sicherheitsstandards beim Afrika-Cup auch von Südafrika äußerst hart kritisiert. Angola habe die Sicherheit besonders im Vorfeld der Veranstaltung vernachlässigt, war einhelliger Tenor in den südafrikanischen Zeitungen. Im Land selbst sind nach einer aktuellen Studie 84 Prozent der Südafrikaner überzeugt, dass das Turnier ein Erfolg wird, 86 Prozent freuen sich auf die WM. Auftraggeber der Studie: Die Fifa.

Hoeneß kann das alles nicht überzeugen. Er hat jedenfalls seinen Entschluss schon gefasst: "Ich fahre da nicht hin."

aha/sid/dpa

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insgesamt 55 Beiträge zum Forum...
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02.02.2010 von Woolloomooloo: Bodenhaftung

Man muss Uli Hoeness nicht mögen, aber er sagt, was er meint. Selbst wenn er damit nicht den Applaus der Masse bekommt. Er muss auch nicht recht haben, aber er hat Bodenhaftung und daher mögen ihn die Leute. Zu recht meiner [...] mehr...

02.02.2010 von Bene84: Oh mann...

Ich frage mich woher Sie diese hochwertigen Informationen über Jo'burg beziehen. Ich habe dort einige Zeit als Student gelebt. Wie es halt als Student so ist, ist man auch oft im Nachtleben unterwegs. Und es ist absoluter [...] mehr...

31.01.2010 von leopoldy: Lieber in den Garten

Ich bin nicht so oft der Meinung von Uli Hoeneß, hier aber schon. Ich werde nicht die hohe Investition machen um in ein strukturschwaches Land mitten im Winter zu fahren, wo eben doch die Wahrscheinlichkeit größer ist, das was [...] mehr...

31.01.2010 von leopoldy: Uli hat Recht

Man muß nicht immer der Meinung von Uli Hoeneß sein, die oft genung Wirtshausniveau hat. Hier bin ich aber seiner Meinung. Hohe finanzielle Investition um in den südafrikanischen Winter zu fahren mit der Gewißheit, dass immer [...] mehr...

30.01.2010 von Brieli: Entfernungen

Richtig. Und zudem leben wesentlich weniger Menschen im "erreichbaren" Umfeld. Ich habe mal so grob abgeschätzt, dass im 2000 km-Umfeld von Johannisburg grade mal eben ca. 120 Mio Menschen leben. Südafrika 50 Mio., [...] mehr...

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