Von Carsten Eberts
Heute, ein Jahr später, droht dieser Geschichte kein gutes Ende. Zehn Millionen Euro Ablöse hatte der Verein locker gemacht, zusammen mit Sturmkollege Milivoje Novakovic sollte Podolski den FC möglichst ins internationale Geschäft schießen. Doch davon sind Podolski und der Club weit entfernt. Köln überwinterte zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt, Podolski ist seit 1123 Bundesligaminuten ohne Tor. Seine Effizienz zeigt er nur noch in der Nationalmannschaft, für die er zuletzt in vier Spielen dreimal traf. Am 17. Januar, im Heimspiel gegen Dortmund, erlitt Podolski auch noch einen Bandscheibenvorfall. Der setzt ihn seitdem außer Gefecht.
Und die Mannschaft? Sie beginnt plötzlich zu siegen. Ohne Podolski. Auch ohne Novakovic, den entmachteten Ex-Kapitän, den zuletzt eine Grippe plagte. In Wolfsburg (3:2) und Frankfurt (2:1) holte Köln zwei Auswärtssiege und hat sich damit gröbster Abstiegssorgen entledigt. Ohne seine nominellen Stars zeigte das Team Einsatz und große Laufbereitschaft. "Wir haben uns als Team gefunden, der Knoten ist geplatzt", sagte Stürmer Sebastian Freis, der in den Spielen gegen Wolfsburg und Frankfurt ein Tor schoss und zwei weitere vorbereitete. Dem Kölner Spiel tut der Ausfall der ranghöchsten Stürmer nicht besonders weh.
Die Wertschätzung für Podolski sinkt
Nun wird selbst in Köln, wo gerade über Podolski jede schützende Hand gehalten wurde, Kritik laut. Sogar Manager Meier ist alles andere als begeistert. "Er muss wissen, dass er auch die Laufbereitschaft mitbringen muss, die die Kollegen derzeit an den Tag legen", sagte er. Das ist offene Kritik an der Einstellung des Nationalspielers. Podolski nimmt sich von seiner ungeliebten Position im linken Mittelfeld zwar viele Schüsse, traf jedoch erst ein einziges Mal, beim 1:2 gegen Schalke. Gegen Dortmund leistete er sich ein Foul an der Strafraumgrenze, das zum 0:2 führte.
Die Gesichter des Kölner Aufschwungs sind andere. Mit Blick auf Freis, den Zugang vom Karlsruher SC mit seinen 83 Bundesligaspielen, sagte Meier sogar: "Er ist ein Charakterspieler, gibt nie auf. Für unsere Stürmer, auch für Poldi und Nova, ist er ein Beispiel, was du durch Laufbereitschaft erreichen kannst."
Gewiss ist Podolski noch immer ein sehr guter Spieler, der jeder Mannschaft mit seinen technischen Fähigkeiten gut tun müsste, das sagt auch Kölns Präsident Wolfgang Overath. Doch bei seiner derzeitigen Form sinkt die Wertschätzung für Podolski zwangsläufig mit jedem Tor, das die Mannschaft ohne ihn schießt. Und sie erzielt einige: zwei nach Podolskis Auswechslung gegen Dortmund, drei gegen Wolfsburg, zwei in Frankfurt (eines davon in Co-Produktion mit dem Frankfurter Marco Russ). Sieben Treffer in drei Spielen, das sind fast so viele wie in der gesamten Hinrunde (zehn), als Podolski 15-mal in der Startelf stand.
Podolski ist nicht mehr unersetzbar
So ist für den 24-Jährigen, der am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einstieg, zunehmend der Stammplatz in Gefahr. Gegen den Hamburger SV (Samstag, 15.30 Uhr) ist sein Einsatz noch unwahrscheinlich, gegen Schalke 04 in einer Woche will er zurück in die Mannschaft. "Wenn ich wieder fit bin, dann werde ich auch wieder spielen", diktierte Podolski dem Kölner "Express" trotzig. Ob sein Trainer ihn lässt?
Denn eigentlich hat Zvonimir Soldo keine Veranlassung, seine erfolgreiche Offensive zu verändern. Freis, Adil Chihi und auch Taner Yalcin spielten zuletzt sehr agil, der Portugiese Maniche zeigte gegen Frankfurt endlich seine beste Saisonleistung. Im Mittelfeld gab außerdem Zoran Tosic ein passables Debüt, die Leihgabe von Manchester United. Und auch Novakovic, mit vier Saisontoren bester Stürmer, drängt zurück ins Team.
Soldo zieht seine Schlüsse: "Wir sind stabiler geworden und haben jetzt mehrere Optionen." Die Worte des Trainers kann man auch so verstehen: Lukas Podolski ist in Köln nicht mehr unersetzbar. Da Schlimmste an einer Verletzung kann eben auch sein, wenn die Mannschaft plötzlich gut spielt.
Natürlich kommt auch wieder eine Zeit, in der Podolski gebraucht wird. Spätestens am 3. März in München, dann spielt die Nationalelf gegen Argentinien. Dort ist er gesetzt. "Vielleicht ist es für die WM ganz gut, dass er seinen Körper noch einmal richtig stabilisiert", sagte Bundestrainer Joachim Löw.
In Köln muss sich Podolski diese Wertschätzung wieder erarbeiten.
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