Frage: Carsten Jancker, warum mögen Sie Deutschland nicht?
Jancker: Das habe ich doch nie gesagt. Aber ich wollte mit meiner Familie sesshaft werden und das haben wir nun auch gemacht: in Österreich.
Frage: Warum nicht in Deutschland? Hier sind Sie Champions-League-Sieger geworden, haben den Weltpokal geholt, sind Nationalspieler geworden...
Jancker: Meine Frau kommt aus Wien und wollte auch dort wohnen bleiben. Jetzt leben wir in Neusiedl, das ist 40 Autominuten von Wien entfernt.
Frage: Mit seiner Entscheidung, Sie nicht mehr in den Kader aufzunehmen, hat SV-Mattersburg-Trainer Franz Lederer Ihre Karriere früher beendet als geplant. Wann wäre denn Schluss gewesen, wenn Sie das entschieden hätte?
Jancker: Ich bin bald 36, im Sommer wäre es also ohnehin so weit gewesen. Langsam spüre ich die Jahre.
Frage: Der ehemalige französische Profi Valérien Ismael hat erzählt, dass er irgendwann vor Schmerzen nicht mehr aufstehen konnte.
Jancker: So schlimm ist es nicht, nur der Rücken zwickt. Aber das tut er eigentlich schon seit ich in Rostock auf das Jugendinternat gegangen bin.
Frage: Weil Sie zu viel trainiert haben? Immerhin waren Sie damals erst zwölf Jahre alt.
Jancker: Nein, solche Probleme haben andere auch. Und die sind nicht durch die harte Schule gegangen, die ich durchlaufen habe.
Frage: Harte Schule?
Jancker: Sechs Uhr aufstehen. Sieben Uhr Schulbeginn. Halb elf Training. Mittagessen. Zu Fuß zur Schule. Wieder Training und dann bist du um sechs Uhr zu Hause und musst noch Hausaufgaben machen. Und das alles alleine.
Frage: Hört sich nach harter Arbeit an.
Jancker: Das müssen Sie heute mal mit einem Zwölfjährigen versuchen und den am Wochenende noch motivieren Fußball zu spielen. Dafür braucht man eine gewisse Einstellung.
Frage: Warum tut man sich das an?
Jancker: Ich hatte die einmalige Chance, mein Hobby zum Beruf zu machen.
Frage: Das ist alles?
Jancker: Das ist Motivation genug.
Frage: Diesen Job haben Sie jetzt fast 17 Jahre lang ausgeübt, für einen Fußballer fast schon eine Ewigkeit. Geben Sie mir Recht, wenn ich behaupte, dass Ihre besten Jahre allerdings schon einige Zeit zurückliegen?
Jancker: Das kann ich unterschreiben. Den besten Fußball meiner Karriere habe ich definitiv bei Rapid Wien und den Bayern gespielt.
Frage: 2002 verließen Sie München und gingen zu Udinese Calcio. War das der entscheidende Karriereknick?
Jancker: Vielleicht, aber ich bin ja damals nicht in die dritte portugiesische Liga, sondern in die Serie A gewechselt. Dass es letztlich dort nicht funktioniert hat, lag wahrscheinlich daran, dass die italienische Mentalität nicht zu mir passte und definitiv daran, dass ich beschissen gespielt habe.
Frage: Wie geht man damit um, wenn man weiß: Meine beste Phase habe ich wohl hinter mir?
Jancker: Bei mir ist es die Familie, die mich immer wieder aufgefangen hat. Wenn man drei Frauen im Haushalt hat, haben die kein Verständnis dafür, wenn man schlechte Laune wegen Fußball hat.
Frage: Wenn man an den Fußballer Carsten Jancker denkt, dann fallen einem sofort drei Bilder ein: Der Turban im Europapokal-Viertelfinale gegen Dynamo Moskau, der Fallrückzieher im Champions-League-Finale 1999 und der Oben-ohne-Jubel beim 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002.
Jancker: Hoffentlich auch der Champions-League-Sieg 2001 und die beiden knappen Meisterschaften 2000 und 2001.
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