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04.03.2010
 

Bundestrainer Löw

"Uns hat der Mut gefehlt"

Bundestrainer Löw: "Wir haben ein paar Fehler mehr gemacht als Argentinien"Zur Großansicht
Getty Images

Bundestrainer Löw: "Wir haben ein paar Fehler mehr gemacht als Argentinien"

Die Niederlage gegen Argentinien hat auch den Bundestrainer zum Nachdenken gebracht: Im Interview spricht Joachim Löw über fehlendes Selbstbewusstsein, die schwache Offensive und "die eine oder andere Baustelle". Lobend erwähnt er dagegen einen eingewechselten Stürmer und zwei Neulinge.

Frage: Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dem 0:1 gegen Argentinien mit in die unmittelbare WM-Vorbereitung?

Löw: Das Spiel war sehr stark von der Taktik geprägt. In der Defensive haben wir es relativ ordentlich gemacht. Die gesamte Mannschaft hat gegen starke Argentinier nicht viele Chancen zugelassen. Was wir nicht gut gemacht haben: Wir haben es nicht geschafft, Druck aufzubauen, in der Offensive klare Akzente zu setzen. Es hat uns der Mut gefehlt, aus der Kompaktheit mehr nach vorne zu machen.

Frage: Welche Defizite nehmen Sie noch mit in die nächsten Wochen?

Löw: Es gibt immer Dinge, an denen man arbeiten muss. Beispielsweise in der Detailabstimmung in jedem Mannschaftsteil. Erst als Cacau ins Spiel kam, kam nach vorne mehr Leben rein. Mit Özil, Podolski, Müller und Klose hatten wir schon ganz offensive Spieler auf dem Platz. Daran lag es nicht. Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein. Natürlich müssen wir in der Vorbereitung darauf hinarbeiten, dass wir mehr Druck erzeugen, mutiger nach vorne spielen, den Gegner zu Fehlern zwingen.

Frage: Wie haben Sie die Neulinge Thomas Müller und Toni Kroos gesehen?

Löw: Sie haben ihre Sache ordentlich gemacht. Für Toni Kroos war es sehr schwer, in dieser Phase (67. Minute) ins Spiel reinzukommen. Aber er hat sich eingefunden und angeboten, wollte etwas nach vorne machen. Bei Thomas Müller hatte ich nicht das Gefühl, dass er nervös war. Man hat gegen einen starken Gegner gesehen, dass beide gutes Potential haben.

Frage: Bleibt jetzt Bastian Schweinsteiger neben Kapitän Michael Ballack im zentral-defensiven Mittelfeld?

Löw: Schweinsteiger und Ballack können schon zusammenspielen. Es hängt viel von der WM-Vorbereitung ab, da muss einiges eingespielt werden mit den drei Zentralen Schweinsteiger, Özil und Ballack. Ich möchte da ballsichere, fußballerisch gute Spieler. In der Vorbereitung wird es sich herauskristallisieren. Ich glaube schon, dass Müller das Potential hat, auf Dauer rechts zu spielen.

Frage: Wie sehen sie das Gegentor, so eins kassiert man ja nicht oft?

Löw: Das war nicht so überraschend. Wenn so ein Ballverlust passiert und ein Argentinier im Mittelfeld frei ist, dann kann man die Sekunden zählen, bis sie vor das Tor kommen. Ein Klassepass, eine 1:1-Situation reichte. Es ist richtig, wenn wir so weit vorne sind, dass René Adler rauskommt. Wir haben ein paar Fehler mehr gemacht als Argentinien, das wird auf dem Niveau bestraft.

Frage: Wo steht die Mannschaft denn 100 Tage vor dem WM-Auftakt?

Löw: Das Gerüst steht. Selbstverständlich spüre ich, es gibt die eine oder andere Baustelle. Wenn wir dann vier Wochen zusammen sind, können wir konsequent an diesen Dingen arbeiten.

Frage: Was erwarten Sie von Spielern wie Lukas Podolski oder Miroslav Klose, die bei ihren Clubs nicht so zum Zuge kommen?

Löw: Sie müssen enorm hochtourig, hochintensiv trainieren, jede Möglichkeit nutzen. Wenn Miro etwas weniger spielt, dann müssen wir das akzeptieren. Bayern hat einen Lauf, dann gibt es nicht so viel Gründe, zu wechseln. Nach wie vor, und das hat nichts mit dem Spiel gegen Argentinien zu tun, bin ich von den Spielern absolut überzeugt. Natürlich müssen sie jetzt im März und April weiter alles tun, damit sie in Form kommen.

Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa

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