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28.02.2010
 

Bayerns Rückkehr an die Spitze

Ende der Leidenszeit

Aus München berichtet Sebastian Winter

Lange mussten sie warten, doch nun sind die Bayern wieder Tabellenführer. In einem Geduldsspiel reichte ihnen ein Geistesblitz von Franck Ribéry zum Sieg gegen den HSV. Damit haben die Münchner ein Zeichen gesetzt. Vorerst - denn die schwierigsten Aufgaben kommen erst noch.


Es war ein Geduldsspiel und die Bayern haben es für sich entschieden. Seit Mai 2008 war der deutsche Rekordmeister nicht mehr auf Platz eins in der Bundesliga gewesen, jedenfalls nicht nach Abschluss eines Spieltages. Der 1:0-Erfolg gegen den Hamburger SV brachte die Münchner nun wieder genau dorthin. Zwei Punkte vor dem Rivalen Leverkusen, der gegen Köln gepatzt hatte. Vier Punkte vor den Schalker Knappen. 78 Minuten hatte Franck Ribéry gebraucht, um den Ball ins Tor der Hamburger zu befördern. Ein Gewaltschuss, der die immer größer werdende Ungeduld der Fans in einen kollektiven Freudentaumel verwandelte. Und ein Treffer, der die zweijährige Leidenszeit der Bayern zu Ende gehen lässt.

Sie haben die Gabe, besondere Momente auf der ganz großen Bühne zu zelebrieren. So war das zum Ende der schmachvollen Hinrunde, als sie Haifa im entscheidenden Spiel besiegten, die Fans drei Tage vor der Jahreshauptversammlung beruhigten, Uli Hoeneß dort einen leichten Gang ins Präsidentenamt bescherten, sie Juventus Turin 4:1 vom Feld jagten und anschließend von Erfolg zu Erfolg eilten. So war das auch beim Sieg gegen einen starken, aber in der Offensive zu zögerlichen HSV - wenn auch die Folgen noch nicht abzusehen sind. Im fünften Duell in der Münchner Arena haben die Bayern die Norddeutschen zum ersten Mal besiegt.

Der Anlass passte dazu. Am Samstag war der Club 110 Jahre alt geworden, vor dem Spiel fielen Tausende weiße Papierschnipsel zauberhaft auf den Rasen, die Südkurve versank in einem rot-weißen Farbenmeer und in der Jubiläumsausgabe der Stadionzeitschrift durften die Fans noch einmal die Leitsätze nachlesen, die dieser Verein verkörpern möchte: Mia san Vorbilder, Mia san Tradition, Innovation, Heimat, Selbstvertrauen. Mia san grenzenlos sogar. Und: Mia san Fußball. So einfach ist das.

So einfach war es dann aber doch nicht, wie Bayerns Trainer Louis van Gaal nach dem hart erkämpften Erfolg eingestand: "Es war eine ausgeglichene Partie, ich habe das erwartet. Ein einzelner Spieler hat die Differenz ausgemacht, Franck Ribéry hat das Spiel entschieden." Und nicht Piotr Trochowski, der die personell geschwächten Hamburger - Ruud van Nistelrooy, Romeo Castelen und Marcell Jansen mussten verletzt oder krank passen - in der 18. Minute mit einem schönen Schuss aus 25 Metern fast in Führung gebracht hatte. "Steht auf, wenn ihr Bayern seid", riefen die Anhänger. Die Zuschauer auf der Haupttribüne standen sofort, was ganz selten passiert bei Heimspielen der Münchner.

Wochen der Wahrheit in Liga und Pokal

17 Spiele nacheinander haben sie nun in der Liga nicht mehr verloren, seit der 0:1-Niederlage in Hamburg, ausgerechnet. Die Konkurrenten Schalke und Leverkusen schwächelten zuletzt. Es sieht ganz danach aus, als hätte der neue Tabellenführer zum richtigen Zeitpunkt wieder ein Zeichen der Stärke gesetzt. Doch sie sollten sich nicht zu sicher sein an der Säbener Straße. Denn die entscheidenden Wochen dieser Saison kommen erst noch.

Nach einem vermeintlich leichten Programm gegen Köln, Freiburg und Frankfurt müssen die Bayern Ende März zunächst zum DFB-Pokal-Halbfinale nach Schalke. Dem Pokalduell folgt nur eine Woche später das Ligaspiel in Gelsenkirchen, im Anschluss geht es nach Leverkusen. In genau diese erste Aprilwoche würde auch das Champions-League-Viertelfinale fallen, falls die Bayern nicht noch gegen Florenz ausscheiden.

Es sind zwei Wochen der Wahrheit, in denen sich zeigen wird, ob die Bayern eine wirklich erfolgreiche Saison spielen können. Trainer van Gaal verkündete schon einmal vollmundig, dass die Chancen nun gut stünden - und ging eine Wette ein: "Ich würde mein Geld für den FC Bayern nicht in der Champions League verwetten, für die Meisterschaft aber schon." Ganz so weit wollte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nicht gehen: "Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen zu denken, dass wir schon durch sind." Sein zweiter Satz passte dann aber wieder zum Selbstverständnis der Bayern: "Wir sind grundsätzlich als Gejagter gefährlicher denn als Jäger."

Ein Feuerwerk-Spektakel beendete den Abend, "110 Jahre FC Bayern Mia san Mia". Das Publikum blieb ungewöhnlich lange, es wollte sich diesen Moment nicht entgehen lassen. Auch die Spieler standen noch auf dem Rasen, als der Sternenregen fiel. "Wir haben lange darauf hingearbeitet nach dem holprigen Start", sagte Thomas Müller, Bayerns starker, wenn auch glückloser Stürmer. "Doch jetzt greifen die Mechanismen."

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insgesamt 6 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.03.2010 von der_ridcully: Das liebe Geld und der BVB

Klar... Als der BVB an die Börse ging und sein Stadion verkauft hat, erklärte ein Herr Mair "mn werde den FC. Bayern mal zeigen wie modernes Finanzmanagement geht". 3 jahre Später waren 200 Mio weg und der verein [...] mehr...

01.03.2010 von ashcroft_house: Verdient Spitze

Bayern hatte gestern einen schlechten Tag, das hat man anhand der ungewöhnlich zahlreichen individuellen Fehler gemerkt. Aber wer selbst solche "Drecksspiele" gewinnnt, kann sich auch berechtigte Hoffnungen auf die [...] mehr...

01.03.2010 von saul7: ++

Der Ball ist rund, und das Ende der Leidenszeit wird es für die Bayern nicht werden. Sie sind nicht die gewohnt starke Mannschaft, die die Liga vor Jahren dominiert hat. Ob sie Meister werden, ist noch gar nicht sicher. mehr...

01.03.2010 von Ienz: Spätrömische Dekadenz?

Wenn sich der Effizienzquotient (Erfolg durch finanzieller Auswand) quantifizieren lassen würde, wäre dieser für die sogenannten "Bayern" aus München recht bescheiden. Mit solch einer geballten Finanzmacht Landesmeister [...] mehr...

01.03.2010 von Eppelein von Gailingen: Ende der Leidenszeit bei Bayern?

Wohl kaum. Die Mannschaft bringt vielleicht gerade mal 70-75% ihres Leistungspotenzials. Zu Hause mit einem mageren 1:0 gegen den HSV ist ein Witz. Nur weil Leverkusen mit dem Klüngel nicht zurechtkam? Zeigt noch keine alte [...] mehr...

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