Als Louis van Gaal im Juli des vergangenen Jahres in München die Arbeit als Trainer aufnahm, fand er ein schönes Bild für sein Bayern-Gefühl. Die Kultur des deutschen Rekordmeisters mit ihrer speziellen Mischung aus Dominanz und Arroganz, aber auch Ehrlichkeit und Wärme, passe ihm wie ein "warmer Mantel". Der Eindruck von damals hat nicht getrogen. Die Passform ist derart gut, dass es dem Holländer sogar gelungen ist, den Club sportlich komplett auf seine Vorstellungen umzuschneidern.
Van Gaal hat inzwischen das konzeptionelle Vakuum, wie es Philipp Lahm lautstark beklagt hatte, ganz allein gefüllt. Er hat die holprige Phase, bis alle seine Ideen verstanden hatten, spätesten mit dem 4:1-Sieg in der Champions League bei Juventus Turin und mit einer Serie von neun Bundesligasiegen glanzvoll beendet. Doch nun läuft die zuvor tadellos schnurrende Maschinerie der Bayern zu einer Zeit nicht mehr ganz störungsfrei.
Am Samstag ließen die Bayern beim 1:1-Unentschieden in Köln schon wieder zwei Punkte liegen und gefährdeten damit die gerade erst zurück gewonnene Tabellenführung. Außerdem bestätigten sie die Eindrücke der vergangenen Spiele, denn schon der Sieg im Hinspiel der Champions League gegen den AC Florenz kam durch ein Abseitstor in den Schlussminuten nur sehr glücklich zustande. Es folgte ein Remis beim Abstiegskandidaten in Nürnberg und ein 1:0-Sieg über den Hamburger SV, der einem beseelten Moment von Franck Ribéry entsprang.
In Köln wollte sich van Gaal nicht mit mangelndem Glück herausreden, weil seine Mannschaft nur Latte und Pfosten getroffen hatte. Es käme schließlich darauf an, wie sehr man den Erfolg erzwingen wolle. Das Team hatte jedenfalls nicht tief genug in die Manteltasche mit der Effektivität gegriffen. Die Bayern spielten nicht schlecht und es hätte aufgrund einiger Phasen, in denen sie drückend überlegen waren, auch zum Sieg reichen können. Doch die Partie bestärkte einmal mehr den Eindruck, dass die Gegner inzwischen entschlüsselt haben, wie man diese Bayern stoppen kann.
Es wäre dennoch Unsinn, nun von einer Bayern-Krise zu sprechen, wo sie in der Bundesliga seit 18 Spielen ungeschlagen sind, und es die letzte Niederlage in einem Pflichtspiel Anfang November gegen Girondins Bordeaux gegeben hat. Es zeichnen sich allerdings feine Haarrisse ab, die van Gaal dringend reparieren muss. Am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Florenz etwa entscheidet sich, wo der FC Bayern international steht. Und da der Gewinn der Champions League der Heilige Gral des Clubs ist, will man in dieser Saison zumindest das Gefühl bekommen, ihm etwas näher zu sein. Ein Aus in Italien würde schmerzhafte Zweifel nach sich ziehen und zudem den Abgang von Ribéry fast sicher machen.
Auch in der Bundesliga ist der Durchmarsch zum 22. Titelgewinn nicht so ausgemacht, wie den Münchnern von allen Seiten suggeriert wird. Denn eigentlich müssten sie sich im Moment ein kleines Polster herausspielen, weil sie Anfang April innerhalb von nur einer Woche erst bei Schalke und dann in Leverkusen spielen müssen. Vor den Reisen nach Gelsenkirchen und an den Rhein sind übrigens Hin- und Rückspiel im Viertelfinalspiel der Champions League terminiert.
Daher kommt es zur Unzeit, dass der zur Rückrunde verkleinerte Kader so langsam ausdünnt. Es wäre jetzt schon hilfreich, wenn man auf den nach Nürnberg ausgeliehenen Breno zurückgreifen könnte, denn Martin Demichelis wird in der Verteidigung drei Wochen verletzt fehlen und Nachwuchsverteidiger Diego Contento humpelte in Köln ebenfalls angeschlagen vom Platz.
Noch wichtiger ist aber der Rib-Rob-Faktor. Franck Ribéry spielte in Köln nur eine Halbzeit und blieb blass. Der Franzose ist nicht ganz fit und van Gaal knurrte darüber, dass er trotz Verletzung beim Länderspiel gegen Spanien aufgelaufen war. Er knurrte noch lauter, als er gefragt wurde, ob seine Mannschaft vom Franzosen und von Arjen Robben abhängig sei, der wegen einer Grippe fehlte. "Wir haben unsere Serie auch ohne sie geschafft", sagte er. Aber man kann es drehen, wie man will, ohne die beiden haben die Münchener zwar eine sehr gute, aber eben keine überragende Bundesligamannschaft.
Auf anderen Social Networks posten:
Na ja, es gibt schon einen Unterschied zwischen Uruguay (3,5 Mill. Einwohner) und dem anachronistischen Fürstengebiet Liechtenstein mit 30.000 Einwohner und 10 x soviel Briefkästen. Ich würde es eher für unwahrscheinlich [...] mehr...
Unabhängig davon, ob es Lichtenstein gibt oder nicht, ist Uruguay zweimal Weltmeister geworden. Auch nicht gerade das allergrößte Land, weder nach Fläche noch nach Einwohnern. Li(e)chtenstein hat also Hoffnung. mehr...
Na,na, die haben immerhin gegen die Schweiz gewonnen; die sind im Kommen...2050 sind sie vielleicht dabei. Schade, dass ich es nicht mehr erlebe. mehr...
Die Punkte werden ausreichen und die Bushaltestelle(Hoffenheim) wird dann im nächsten Spieljahr im 2.Versuch einen qualifizierten Abstieg vollenden. Und das ist gut so, denn es ist nicht gut, das so ein Örtchen in der Ersten [...] mehr...
Wahrscheinlich nicht. Deshalb mussten die Hoffe-Spieler ja in die Weltstadt Heidelberg um dort die Nachtszene aufzumischen :-) mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Fast alles über Fußball | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH