Hamburg - Der Deutsche Fußball-Bund und Bundestrainer Joachim Löw haben ihren Streit offiziell beendet und die Differenzen um die abgelehnte Vertragsverlängerung mit Löw bedauert. Die Kontrahenten der Vorwoche verkündeten die Einigung am Dienstag gemeinsam vor der Presse. Vor allem Teammanager Oliver Bierhoff zog dabei seine Forderungen zurück und korrigierte "den falschen Eindruck, der dadurch entstanden" sei.
In der Vorwoche war es während der Sitzung des DFB-Präsidiums zu einem heftigen Streit zwischen den Verbandsvertretern und der sportlichen Leitung gekommen. Die Forderungen, die Bierhoff und Löw für eine Vertragsverlängerung entwickelt hatten, wurden vom Präsidium als überhöht abgelehnt.
Von den Streitereien war jetzt nichts mehr zu hören. Löw sagte, man überlege, wie eine solche Situation überhaupt zu Stande gekommen sei - und ob er dabei auch selbst Fehler gemacht habe. Er sprach nun von "vertrauensvollen Gesprächen" mit der DFB-Spitze. Man habe die Streitpunkte "abgehakt". Schließlich habe man eine "unglaublich hohe Verantwortung" bei der Fußball-WM. Man werde "alles tun, um dieser Verantwortung gerecht zu werden". Auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der als interner Gegner Bierhoffs gilt, sprach von "einem Vertrauen, das sich plötzlich wieder wie von selbst eingefunden" habe.
Zwanzigers Bekenntnis nur zu Löw
Vor allem Bierhoff musste von einigen zentralen Forderungen abrücken, die er noch in der Vorwoche gestellt hatte. Er bedauere "die Situation und wie es dazu gekommen" sei. Ihm sei deutlich geworden, "dass die Art der Präsentation in der Vorwoche die falsche war und zu Irritationen und der Verletzung von Gefühlen geführt" habe. Allerdings verwahrte er sich dagegen, den DFB durch überhöhte finanzielle Forderungen in diese Lage gebracht zu haben: "Manche Vorstellungen, die in der Öffentlichkeit genannt wurden, sind schlichtweg falsch."
DFB-Chef Theo Zwanziger gab ein klares Bekenntnis lediglich zu Löw ab: "Diese Mannschaft braucht den Trainer. Der Erfolg bei der WM ist nur mit Joachim Löw machbar." Alle anderen seien dagegen "austauschbar": Darunter zählte er nicht nur sich selbst auf, sondern auch den Teammanager. Aber auch mit Bierhoff werde man die Planungen für die Europameisterschaft 2012 angehen. "Unsere Planungen laufen mit den Leuten, die hier am Tisch sitzen", sagte Generalsekretär Niersbach.
Die Vertragsverhandlungen mit Löw und Bierhoff werden jedoch wie vom Präsidium beschlossen erst nach der WM wieder aufgenommen. "Das ist unser gemeinsamer Wunsch", sagte Zwanziger. Vorher würde es "keinen Sinn" machen. Löw ergänzte: "Nach der WM wird man dann sehen."
Bierhoff war in der Vorwoche mit seinen Vorstellungen auf heftige Widerstände beim Präsidium gestoßen. So soll er ein Vetorecht für sich bei der zukünftigen Besetzung des Bundestrainer-Postens gefordert haben. Laut "Bild"-Zeitung hat Bierhoff zudem die Unterstützung des DFB für sich gefordert, um beim europäischen Fußballverband Uefa künftig eine größere Rolle spielen zu können. Die "Bild" hatte bereits in den Vortagen mehrfach Details der Vertragsverhandlungen veröffentlicht, was vor allem Löw massiv verärgert hatte.
Rückendeckung von Rummenigge und Vogts
Dem Spitzengespräch war schon am Sonntag die Einsicht Bierhoffs vorausgegangen, "es wäre verkehrt, wenn wir sagen würden, wir haben alles richtig gemacht". Er hatte sich da bereits im Fernsehsender Sky für ein baldiges Treffen mit der DFB-Spitze ausgesprochen. Ein Wunsch, dem der Verband jetzt nachgekommen ist.
Löw hatte zuvor bereits Rückendeckung aus dem Fußball-Lager erhalten. Sowohl Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge als auch der ehemalige DFB-Bundestrainer Berti Vogts hatten ein Bekenntnis des DFB zu Löw gefordert und eine schnelle Vertragsverlängerung befürwortet. Auch der Sportdirektor von Bayer Leverkusen, Rudi Völler, Bundestrainer von 2000 bis 2004, hatte von den Streitparteien verlangt, sich rasch wieder an einen Tisch zu setzen.
aha/dpa
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