Vielen Fußballfans gelten die Spieler ihrer Clubs inzwischen als Legionäre ohne Bindung, die heute hier und morgen da auflaufen. Doch diese Einschätzung ist falsch, zumindest wenn es um die Bundesliga geht. Hierzulande sind die Profis nämlich so vereinstreu wie sonst kaum in Europa: Sie stehen im Schnitt 2,33 Jahre bei ihren Clubs unter Vertrag, nur in der spanischen Liga (2,37 Jahre) wird diese Verweildauer noch übertroffen. Dagegen liegt sie bei den Spielern der englischen Premier League im Schnitt derzeit nur bei 2,03 Jahren und in der ersten französischen Liga bei 1,94 Jahren. Europäisches Schlusslicht ist die höchste Spielklasse Litauens, wo die Spieler nicht einmal ein Jahr unter Vertrag stehen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche demographische Studie des "Professional Football Players Observatory" (PFPO), die französische, italienische und schweizerische Wissenschaftler der Universitäten Neuchâtel, Lausanne und Franche-Comté erstellt haben. Ihr Zensus ist auf dem Stand von vor der laufenden Transferperiode und erfasst die ersten Ligen aus 36 europäischen Ländern mit insgesamt 528 Clubs und 12.524 Spielern. Die Erhebung wendet sich vor allem an Clubs, die sich über internationale Trends informieren wollen und liefert eine ganze Reihe verblüffender Erkenntnisse darüber, auf welche Weise sich die Ligen und Vereine voneinander unterscheiden.
So hinkt Deutschland immer noch bei der Nachwuchsarbeit hinterher. Nur 54 Prozent der Erstligaprofis wurden hierzulande ausgebildet, damit liegt die Bundesliga im europäischen Vergleich abgeschlagen auf dem 31. Platz. In Italien (63 Prozent), Spanien (65 Prozent) und Frankreich (74 Prozent) ist der Anteil deutlich höher. Und gerade Spitzenclubs bilden inzwischen besonders viele Profis selber aus, auch wenn sie dann später zu anderen Vereinen wechseln. So spielen insgesamt 56 Spieler aus dem Nachwuchs von Ajax Amsterdam in Europas ersten Ligen, von Real Madrid kommen 45 und vom FC Barcelona 40 Spieler. Bester deutscher Club ist der FC Bayern München mit 29 Profis.
Mangelnde Talentförderung in der Bundesliga
Was in der Bundesliga an Talentförderung fehlt, wird mit ausländischen Profis kompensiert. Ihr Anteil liegt mit 49 Prozent deutlich vor dem in Italien (42 Prozent), Spanien (35 Prozent) oder Frankreich (33 Prozent). Doch all die Zahlen liegen weit jenseits der absoluten Legionärsliga - in Zypern kommen 71 Prozent der Erstligaprofis aus dem Ausland. Bei internationalen Transfers verpflichten die Clubs je nach Positionen unterschiedlich viele Spieler. So importieren sie lieber Stürmer (33 Prozent davon sind im europäischen Schnitt Legionäre) und Verteidiger (30 Prozent), als Mittelfeldspieler (27 Prozent) und vor allem Torhüter (23 Prozent).
Am liebsten nimmt man weiterhin Brasilianer unter Vertrag. 502 Profis sind es aktuell, ihre Zahl weist im Vergleich zum Vorjahr aber auch den stärksten Rückgang auf, damals waren es noch 93 mehr. In der Bundesliga und in sieben weiteren Ligen stellen die brasilianischen Profis aber weiterhin die größte Gruppe ausländischer Spieler. Gefolgt werden sie in Europa von französischen Spielern (239), die in der Premier League und in Belgien auch die größte Gruppe ausländischer Profis stellen. Argentinier (238) folgen auf Platz drei, sie sind in Italien, Spanien und Griechenland die beliebtesten Legionäre.
Alte Torhüter, junge Angreifer
Die Studie untersucht auch die Alterstruktur der Mannschaften und kommt zu dem Schluss, dass die Teams von hinten nach vorne jünger werden. Torhüter sind im europaweiten Schnitt 27,1 Jahre alt, Verteidiger 26,17 Jahre, Mittelfeldspieler 25,56 Jahre und Stürmer schließlich 25,2 Jahre. Eine weitere Statistik zur Altersverteilung weist auf ein grundsätzliches Problem im Fußball hin, denn fast 30 Prozent aller Profis in Europa sind im ersten Quartal, aber nur gut 20 Prozent im letzten Quartal des Jahres geboren. Das belegt eine falsche Förderung in fast allen Nachwuchsteams, wo jüngere Spieler eines Jahrgangs aufgrund ihrer oft vorhandenen körperlichen Nachteile gegenüber Älteren benachteiligt werden. Dieser Unterschied, das zeigt die Studie, gleicht sich auch im Erwachsenenalter nicht mehr aus.
Wenn Körpergröße im Profifußball ein entscheidender Vorteil wäre, dürfte sich ein Bundesligaclub freuen. Denn die Spieler im Kader von Werder Bremen gehören zu den europäischen Riesen: Sie kommen auf durchschnittlich 185,37 Zentimeter und werden in Europa nur vom serbischen Club FK Javor minimal um 0,1 Zentimeter übertroffen. Allerdings merken sie an der Weser im Moment bekanntlich auf schmerzliche Weise den Unterschied zwischen Länge und Größe.
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für die Erläuterungen zu dieser Studie. Allerdings glaube ich, dass die Schlüsse in Bezug auf die Nachwuchsarbeit der Bundesligisten vielleicht etwas zu undifferenziert sind. Sie messen den Erfolg der Nachwuchsarbeit danach [...] mehr...
Warum sind die Werderaner denn nun die Längsten? Oder habe ich es überlesen? mehr...
Verstehe ich nicht, warum die Einschätzung falsch sein soll, ist 2,33 Jahre wirklich so lange... mehr...
frage mich warum nicht erwähnt wird, wie viele Deutsche Spieler im Ausland spielen. Z.B in Spanien, England oder Italien? mehr...
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